Obst & Gemüse – der Spezialist für Lastdrahtesel

Die Gründer des Fahrradgeschäfts Obst & Gemüse erzählen von ihrer Erfolgsgeschichte. Und davon, weshalb das Fahrradfahren immer salonfähiger wird.

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Die Gründer des Fahrradgeschäfts Obst & Gemüse erzählen von ihrer Erfolgsgeschichte. Und davon, weshalb das Fahrradfahren immer salonfähiger wird.

Obst & Gemüse steht in bunter Schrift auf der Schaufensterscheibe. Es ist allerdings offensichtlich, dass der Laden an der Kasernenstrasse nicht das verkauft, was der Name verspricht. Es ist ein Veloladen – und noch vieles mehr, wie Inhaber Michel Röthlisberger versichert. Während der Art Basel 2013 waren sie Teil des Art Parcours und beherbergten zwei Künstler mit ihren Werken. Und an der BuchBasel fanden Lesungen statt, über Velofahren und anderes.

Frühling ist Velozeit: Die TagesWoche hat sich einige Veloläden herausgepickt und stellt sie vor. Bisher erschienen: 

«Good Feeling»: Der Quartier-Velomech mit dem Plus

Mehr zum Thema lesen Sie in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 11. April, auf Papier oder in der App.

Tatsächlich findet man sich beim Betreten nicht in einer vollgestopften Werkstatt wieder sondern in einem weitläufigen Raum mit einem sauberen, schwarzen Boden. Imposante Bilder der Tour de France von Tino Pohlmann zieren die Wände. Nebst Fahrrädern werden auch Kleiderstücke des englischen Rennvelo-Fashionlabels Rapha verkauft. Röthlisberger gründete den Laden mit seiner Partnerin Jaqueline Arm und einer anderen Freundin vor fünf Jahren.

Nachdem er damals von einer viermonatigen Veloreise bis ans Nordkap zurück nach Basel kehrte, begann er, als Velokurier sein Geld zu verdienen. Er hatte die Idee, eine Tasche zu entwerfen, die auf die Bedürfnisse von Kurierfahrern zugeschnitten war. Das Vorhaben wurde umgesetzt, Obst & Gemüse war geboren. Anfangs verkauften sie die von Hand hergestellten Taschen und später auch Fahrräder vom Wohnzimmer aus vor allem an Bekannte. Der Geheimtipp sprach sich schnell herum. Was sich das Trio nicht im Traum erhofft hatte, wurde zur Notwendigkeit: aus Platzgründen und wegen der steigenden Nachfrage mieteten sie ein Ladenlokal.

Velos für Familien und Einkäufer

Besonders speziell am Veloladen: Er hat in Basel das grösste Sortiment an Cargobikes, das sind jene im Stadtbild immer häufiger werdenden Fahrräder mit einem eingebauten Wagen vorne – zum Transport von Kindern, aber auch von Waren, Instrumenten, Einkäufen und vielem mehr. Das modische Multifunktionsbike passe gut in die Velostadt Basel, finden Arm und Röthlisberger: «Auch wegen dem neuen Verkehrskonzept, das bald eingeführt werden soll, ist es wichtig, dass es funktionale Alternativen gibt.»

Doch die Fahrräder, die bei Obst & Gemüse verkauft werden, wollen mehr als nur funktionieren – es sind ausgesuchte Produkte, deren Preis zwischen 900 und 12’000 Franken beträgt. Ausschliesslich etwas für Velofreaks? Diese Frage beantwortet das Paar mit einem entschiedenen Nein. «Anfangs hatten wir tatsächlich vor allem jüngere Velofanatiker als Kunden», erinnert sich Arm. Doch in den letzten Jahren würden sich auch immer mehr ältere Leute und Familien für das Sortiment von Obst & Gemüse interessieren. Dies zeigt laut Röthlisberger, dass die Leute umweltbewusster werden: «Dank attraktiven Labels beginnen die Leute, nicht nur durch ethischen, ökologischen Druck aufs Radfahren umzustellen sondern für sich selbst – weil es einfach ein toller Lebensstil ist.»

Arm ist Grafikerin, sie arbeitet 80 Prozent auf ihrem Beruf, bei Obst & Gemüse kümmert sie sich um das Administrative und die Buchhaltung. Sie und Röthlisberger haben auch einen Sohn, der etwa das gleiche Alter hat wie der Veloladen – viereinhalb Jahre. Beide Elternteile haben einiges mehr als ein 100-Prozent Pensum. Doch die Hingabe zahlt sich aus: «Wir haben viele treue Kunden, aus dem Quartier aber auch aus der ganzen Schweiz.» Es ist den beiden wichtig, dass ihr Laden nicht exklusiv ist. Arm erinnert sich: «Manche lassen ihr kaputtes Fahrrad beim ersten Mal draussen stehen und fragen zuerst ob wir auch ‹normale› Fahrräder reparieren würden. Dabei haben wir eine ganz gewöhnliche Werkstatt, deren Türe allen offen steht.»

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Obst&Gemüse, Kasernenstrasse 32 – Öffnungszeiten: Di.-Fr. 9 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 18.30 Uhr; Do. bis 20 Uhr, Sa. 9 – 17 Uhr.

 

Wer ist Ihr Velomech des Vertrauens in der Region und warum? Schreiben Sie uns Ihren Tipp ins Kommentarfeld.

Konversation

  1. Mein Velomechaniker des Vertrauens ist Martin Brändle an der Klybeckstrasse 245. Er ist der Velomechaniker der schon am längsten im Quartier tätig ist und hat sich in den vergangen Jahrzenten im Weiteren mit grösstem Einsatz für die Quartieraufwertung Klybeck sowie für den Aufbau und das Funktionieren der Wohngenossenchaft Klybeck eingesetzt. Fahrradtouren durch Spanien, Süd-Ost-Asien (Laos, Kambodscha, Vietnam) sowie Nord-, Mittel- und Südamerika bereichern auch sein Lebenslauf.
    Dementsprechend wäre ein Bericht über ihn mehr als gerecht fertigt.

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