So hält die Messe Schweiz ihre Kosten tief

Auch das kann effizient sein: Statt Personal zu entlasssen, lagert die von einbrechenden Umsätzen geplagte MCH Group es an Drittfirmen aus. Damit sind die Stellen aber mitnichten gesichert.

«Effizienzsteigerungen»: Bei der MCH Group heisst das, Personal muss gehen.

Am Donnerstag wird die Baselworld eröffnet. Die diesjährige Ausgabe gab im Vorfeld viel zu reden, weil zahlreiche Aussteller abgesprungen sind und weil die Veranstalterin MCH Group eine Redimensionierung der weltweit wichtigsten Uhren- und Schmuckmesse bekannt gab. Die Messebesucher werden ab Donnerstag nur von halb so vielen Ausstellern begrüsst wie letztes Jahr und die Veranstaltung dauert noch sechs statt acht Tage.

Die Baselworld ist die umsatzmässig wichtigste Messe im Portfolio der MCH Group, doch auch bei anderen Messen läuft das Geschäft eher harzig. So harzig, dass die MCH Group im Februar bereits eine sogenannte Gewinnwarnung herausgab, also einen Verlust in Aussicht stellte. Happige 110 Millionen Franken fehlten Ende 2017 in den Kassen des Konzerns.

Geschäftsbereiche werden ausgelagert

Es versteht sich von selbst, dass die Messe-Manager angesichts solcher Zahlen nicht einfach weitermachen können. Also wurden bei der MCH Group Massnahmen zur «Effizienzsteigerung» getroffen. Eine davon lautet Personalabbau, wie Recherchen der TagesWoche zeigen.

Messe-Sprecher Christian Jecker bestätigt auf Anfrage, dass die MCH Group seit 2016 insgesamt zwölf Stellen abgebaut hat. Dabei bediente sich der Konzern eines Tricks: Die Leute wurden mehrheitlich nämlich nicht entlassen, sondern an externe Firmen ausgelagert. So wurde etwa im Januar 2017 der gesamte Bereich Abfallentsorgung (3 Personen) an die Firma Sempex ausgelagert. Ebenfalls gehen mussten die sechs Angestellten im Bereich Spedition und Hausdienst. Fünf davon konnten bei den Partnerfirmen weiterarbeiten, eine Person wurde von der MCH Group entlassen.

Mit der Auslagerung waren die Stellen aber mitnichten gesichert. Zumindest in einigen Fällen erfolgte die Entlassung dann einfach verzögert und – elegant – nicht mehr im Einflussbereich der MCH Group. So hat Sempex nach nur einem Jahr zwei der drei übernommenen Mitarbeiter bereits wieder entlassen.

«Es gab keine Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften.»

Messe-Sprecher Christian Jecker

Zwar handelt es sich bei diesen zwölf Stellen angesichts der Ende 2017 am Standort Basel beschäftigten 341 Personen nicht um einen grossen Abbau. Doch das Vorgehen zeigt, was die MCH Group in einem rauen Geschäftsumfeld unter «Effizienzsteigerung» versteht. Auslastungsrisiken werden an kleinere Firmen ausgelagert.

Zwar habe die Weiterbeschäftigung der Mitarbeitenden «bei der Evaluation eine wichtige Rolle gespielt», wie Messesprecher Jecker betont. Allzu streng können diese Kriterien aber nicht gewesen sein, wenn die Sempex nach nur einem Jahr die Leute wieder rauswerfen kann. Wenig überraschend: Die «Effizienzsteigerungs-Massnahmen» wurden ohne gewerkschaftliche Konsultation ausgearbeitet.

Konversation

  1. Dann hat man noch den ältesten entlassen der ganze Konzepte vorgeschlagen hat, aber überhört wurde, da ja eine Etage sicher hinter der Hand kassiert hat. Dabei hat er die Abteilung im Griff gehabt während dem die „Chef’s“ im Facebook waren, ausser Hause, im Café oder einfach sich ausgeruht haben. Schön übernimmt ISS diese Leute, aber sie selber sind ja auch ganz Schwach also passen sie wieder zusammen.

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  2. Schade für das Unternehmen, leider kennen einige die Verhaltensgrundsätze der Messe nicht und viele nennen sich Chef’s aber von Führung, Koordination und arbeiten keine Ahnung.

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  3. Wow, da zahlt die Messe ja absolute Spitzenlöhne! Ich kenne jedenfalls kein anderes Unternehmen, bei dem 12 Stellen in den Bereichen Abfallentsorgung, Spedition und Hausdienst mit 110 Millionen zu Buche schlagen.

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    1. @ Fr. Moerik:
      Die schmeissen aber nicht etwa nach der Ausstellung die ganzen Rolexuhren und Schmuckstücke als Ausstellungsmaterial einfach in den Hausmüll?

      So ähnlich wie die Grossverteiler die abgelaufene Ware?

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  4. Weil meistens die oberste Teppichetage am meisten verdient, äh, dementsprechend eigentlich am teuersten für jegliches Unternehmen ist, wäre doch das Outsourcen gerade dieser Mitarbeitergruppe mit den grössten Ersparnissen verbunden.

    Das Outsourcen des Reinigungspersonal ergibt viel weniger Kostenersparnis, als wenn man den Manager outsourced, weil der viel mehr „verdient“.

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    1. Das Reinigungspersonal outsourcen, dann den Auftrag jährlich ausschreiben, die Reinigungszyklen „optimieren“ – da lässt sich schon Geld einsparen. Viele kleinere Beträge ergeben auch einen grösseren Betrag.

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  5. Personal auslagern oder Make-or-buy ist weit geläufig in der heutigen Zeit und hat natürlich Vor- und Nachteile für den Arbeitnehmer. Geht es dem Unternehmen schlecht, so muss dieses seinen AG dann vielleicht nicht entlassen sondern kann ihn zurückgeben und diese wird anderswo eingesetzt. Das Risiko für den Arbeitgeber ist natürlich dass er Know-How weggibt und vielleicht bei Personalbedarf nicht die wirklich guten, ortskundigen, erfahrenen Mitarbeiter kriegt.

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