Liebe SBB, jetzt rauchts aber!

Die SBB wollen den Fahrgästen nun auch auf den Bahnhöfen das Rauchen verbieten und veranstalten «Tests». Das Ganze stinkt zum Himmel.

Ab Fahrplanwechsel 2018 soll der ganze Bahnhof Basel SBB mindestens ein Jahr rauchfrei sein. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Es ist wirklich wahr: Ab Fahrplanwechsel, also ab 1. Februar 2018, herrscht im ganzen Bahnhof Basel SBB ein striktes Rauchverbot. Nicht nur in der Halle, nicht nur auf der Passerelle, nein, im ganzen Bahnhof. Auch Glimmstängel bei den Geleisen, an der frischen Zugluft, werden dann streng verboten sein. Ausgerechnet hier, wo schon der Widerstand gegen rauchfreie Restaurants am grössten war.

Schuld an dieser Misere sind die SBB. Ohne Not – in der ganzen 125-jährigen Geschichte der Bundesbahnen ist kein einziger Fall eines Nichtrauchers bekannt, der wegen einer Zigarette auf dem Perron zu Schaden gekommen wäre – führen sie ihre «Tests» durch. Dies unter der fadenscheinigen Begründung, dass Raucher auf dem Bahnhof «ein konstantes Thema bei den Kundenanfragen» sei.

Schall und Rauch. Das konstanteste Thema bei den Kundenanfragen sind Verspätungen, Zugausfälle und Billetpreise. Aber da ist weit und breit kein «Test» mit striktem Verspätungsverbot in Sicht.

Ein Schuss in den Ofen

Mit Rauchern kann man es ja machen. Und ja: Raucher lassen auch einiges mit sich machen. Aber allzu viele Rauchverbote sind schädlicher als das Rauchen selbst – nicht zuletzt für Nichtraucher.

Denn der Bahnhof Basel SBB ist schon baulich dem Körper eines starken Rauchers nachempfunden. Die Eingänge zum Herz, der früheren Schalterhalle (heute: Konsum-Tempel), und dann wieder auf der Passerelle mit ihren schmalen Treppen sind eng und rasch verstopft.

Man stelle sich nun vor, jeder Raucher – das sind fast ein Viertel der Bevölkerung über 15 Jahre – muss jeweils vor den schmalen Ausgängen noch kurz stehenbleiben, weil Rauchverbot, grosses Schild, uh-oh, Busse droht, Aschenbecher wo? Der Infarkt des täglichen Pendler-Stroms ist programmiert.

Wenig zur Entspannung der Situation beitragen werden die Raucher, die es nicht ganz so eilig haben. Sie werden in gemütlichen Grüppchen vor den Eingängen herumstehen, um ihre Zigarette bis zum letzten Zug zu geniessen.

Gefahr für Nichtraucher am Bahnhof

Ebenfalls bedenkenswert: Raucher, die nicht rauchen dürfen. Die sich nicht einmal beim Auf-den-Zug-warten-auf-dem-Perron eine anzünden dürfen! Die sind nicht entspannt. Denn entgegen der von Lungenliga und anderen hyperventilierenden Präventiönlern verbreiteten Behauptung, dass Rauchen in Wirklichkeit stresse (befriedigt werde nur die Sucht, aber Obacht, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, ergo Stress) – ist die Zigarette für den Raucher die wichtigste Quelle der Entspannung.

Beim Joggen, möchte man den Gesundheitsaposteln antworten, schlägt das Herz ebenfalls schneller, und der systolische Blutdruck steigt gerne über 200. Auf die Idee eines Jogging-Verbots käme trotzdem niemand. So gesehen könnte man genau so gut argumentieren, die Zigarette sei, rein vom Stressbewältigungsfaktor her, Sportausrüstung genug.

Nichts ist so unberechenbar wie ein halber Zug voll Raucher auf unfreiwilligem Entzug.

Im Gehirn werden dank Nikotin die Botenstoffe Adrenalin, Dopamin und Serotonin freigesetzt. Reines Glück, Zug um Zug. Nikotin sorgt für ein (noch lange nicht vollständig erforschtes) Feuerwerk der Synapsen, verstärkt die Bildung positiver Erinnerungen, soll gar Wirkung gegen Alzheimer und Parkinson zeigen.

Damit sich nichtrauchende Pendlerinnen und Pendler darauf vorbereiten können, was mit ihren rauchenden Mitfahrerinnen und Mitfahrern geschieht, wenn sie nicht rauchen dürfen, hier die Symptome des Nikotinentzugs: Angst, Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit, gereizte und/oder depressive Stimmung – und Aggressivität.

Das Pendeln ist schon hart und deprimierend genug. Es sollte nicht noch durch zusätzliche Verbote härter und deprimierender werden. Und gefährlicher, gerade für Nichtraucher: Nichts ist so unberechenbar wie ein halber Zug voll Raucher auf unfreiwilligem Entzug.

Der «Test»: Eine Nebelpetarde

Die SBB geben an, während zwölf Monaten drei verschiedene Rauch-Stopp-Testszenarien durchzuführen. Anlage Nummer eins: komplett rauchfreie Bahnhöfe (Basel, Nyon und Zürich Stadelhofen). Nummer zwei: Raucherzonen auf den Perrons (Bellinzona). Und Nummer drei: Raucherlounges in Zusammenarbeit mit Swiss Cigarette (Neuenburg).

Test Nummer eins ist bereits abgehandelt. Zu Test Nummer zwei lässt sich sagen: Typisch, dass man das nur in Bellinzona, nicht aber in Basel probiert. Die Raucherzonen auf dem Perron funktionieren nicht nur im warmen Tessin, sondern auch im kalten Berlin bestens – sie sind in Deutschland Standard. Ein Test erübrigt sich eigentlich. Es wäre eine Kompromisslösung, mit der sowohl Nichtraucher als auch Raucher leben könnten.

Von eigentümlicher schweizerischer Absurdität ist Variante 3: So tun, als würde man etwas gegen das Rauchen tun, die Süchtigen in stinkende Kästen verbannen – und gleichzeitig diese Massnahme zum Schutz der Nichtraucher gut sichtbar von der Tabaklobby sponsern lassen. «Swiss Cigarette» ist der Verband aus British American Tobacco Switzerland, JT International und Philip Morris. Die drei teilen sich über 95 Prozent des Zigarettenmarktes. Und der Zigaretten-Export aus der Schweiz ist fast so viel Wert wie der von Schweizer Käse.

Mit Rauchern kann man auch das machen. Mit Schweizer Rauchern sowieso. Die bezahlen pro Zigarette 0,13 Rappen an einen Fonds, mit dem der Tabak von Schweizer Tabakbauern weit über dem Marktpreis gekauft wird – anschliessend bezahlen die drei genannten Firmen wiederum den (rund fünf Mal tieferen) Marktpreis für den Tabak. So will es die Verordnung über die Tabakbesteuerung. Man unterstützt also die einheimischen Bauern und die internationalen Grosskonzerne gleich mit. Ob man will oder nicht.

Gleichzeitig gehen mit jeder Zigarette 0,13 Rappen an den Tabakpräventionsfonds. Zum Beispiel für Nichtraucherkampagnen. Um solche Widersprüche auszuhalten – die gleichzeitige Finanzierung von Schweizer Tabakbauern, Tabaklobby und Anti-Tabak-Aktionen – hat schon manch einer zur beruhigenden Zigarette gegriffen.

Konversation

  1. Als Nichtraucher lehne ich alle Reflexe, zumal sich militant gebende, gegen Rauchen an sich und Raucher im besonderen ab. Nichtraucher mögen glauben, bessere Menschen zu sein. Da irren sie aber.

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  2. Das Motto der SBB „Erhöhung der Aufenthaltsqualität“ finde ich Spitze. Das gilt im Übrigen für alle Bereiche, wo Nichtraucher (Kinder nicht vergessen) durch den Rauch – nicht durch den Raucher! – belästigt werden.
    Ein Bahnhof ist kein Flughafen. Da braucht es weder Raucherzonen noch Fümoars. Im weiteren will man das Verbot auch auf Kinder-Spielplätze und Gartenrestaurants ausdehnen. Es kann ja nicht sein, dass sich 75% der Bevölkerung der Sucht der restlichen 25% beugen müssen. No Glimmstengel!

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  3. Liebe Raucher (ich bin Nichtraucher)
    Mir stinkt es es im wahrsten Sinne des Wortes, bei jedem Aufenthalt auf einem Perron, der mit der zunehmenden Unpünklichkeit der SBB immer länger wird, angestunken und eingequalmt zu werden. Ich könnte direkt hinkotzen, wenn mir morgens um halb Sieben eine Zigi ins Gesicht gequalmt wird. Und das ist leider Dauerzustand, wenn man auf den Zug warten muss. Ich bin schon von D bis A gelatscht, um einen rauchfreien Atemzug zu tun – keine Chance!
    Ich würde es sehr befürworten, wenn Bahnhöfe und Tram-/Bushaltestellen rauchfrei würden.

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  4. Tja wenn es auch den Linken nützt, nehmen sie das Wort Liberalismus in den Mund. So schlimm kann also dieser Liberalismus doch nicht sein.

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  5. Darf ich jetzt nach der Rasur noch «Tabac» auflegen, oder muss ich mich wirklich dem in den Abteilen üblichen «Old Spice» anschliessen?

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  6. Sollte wohl irgendwie lustig gemeint sein der Beitrag aber ist komplett daneben. Rauchverbote im gesamten Bahnhof! Sofort!
    In anderen Ländern geht es auch vollkommen problemlos, in Frankreich seit über 30 Jahren.
    Immer dieser Pseudoliberalismus für eine schädigende und widerliche Sucht.

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  7. Es geht nicht um den Qualm. Es geht um die Haufen von Kippen auf den Perons und Geleisen. Schon mal davon gehört oder etwas darüber gelesen?

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  8. „Im Gehirn werden dank Nikotin die Botenstoffe Adrenalin, Dopamin und Serotonin freisetzt. Reines Glück, Zug um Zug. Nikotin sorgt für ein (noch lange nicht vollständig erforschtes) Feuerwerk der Synapsen, verstärkt die Bildung positiver Erinnerungen, soll gar Wirkung gegen Alzheimer und Parkinson zeigen.“ soso… sie könnten Nicotin, wenn Ihnen dies so wichtig ist auch durch andere Nervengifte ersetzen. Ich empfehle z.B. Coniin. Einfach wie Sokrates einen Schierlingsbecher trinken… das Glück pur. Oder etwas Curare funktioniert auch. Übrigens Ihr Krebs hat auch seine wahre Freude an Nicotin und wenn sie gerne von einer chemischen Substanz abhängig sein möchten ist wohl Heroin das Mittel der Wahl! Falls Sie der nächsten Generation noch etwas hinterlassen möchten: bei Nagern konnte eine schädliche Wirkung auf Embryonen nachgewiesen werden, welche sich in der übernächsten und nächsten Generation als Asthma manifestierte. Auch dies, das wahre Glück für Kinder und Enkel!

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  9. Lange Redaktionsnächte lassen sich wohl nur mit viel Kaffee und Nikotin überstehen.
    Zum Rauchverbot – ich finde kalten Rauch am Bahnhof oder der Tram- Bushaltestelle scheusslich. Zudem verursachen Raucher mit den weggeworfenen Kippen eine Riesenschweinerei an der Haltestelle und auch am Strand etc.

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    1. Nun, bzgl. des Litterings wäre ein gezieltes und durchgesetztes Litteringverbot (auch anwendbar auf andere Abfälle) mMn zielführender: Nur weil geraucht wird, muss die Kippe ja nicht zwangsweise auf dem Boden landen. Was den Rauch angeht: In Basel halten sich gemäss meiner Erfahrung an den Enden der Perrons typischerweise kaum Leute auf. Dort könnten doch Raucherzonen eingerichtet werden und die vorhandenen Aschenbecher könnten (falls deren Konstruktion es erlaubt) dorthin verschoben werden. Der Rauch würde Hauptsächlich von anderen Rauchern eingeatmet werden und die Verschmutzung wäre (bei Durchsetzung dieser Regel) im Besten Fall kein Thema mehr und im schlechtesten Fall immerhin räumlich begrenzt. Wäre doch ein gangbarer Kompromiss, oder nicht?

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    2. Hallo Kleinbasler – das mit den Perrons wäre ein ssicher gangbarer Weg. Nur draussen auf em Perron, im Bahnhof ans ich und auch direkt beim Ein-/Ausgang wäre ein verbot schon das richtige Mittel.
      Wenn Du bei den Tramhaltestelle mal auf en Boden schaust – leider hat gerade da viele Kippen. Die landen leider immer da. In der Stadt werden sie ja noch regelmässig weggewischt. Im Schotterbett aber bleiben sie liegen uns das sind Hunderte/Tausende, die da den Schotter verzieren.

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  10. Als Nichtraucher finde ich das Rauchen in allen Bahnhoefen schrecklich und waere begeistert, wenn es auf allen Bahnhofen verboten wuerde. Besonders im Winter bei eisigen Temperaturen finde ich es schrecklich kalten abgestandenen Rauch inhalieren zu muessen.

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