Degustieren, was der Becher hält

Am Samstag präsentierten 12 regionale Kleinbrauereien ein überraschend vielfältiges Angebot auf dem Vogesenplatz. Dank Wetterglück mangelte es auch nicht an Besuchern und durstigen Kehlen.

Lokale Kleinbrauereien präsentierten ihre Getränke. (Bild: Udo Theiss)

Am Samstag präsentierten 12 regionale Kleinbrauereien ein überraschend vielfältiges Angebot auf dem Vogesenplatz. Dank Wetterglück mangelte es auch nicht an Besuchern und durstigen Kehlen.

Der Vogesenplatz am St.-Johann-Bahnhof war am Samstag gestopft voll mit gut gelaunten Menschen. Das lag nicht nur am schönen Wetter. Der zweite «Basler Biermarkt» bot mit 12 Brauereiständen aus der Region, davon neun allein aus Basel Stadt, auch genügend flüssige Stimmungsaufheller. Auch Beat Aellen (55), Koordinator der Veranstaltung und Vorstand des Vereins St. Johanns Markt, ist gestresst, aber zufrieden. «Wir haben noch viel mehr Brauereien angeschrieben. Mit den zwölf, die gekommen sind, sind wir von der Infrastruktur und den Kapazitäten aber schon ziemlich am Anschlag.»

Ganz überraschend ist der Erfolg der Veranstaltung für Aellen nicht. Es gibt ja seit Jahren einen regelrechten Bier-Boom. «Allein seit 2013 hat sich die Zahl der Kleinbrauereien fast verdoppelt.»

Das Ueli-Bier machte den Anfang

«Den Anfang machte eigentlich vor 40 Jahren das Ueli-Bier», erzählt Aellen. 1974 kaufte der Kleinbasler Arzt Hans Jakob Nidecker die damals geschlossene Fischerstube. Er wollte das Traditionsrestaurant in der Rheingasse vor dem Untergang bewahren. «Er hat als Erster das Bierkartell gebrochen», erklärt Aellen. «Eigentlich sollte er Anker-Bier ausschenken. Das wollte er nicht und hat die Ueli Brauerei gegründet.» Heute ist das Ueli-Bier eine beliebte und überregional bekannte Basler Spezialität.



Viel Volk fand sich ein beim Basler Biermarkt.

Viel Volk fand sich ein beim Basler Biermarkt. (Bild: Udo Theiss)

 

Als in den 1990ern die Grosskonzerne Carlsberg und Heineken praktisch alle regionalen Traditionsbrauereien der Schweiz aufkauften, entstand eine Gegenbewegung. Kleinbrauereien aus der Region für die Region. Die ersten 18 Liter «Unser Bier» entstanden etwa in einer Privatwohnung in einer Spaghettipfanne. Das, ab 1998 professionell hergestellte, «Unser Bier» fand bei den Basler Bierliebhabern dermassen Anklang, dass sich aus dem Minibetrieb ein veritables KMU mit einer jährlichen Bierproduktion von 5428 Hektolitern (!) entwickelte.

Authentische Produkte

Bier ist halt auch eine Herzenssache. Hat mit Tradition und Lokalpatriotismus zu tun. «Und die Leute haben zunehmend das Bedürfnis nach authentischen Produkten statt seelenloser Massenware», sagt Aellen. «Gerade beim Bier will man wissen, wo es herkommt, wie es produziert wird und was drin ist.»

Mittlerweile gibt es in Basel und Umgebung mindestens vierzig Kleinbrauereien, vom Basiliske Bier und der Braubude bis zum Riehener Amsel-Bräu oder dem Schwarzbuebe-Bier aus Nuglar. Die allerneueste ist die Hobby-Brauerei des Vereins St. Johanns Markt. «Für den Biermarkt haben wir 40 Liter ‚St. Johanns Bräu‘ produziert, die aber in Kürze weg waren», sagt Aellen.

Vor Ort konnte man den St.-Johann-Hobbybrauern bei der Zubereitung von 70 Litern Starkbier zusehen. «Die gibt es dann am Wintermarkt am 15. November zu probieren.» Wer weiss? Vielleicht die Geburtsstunde der 41. Nordwestschweizer Regionalbrauerei.

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