Die Kulturstadt Basel muss die Geldfrage klären

Das Thema Geldverteilung ist den Akteuren im Basler Kulturbetrieb unangenehm. Schweigen ist in diesem Fall aber noch nicht einmal Silber. 

Staatliche Kulturfördergelder: Der grosse Teil des Kuchens geht an die Hochkultur.

Vom Kellerloch bis zum Kunstpalast: Basels Kulturlandschaft ist vitaler und vielfältiger als diejenige mancher Millionen-Metropole. Woran liegt das? Steckt das einfach an der historisch humanistischen Gesinnung dieser Stadt? Oder gibt es auf dem Kulturplatz Basel nun mal viel mehr Kreativität als anderswo?

Wohl eher nicht. Vielmehr blüht die so üppige Kultur dank einem einzigartig fruchtbaren Boden, der grosszügig gedüngt wird mit Geld. Steuergelder, Swisslos-Fonds, Stiftungen, Sponsoring und – als Hefe im Daig – potente private Spender. Die Chemie stimmt in Basel (und spielt auch mit).

Millionen für eine Minderheit: Ist das noch zeitgemäss?

Es ist eine Eigenheit, mit der sich keiner in Bebbihausen stolz brüstet. Kulturschaffende thematisieren den schnöden Mammon höchstens in ihrem Werk. Gerät die Förderung ihrer Arbeit in den Fokus, knallt schnell die gesellschaftliche Keule: «Was soll das? Wem hilft das? Was nützt das?» Kulturgelder würden – je nach Gesinnung– sinnvoller für Krippen- oder Parkplätze eingesetzt.

Auch den Co-Leiterinnen der Abteilung Kultur ist das Thema Geldverteilung unangenehm. Denn die Pflege altehrwürdiger Institutionen frisst so viel Budget, dass für neue und junge Kultur prozentual nur wenig bleibt. Die Kulturförderung scheint fokussiert auf eine privilegierte Minderheit gut situierter Bildungsbürger.

Da stellen sich Fragen. Wenn wir Kultur als etwas definieren, das gesellschaftlich bildet und verbindet, ein Gut mit historischer Basis und zukunftsweisender Perspektive: Ist dann die Basler Förderung unsozial? Wie hoch wertet man über Jahrhunderte gewachsene Geschichte? Und wie hoch den Zeitgeist? Wer finanziert, wenn die Mäzene sterben? Ist eine fett gedüngte Wiese weniger divers?

Die Debatte besser jetzt führen

Der Versuch einer Rundumschau mit den Finanzen im Mittelpunkt soll Stoff für Diskussion bieten. Das mag manchmal unangenehm sein. Für manche mag es den Anschein haben, so eine Diskussion sei gar nicht dringend. Denn in Zeiten voller Töpfe sind selbst Budget-Bruchteile schöne Brocken, die es anderswo nicht gibt.

Doch der harte Barrikaden-Streit ist nicht weit: In Deutschland schreibt Gesellschaftskritiker Berthold Seliger vom «Klassikkampf», und in Zürich fordert die populäre Kreativbranche Fördergeld auf Kosten wenig besuchter Kultur wie Tanz und Theater.

Fördern wir also jetzt die Diskussionskultur. Das kostet nur Überwindung.

Kulturföderung im Fokus

https://tageswoche.ch/+Zpk9P
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Konversation

  1. Es ist ja seit Jahrzenten so, dass Fördergelder und Subventionen in die Grosskultur (Theater, Klassik, Kunst) fliesst und in extreme Randkulturen. Alle andern dazwischen kämpfen um an Gelder zu kommen oder finanzieren sich so gut wie möglich selbst. Zu nennen hier zum Beispiel die Rock- und Popkultur oder Förderung von jungen Talenten aller Sparten. Die finanzielle Förderung einer z.Bsp. Jungen, talentierten Geigerin oder eines Pianisten erfolgt meist durch die Eltern, falls diese das Vermögen. Teure qualitativ hochstehende Instrumente, adäquater Unterricht, Teilnahme an Anlässen und Wettbewerben etc. Da hängen die Hürden sehr hoch, wogegen in anderen Bereichen die Verteilung im Giesskannenprinzip erfolgt.

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  2. Ich kann mit dem Ausdruck „Hochkultur“ nun aber gar nichts anfangen. Kultur ist Kultur. Von der Fasnacht bis hin zur Oper. Es gibt nur gute Kultur und schlechte Kultur. Beauty is in the eye of the beholder.

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