In Birsfelden gibts statt einem Hafenquartier eine Fischzucht

Die ganze Region schwärmte schon von den direkt am Wasser geplanten Wohnungen am Birsfelder Hafen. Nach einer verhängnisvollen Unterschrift gibt es stattdessen: tonnenweise Egli.

Am Birsfelder Hafen gibt es vor den geplanten Wohnungen erst mal eine Fischzucht. (Bild: Nils Fisch)

So schnell kanns gehen: Noch im April wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet zwischen den Rheinhäfen, dem Kanton Baselland und der Gemeinde Birsfelden. Der Inhalt: Aus dem Hafen soll ein Entwicklungsgebiet werden. Unter anderem solle die ehemalige Jowa-Bäckerei nicht mehr «hafenaffin genutzt werden», schreibt die «bz Basel».

Jetzt, ein halbes Jahr später, tönt es ganz anders: Die Migros-Tochter Micarna AG baut anstelle der Bäckerei eine Fischzucht. Um jährlich 85 Tonnen Eglifilet zu produzieren. Die Schweizerischen Rheinhäfen hätten dazu «klammheimlich den Baurechtsvertrag bis 2040 verlängert», so die bz. 

Die Fischzucht würde sich allerdings nicht mit den Zukunftsvisionen des Hafens beissen, sagt Gemeindepräsident Christof Hiltmann. Hier gelten schlicht «andere Zeitdimensionen». Bis aus dem Birsfelder Hafen ein Wohnquartier wird, wird wohl noch manches Birsfelder Eglifilet über die Ladentheke gehen.

«bz Basel»: Fische haben Vorrang: Birsfelder Hafenpläne sind zurück auf Feld eins

Konversation

  1. Hier ist etwas faul und zwar in verschiedener Hinsicht: Wieso können die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) einen Pachtvertrag »klammheimlich« verlängern? Warum ist dafür keine öffentliche Ausschreibung nötig? Hält man sich damit Konkurrenz vom Halse?

    Das Hafenareal liegt auf dem Gemeindebann von Birsfelden und gehört dem Kanton Baselland, trotzdem scheint das Gemeinwesen bei der Entscheidungsfindung ausgeklammert. Die involvierten PolitikerInnen Marionetten der Hafenpolitik? Welche Rolle spielt der Gemeindepräsident von Birsfelden? Noch vor Wochen propagierte er die Hafenvision von Fankhauser. Jetzt gibt er klein bei? Ist er eingeknickt? Oder über den Ladentisch gezogen worden? Welche Rolle spielt der Arealentwickler Fankhauser? Hat er seine Vision freihändig und als PR-Gag lanciert? Wer steht hinter Fankhauser? Wer hat diese Vision in Auftrag gegeben und wer hat sie bezahlt? Welche Rolle spielt der zweite involvierte Gemeinderat von Birsfelden, Simon Oberbeck? Er steht als Zuständiger für die Öffentlichkeitsarbeit der Schweizerischen Rheinhäfen im Lohn der SRH und sollte als gewählter Gemeinderat aber die Interessen der Gemeinde vertreten? Die Interessen der Gemeinde Birsfelden sind aber weit entfernt von den Interessen der SRH. Die Gemeinde will mittelfristig an der attraktiven Rheinlage Wohnungsbau möglich machen. Die Gemeinde will und muss expandieren. Nur mit zusätzlichen SteuerzahlerInnen und Firmen, welche ihren Sitz in Birsfelden haben, kann die Gemeinde prosperieren. Die jetzige Entwicklung steht aber quer zu den Interessen der Gemeinde. Eine stinkende Fischzucht dürfte die Attraktivität als Wohngegend für Jahre bodigen.

    Speziell stellen sich weitere Fragen: Braucht es für eine Massentierhaltung keine spezielle Bewilligung? Eine Umweltverträglichkeitsprüfung? Was passiert mit dem verkoteten Abwasser? usw. Hier wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Übung lanciert, welche äusserst undurchsichtig ist?

    Jahrelang wurde uns zudem vorgegaukelt, dass die Nutzung des Hafenareals nur für hafenaffines Gewerbe akzeptiert wird. Jetzt ist plötzlich alles möglich. Wer ist für die Hafenstrategie verantwortlich? Gibt es überhaupt eine Hafenstrategie? Eine Eignerstrategie, welche vom Kanton fixiert wird? Warum akzeptiert die Politik die freihändige Bewirtschaftung der SRH?

    Offene Fragen, soweit das Aug reicht. Die ganze Sache stinkt zum Himmel und die Politik auf Tauchstation.

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