Wo ist die gute alte Schweizer Solidarität hin, Frau Philosophin?

Die Rentenreform 2020 ist an der Urne gescheitert, die Journalisten streiten sich angesichts der No-Billag-Initiative darüber, wer am meisten schuftet, und die Konsumenten, welche SRF-Programme sie nie sehen und ergo nicht zahlen wollen. Und Flüchtlingen mag man knapp noch Nothilfe gönnen. Hat die Schweiz verlernt, solidarisch zu sein? Das wollten wir von der Philosophin Annemarie Pieper wissen.

Annemarie Pieper: «Man müsste einen ganz neuen Typ von Gesellschaft aufbauen.» (Bild: Eleni Kougionis)

Annemarie Pieper, wie steht es in der Schweiz um den gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Ich habe das ungute Gefühl, da fällt etwas auseinander in der Gesellschaft. Und zwar weltweit. Die EU bröckelt, England steigt aus, und in Amerika kommt ein Donald Trump daher. Ich finde es merkwürdig, dass ausgerechnet steinreiche Leute auf eine derart breite Akzeptanz stossen.

Das gilt auch für die Familie Blocher. Sie wird irgendwie nicht als Teil der Elite wahrgenommen.

Früher waren wir eine Klassengesellschaft. Da gab es die, denen es gut ging, das war der Adel. Und auf der anderen Seite, ganz weit zurück, gab es sogar Sklaven. Aber wenigstens wusste man, wo man hingehört, und hatte ein Wertesystem, das innerhalb der eigenen Klasse galt. Heute weiss man nicht, ob man im Zweifelsfalle Hilfe bekommt. Die Individuen werden allein gelassen.

Die sogenannte Eigenverantwortung. Ist es schlecht, wenn man für sich selbst schaut?

Historisch betrachtet ist das eine Folge der Aufklärung. Sie hat uns emanzipiert und Autonomie gebracht. Jeder ist frei, selbst zu bestimmen, das ist in den Menschenrechten festgehalten. Aber, das wird oft vergessen, dieser Freiheit steht auch eine Verantwortung gegenüber: Was immer ich tue, muss ich auch denen gegenüber verantworten, die davon betroffen sind.

Tun wir das nicht?

Nein, heute pochen viele nur noch auf ihr Recht, im Sinne von: Das steht mir zu. Der Staat soll für tolle Strassen sorgen, aber wenn deswegen die Steuern steigen, wird gemeckert. Wir kaufen T-Shirts für 9.90 und fragen uns nicht, unter welchen Arbeitsbedingungen sie hergestellt werden. Dabei verschleudern wir grosszügig Ressourcen, und die, die nach uns leben, müssen dann damit zurechtkommen. Das «wir» ist inzwischen nur ein Störenfried.

«Oft wird versucht, die Kinder in Richtung Homo oeconomicus zu steuern, damit sie später Karriere machen.»

Wo ist das «Wir» hin?

Ich glaube, Autonomie bringt das mit sich. Früher verstand man die Autonomie politisch: Sie bedeutete, dass sich ein Staat selber verwaltet und sich keine ausländische Macht einmischen darf. Diese Autonomie hat sich dann vom Staat zur Einzelperson verlagert, die sagt: «Ich habe Rechte.» Das ist das Problem. Ich habe nämlich auch Pflichten. Heute kommt das «Ich» immer zuerst. Die anderen kommen erst, wenn ich das Gefühl habe, die Vernetzung sei mir nützlich.
Annemarie Pieper (76) war von 1981 bis 2001 Professorin für Philosophie an der
Uni Basel. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Ethik – die Analyse, wie Menschen
handeln müssen, damit ein gutes Zusammenleben aller gewährleistet ist.

Sogar Freundschaft wird aufgerechnet.

Das ist eine Folge der Ökonomisierung der Lebenswelt. Sie greift sogar ein ins Familienleben. Eltern sagen den Kindern: «Mach etwas Nützliches.» Wenn ich das nur schon höre! Kinder sollen machen, worauf sie Lust haben. Spielen hat keinen anderen Zweck als zu spielen. Doch oft wird versucht, die Kinder in Richtung Homo oeconomicus zu steuern, damit sie später Karriere machen und gut verdienen.

Für die Existenz der Kinder vorzusorgen, ist das kein berechtigtes Bedürfnis?

So, wie wir jetzt mit Geld umgehen, nicht. Kapital teilt die Gesellschaft, das hat schon Karl Marx gesagt. Wir brauchen ein neues Gesellschaftssystem.

Sehr utopisch.

Vielleicht. Wobei, schauen Sie, was jetzt in China passiert.

Dort hat die Regierung den Markt geöffnet.

Und die Wirtschaftsleistung steigt. Ich glaube, auf Dauer werden sich die Leute nicht mehr mit Hungerlöhnen zufrieden geben. Und wenn die Löhne steigen, werden die billig produzierten Waren teurer. Vielleicht hat das T-Shirt eines Tages den Wert, der angemessen wäre. Und wenn die Waren teurer werden, stoppt das vielleicht auch den Teufelskreis des Wachstums.

Wir müssten nicht noch mehr produzieren und immer noch mehr konsumieren, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Sind Sie realistisch?

Es braucht schon einen Aufstand von der Basis in den sogenannten Drittweltländern, damit sich die alten verkrusteten Strukturen auflösen. Wir kennen das aus dem Mittelalter. Die Bauern mussten früher einen grossen Teil ihrer Ernte an den Adel abgeben, dem Grund und Boden gehörte. Langfristig hat sich das ja alles verbessert.

«Der Westen hatte in den letzten Jahrzehnten eine paradiesische Zeit. Jetzt bröckelt das alles.»

Glauben Sie an einen solchen Aufstand?

Ja, gerade in so grossen Ländern wie China oder Indien, wo Menschenmassen unter prekären Verhältnissen leben. Die ehemaligen Bauern, die jetzt in Fabriken schuften und zu zehnt in einem Zimmer hausen, sehen ja, dass andere Menschen besser leben. Massen können etwas bewegen.

Das hoffte man beim Arabischen Frühling auch, der hat aber in Krieg und Terror und in Diktaturen geendet.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Ich habe als Kind noch den Zweiten Weltkrieg und die Solidarität der Kriegerwitwen mitgekriegt. Sie haben einander geholfen, zum Beispiel die sogenannten Trümmerfrauen in Berlin, die Stein für Stein weggeschafft und alles neu aufgebaut haben. Die heutige Generation kennt solche Verhältnisse nicht mehr. Der Westen hatte in den letzten Jahrzehnten eine paradiesische Zeit. Jetzt bröckelt das alles.

Manchmal wünscht sie sich ein Politsystem à la Platon.

Und was ist mit der Schweiz?

Auch hier müsste man einen ganz neuen Typ von Gesellschaft aufbauen. Das wäre möglich im Zuge der Digitalisierung. Wir können so viel Arbeit an technische Geräte abtreten. Ich habe noch mit der Hand gewaschen und mit der Schreibmaschine geschrieben. Sie können sich gar nicht mehr vorstellen, wie gut Sie es heute haben. Die Wirtschaft muss jetzt ausloten: Was macht man mit den Leuten, die es wegen der Maschinen nicht mehr braucht?

Die Wirtschaft spricht ja gerne von den Patrons, die in den Unternehmen für ihre Angestellten schauen. Gleichzeitig hebeln sie – im Namen der Digitalisierung– den Arbeitnehmerschutz aus.

Familienbetriebe unter den KMU schauen für ihre Angestellten. Aber Grosskonzerne kennen ihre Mitarbeitenden gar nicht mehr richtig. Vor vielen Jahren sollte ich Novartis-Managern mal in einem Ethikkurs beibringen, wie sie sich verhalten müssen, damit sie besser akzeptiert werden. Damals demonstrierten die Angestellten gerade gegen dieses «immer mehr und immer schneller».

Hatten Sie Erfolg?

Nun, die haben sich vorgestellt, dass ich ihnen in einem Crashkurs von zwei, drei Tagen beibringe, wie sie mit dem, was sie bereits machen, fortfahren können, nur unter einer anderen Maske. Die Tünche sollte ethisch aussehen, ohne dass sie ihr Verhalten ändern mussten. Nach einem Tag bin ich gegangen und habe gesagt: «Das hat gar keinen Zweck, ihr habt Beton im Kopf. Da ist alles schon vorher schiefgelaufen.»

«Schon Fünfjährige realisieren, dass man bei manchen Problemen zwischen zwei Übeln entscheiden muss.»

Die TagesWoche hatte kürzlich eine grosse Recherche über das Leistungsprinzip in der Schule gemacht. Kinder haben Depressionen, weil sie so auf Leistung getrimmt werden. Die Botschaft: Ihr könnt es euch gar nicht leisten, aufeinander zu schauen, weil ihr sonst untergeht.

Ich wünschte mir ein Bildungssystem, in dem bereits Kinder im Kindergarten Ethik lernen. Das ist nicht abgehoben, es geht um das Selbstverständnis in der Welt. Dass man immer bedenkt: Da sind auch noch andere ausser mir – und wenn ich etwas tue, wirkt sich das vielleicht auf sie aus, denen muss ich Respekt entgegenbringen. Eigentlich genau das, was in der Erklärung der Menschenrechte drinsteht.

Würde eine solche Ausbildung wirklich etwas ändern?

Ich habe Ethikkurse für Kinder veranstaltet, sie verstanden sogar Dilemmata-Erörterungen. Schon Fünfjährige realisieren, dass es bei manchen Problemen  keine guten und schlechten Seiten gibt, sondern man sich zwischen zwei Übeln entscheiden muss. Und dass man deshalb Argumente finden muss, warum das eine das kleinere Übel ist.

Ich habe das erst Ende 20 richtig realisiert.

Kleinere Kinder verstehen das. Ich habe aber Beschwerden von Eltern bekommen, sie hätten Streit gehabt und der Sohn sei dazwischen gegangen. Er sagte: «Ihr habt nur behauptet, ohne zu begründen, das darf man nicht.» Andere Mütter haben sich beschwert, dass die Kinder kein Schweizerhochdeutsch mehr sprechen. Das sei negativ für die Karriere später.

Nein!

Doch. Sie hatten Angst, man höre den Kindern das Schweizer-Sein nicht mehr an. Die Schweiz liegt ja mittendrin in Europa, zu dem sie nicht gehören möchte. Und ich glaube, irgendwann wird dann mal klar, dass man auf die Solidarität mit den Anrainern angewiesen ist. Mit der Polizei und der Feuerwehr funktioniert das bereits. Die gehen in Notfällen hin und her über die Grenzen zwischen der Schweiz und der EU.

Ansonsten sind die Grenzen aber heute nur für Privilegierte offen.

Ja, das ist ja das Problem! Bevor die Flüchtlinge kamen, waren die Grenzen einfach offen. Kürzlich ging wieder ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer unter. 200 Menschen starben. Ein Mann sagte zu mir: «Gut, dann müssen wir sie nicht versorgen.» Dieser Zynismus!

Wo kommt der her?

Die Leute haben Angst, dass sie zu viel abgeben müssen. Es macht auch keinen Sinn, Millionen Menschen hierher zu holen. Ich glaube, es gibt zwei sinnvolle Strategien für das Flüchtlingsproblem.

Welche?

Die erste hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga angekündigt. Sie will Flüchtlingsfamilien aus Libyen hierher holen. Das finde ich eine gute Idee, dass man nicht nur junge Männer ohne Perspektive hierher holt, sondern gezielt Leute, die in einer besonders prekären Situation leben, oder Fachkräfte, die wir brauchen. Zweitens: Vor Ort helfen. Aber das packt niemand richtig an, das kostet einen Haufen Geld. Manches scheint mir unklug, was die Politik macht.

Was denn zum Beispiel?

Wenn Sie zum Beispiel hier ins Krankenhaus gehen, da sind fast nur deutsche Ärzte und Pflegerinnen. Und gleichzeitig hat die Schweiz einen Numerus Clausus für Mediziner, sodass man nicht aus den eigenen Reihen die Ärzte rekrutieren kann. Da verstehe ich die Animositäten gegen die Deutschen.

«Platon sagte ganz richtig: Die grosse Masse ist beeinflussbar, sie entscheidet nicht vernünftig nach richtig und falsch.»

Ich verstehe nicht, weshalb die Leute sich über die deutsche Pflegerin nerven, die ihnen den Verband anlegt, statt über die Politik.

Die Kritik geht einfach an die falsche Adresse. Gemeint ist das System, und das ist ein ökonomisches, das geht nach Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten. Sie schliessen heute eine Ehe nach Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten. Und Kinder werden zum Kostenfaktor. Wenn die privatesten Lebensverhältnisse auf der Basis von Geld geregelt werden, darf man sich nicht wundern, wenn jeder denkt: «Make money and the winner takes it all.»

Aber es ist nicht alles schlechter als früher. Wir haben weniger Armut im Westen, eine geringere Kinder- und Müttersterblichkeit …

Klar, trotzdem wurden Menschen immer in ungerechten Verhältnissen übervorteilt. Demokratien sind auch nicht besser.

Nicht?

Wenn ich jetzt sehe, wie in Deutschland bei der Jamaika-Koalition so junge, aufgeblasene Ich-Köpfe auftreten und sagen: «Ja, ich als verantwortungsbewusster Mensch will alles besser machen.» Da kommen bei mir die Fäkalausdrücke hoch. Die verkörpern den modernen Typ von Machtmensch. Denn eigentlich gehts nur um sie, sie wollen Karriere machen. Da lobe ich mir meinen alten Platon, der war ja gegen die Demokratie.

Der wollte ein Profi-Politikerzirkel, der bestimmt.

Platon sagte ganz richtig: Die grosse Masse ist beeinflussbar, sie entscheidet nicht vernünftig nach richtig und falsch. Politiker absolvierten bei ihm eine 30-jährige Ausbildung, in der sie lernten, wie man das Allgemeinwohl vor Augen behält, ohne Macht anzustreben und sich korrumpieren zu lassen. Heute kann jeder Idiot Politiker werden.

«Wir müssen uns überlegen: Welche Welt hinterlassen wir denen, die nach uns kommen?»

Wieso wählen wir Idioten?

Wir bewundern extrem reiche Leute. Viel Geld macht ungeheuer mächtig und einflussreich. Das uralte Herrscher-Ideal, Dinge zu steuern, indem man anordnet und andere zu gehorchen zwingt, spukt noch in vielen Männerköpfen herum. Das ist das alte Herren-Sklaven-System. Ich meine, ein normaler Bürger wird bestraft, wenn er keine Steuern zahlt, und verliert seinen Job, wenn er schlecht arbeitet. Banker bekommen noch einen goldenen Fallschirm, wenn sie Fehler machen.

Kein Wunder gibts keine Solidarität, wenn das die Eliten nicht vorleben. Aber dem müsste man sich ja nicht unterwerfen als Normalbürgerin.

Sich aufzulehnen braucht Kraft. Wenn Sie etwas ändern wollen, müssen Sie in die Machtzentralen gehen.

Also wollen Sie die Demokratie gar nicht abschaffen?

Nein. Man muss die Interessenverbände schon an einen Tisch setzen. Aber wenn Politiker und Wirtschaftsbosse geradestehen müssten, für das, was sie ausgehandelt haben, und für schlechte Konsequenzen nicht noch belohnt würden, wäre das schon ein Ansatz. Wir müssen uns überlegen: Welche Welt hinterlassen wir denen, die nach uns kommen?

Sind Sie trotzdem optimistisch?

Nicht immer, aber schauen Sie sich an, wieviel Freiwilligenarbeit es in Basel und der Schweiz gibt. Oder wie in manchen Quartieren die Nachbarschaftshilfe noch funktioniert. Man darf nicht vergessen, wie viele Leute einander täglich helfen.

Konversation

  1. @Peter Meier:

    Ja, da wären wir wieder beim Thema Solidarität und soziale Ungerechtigkeit: Immer wieder entlarvend, wie die, die haben, denen die nichts haben vorschreiben wollen, wie sie mit dem wenigen, das ihnen zur Verfügung steht, haushalten sollen. Wer in der Sozialhilfefalle steckt, ist quasi entrechtet, entsozialisiert, hat keinen Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben. Und wenn man weiss wie, kann man aus zwanzig Zigaretten vierzig machen. Kleine Tricks, die unumgänglich sind, wenn man in dieser Situation überleben will.

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  2. Bewundernswert, was uns Annemarie Pieper zu bedenken gibt. Ich hatte das Vergnügen, sie vor Jahren an einem Kurs für Deutschlehrerinnen und -lehrer in Leukerbad zu erleben. Uns ist sie damals nicht davon-gelaufen!

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  3. Die gute, alte «Schweizer Solidarität»? Sie steigt auf aus dem dichten, nostalgischen Nebel der Vergangenheit.

    Es hat sie so nämlich gar nie gegeben. Wer’s nicht glaubt, der liest wieder mal Friedrich Glauser.

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    1. Matto regiert. Der Hammer! Die Sozialwerke wurden trotzdem mit solidarischem Goodwill, mit der Gewissheit, dass es alleine nicht geht, aufgebaut. Nicht?

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  4. Je mehr wir besitzen, desto mehr wollen wir bewahren. Dass das letzte Hemd keine Taschen hat, scheint die wenigsten zu Lebzeiten zu interessieren. Anhäufen ist angesagt.
    Solidarität im Geiste wie bei Charlie Hebdo oder übers Portemonnaie für Helvetas etwa ist schön und gut, aber in der Regel auch weit weg und fordert unsere Solidarität nur vordergründig.
    Die Entsolidarisierung der Bevölkerung ist auch deshalb gefährlich, weil sie vom zunehmenden, Lügen verbreitenden Nationalismus gefördert wird. Ein entsolidarisiertes Volk ist manipulierbar wie kein anderes.
    Es fängt bereits vor der eigenen Türe an: die Basler Zeitung (BaZ) strebt mit Lügen und Hass kontinuierlich diese Entsolidarisierung in dieser Stadt an. Kopfnicker sind deren liebste Kommentatoren. Schauen wir hin. Solidarisieren wir uns – hier – bevor es zu spät ist!

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  5. Da das Bundesparlament beim RTVG Eigeninteressen über einen sauberen Gesetzestext gestellt und das Stimmvolk diesen Text an der Urne megaknapp bestätigt hat, ist die No Billag Initiative quasi ein Korrekturversuch und wenn es die SRG kostet, auch nicht schlimm, denn es ist nicht Aufgabe des Staates, einen Medienkonzern zu betreiben, es ist Aufgabe der Medien, dem Staat auf die Finger zu schauen, als 4. Gewalt.

    Die Fakten:

    Mit dem RTVG werden auf einen Schlag 1,2 Millionen Einpersonenhaushalte benachteiligt. (Gegenüber 3,5 Mehrpersonenhaushalten) (Quelle: Statistisches Amt, 2016)

    Mit dem RTVG werden Sozialhilfebezüger, die schon wenig Geld haben, weiter unter Druck gesetzt, da eine Steuerbefreiung nicht möglich ist, da de facto eine Mediensteuer eingeführt wird.

    Das RTVG verstösst gegen den Bundesverfassungsartikel 16.

    Eine Haushaltssteuer ist ungerecht und gefährdet den sozialen Frieden.

    Eine Haushaltssteuer bedeutet eine Abkehr vom Rechtsstaat.

    Eine Haushaltssteuer gibt es in keinem europäischen Land.

    Das Schicksal der SRG ist unter diesen Tatsachen echt zweitrangig, die Argumente der Gegner Augenwischerei und Lüge.

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    1. Sie haben sich hier eingeklinkt, nur um Werbung für die NoBillag-Initiative zu machen. Im Prinzip interessiert Sie das Thema Solidarität überhaupt nicht. Es gibt vermutlich kein Land auf der Welt, das nicht im Sinne von Service Public einen staatlichen Sender betreibt. Alle umliegenden, europäischen staatlichen Sender beanspruchen pro Kopf weit mehr Geld als die SRG. Gott bewahre uns vor weiteren, privaten Schrott-Sendern. Die NoBillag-Initiative ist reine politische Zwängerei der Ultrarechten. Ohne SRG wirds Zappenduster in diesem Land!

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    2. Ich solidarisiere mich als Direktbetroffener mit den 1,2 Millionen Haushalten und den Sozialhilfebezügern, die mit dem RTVG massiv benachteiligt werden. Wer für das Fernsehen bereit ist, den Rechtstaat abzuschaffen, der sollte mal auf den Ausknöpfe drücken und das Ding zwischen den Ohren einschalten.

      Die TaWo hat die im Lead selber die Billag ins Spiel gebracht und nein, Steuerungleichheit hat nichts mit Solidarität, dafür mit Ungerechtigkeit zu tun.

      Muss bitter sein, meine Argumente nicht mit Fakten widerlegen zu können, darum ihr Spiel auf den Mann.

      Das RTVG entzieht dem freien Markt Geld, das dann etwa Printmedien fehlen wird, die heute schon unter Leserschwund zu leiden haben. Und da ist mir die Vielfalt wichtiger, als der Staatsmedienkonzern SRG.

      Solidarität für die Printmedien, JA zur No Billag. JA zur Tageswoche.

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    3. „Das RTVG verstösst gegen den Bundesverfassungsartikel 16.“

      Art. 190 Bundesverfassung besagt, dass Bundesgesetze nicht verfassungskonform sein müssen.

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    4. Lasst uns die Bundesverfassung wie die Bibel nach Lust und Laune interpretieren…

      Gäbe es in der Schweiz ein Verfassungsgericht, gäbe es das RTVG in der vom Bundesparlament abgesegneten Form nicht.

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    5. Dann gehören Sie offenbar auch zu denen, die sich weigern, weil gesund, keine Krankenkassen-Prämien zu bezahlen? Ob Sie der Billag Steuer, Prämie oder Abgabe sagen, ist doch egal. Bei allen öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalten fällt das Geld nicht als Manna von Himmel. Im Übrigen halten auch die Privaten die Hand an diesem Topf offen. Da auch Sozialhilfebezüger gerne SRF schauen und deren Wert sicher auch schätzen, werden sie wohl, da bin ich mir fast sicher – trotz einem Franken Abgabe pro Tag – gegen diese NoBillag stimmen. On verra.

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    6. Gebühren zahlen wir für individuell bezogene Dienstleistungen, bspw. die Sackgebühr.

      Bei der Krankenkasse habe ich trotz gesetzlichem Zwang eine Wahlfreiheit.

      Die Mediensteuer kassiert pro Haushalt und nicht pro Kopf, eine Befreiung ist nicht möglich. DAS ist der Knackpunkt, hier wird der Rechtsstaat ausgehebelt.

      Steuern werden entsprechend der wirtschaftlichen Kraft des Einzelnen nach für alle gleichen Prozenten erhoben.

      Und wer in der Sozialhilfe lebt, hat pro Monat 995 Franken (minus Miete) zur Verfügung. Klar kann man da sagen, es ist vertretbar, pro Tag einen Franken zu zahlen, aber dann überlegt sich der Betroffene zweimal, ob er dann auch noch eine Basellandschaftliche Zeitung kaufen soll. Da leiden dann plötzlich die Printmedien, weil der Staat jetzt selber einen Medienkonzern finanzieren muss. Wo ist da die Solidarität, die Gerechtigkeit, die freie Marktwirtschaft? Und die SRG darf zusätzlich noch die Werbekunden abzügeln. Ich bevorzuge Printmedien immer gegenüber dem Fernsehen, sie sind es, die die vierte Gewalt darstellen, ein Staatssender kann diese Aufgabe nicht wahrnehmen. Wird die Initative abgelehnt, verlieren die Printmedien.

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    7. Also, Herr zap de Duster. Weil wir im Lead selber von NoBillag schreiben, lassen wir Sie hier Propaganda machen, die keinerlei Bezug zum Interview hat. Und wir anerkennen, dass Sie Ihre Argumente hübsch auswendig gelernt haben. Netter Versuch auch, Printmedien gegen SRG auszuspielen. Ich weise aber darauf hin, dass Sie hier bei der TagesWoche sind und nicht bei der «Basellandschaftlichen Zeitung». Lassen Sie es also gut sein.

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    8. Danke Herr Aschwanden, das sie meine Motivation negieren. Das Gift der Gegner wirkt. Ich liefere lediglich ein Antitoxin, das kann man einnehmen oder nicht.
      Wo ist eigentlich das Problem, anzuerkennen, dass eine HAUSHALTSSTEUER diskriminierend ist, die auch noch über ein daran mitverdienendes Inkassobüro eingezogen wird? Die sozial Schwache zusätzlich belastet? Warum bezweifeln sogar die Linken diese Argumentation? Ich bin ratlos.

      Bin gespannt, wie sich die Tageswoche in dieser Frage positionieren wird, bis dahin werde ich hier schweigen, versprochen. Danke, dass sie meinen leicht topicfremden Input dulden. Schöne und eine friedliche Adventszeit wünsche ich.

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    9. Was sucht denn die No Billag hier ? Aber um den Link zu machen; Ein Franken pro Tag ist für die Allermeisten kaum spürbar, für einige Wenige vermutlich schon. Was mich aber dann erstaunt ist dass viele von denen die eher weniger haben noch genug Geld haben sich teure Zigaretten leisten zu können. Bei den 7 CHF (?) pro Packung ist ja auch reichlich Steuer drauf. ABer im Gegensatz zur SRG null Info und Bildung.

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  6. Selbstverwirklichung, Individualisierung – ja nicht Bünzli und Mainstream. Wichtig ist die eigene Identität und bloss keine Angepasstheit. Gerade meine ach so sozialen, ökologischen und leider meist linken Nachbarn demonstrieren mit ihrem selbstgerechten Egoismus täglich in der Nachbarschaft warum das „wir“ nicht mehr funktioniert. Werfen den Bürgerlichen soziale Kälte vor, und kümmern sich gleichzeitig im Alltag nicht im geringsten darum was die eigene Lebensweise für negative Folgen, gerade für die älteren Nachbarn, hat. Denen gibt man dann zu verstehen: Wenn sie Ruhe möchten sollen sie doch bitte aufs Land ziehen möchten und nicht in einer Stadt leben spollten. Rücksicht? Ein Fremdwort! Lieber Party und Kindergereich 24 Stunden – die Kleinen sollen ja sich ja frei entfalten können.
    Mein Bruder ist vor einiger Zeit, der Kinder wegen, aufs Land gezogen – da kennt jeder jeden. Aber er sagt er hätte dort bedeutend mehr soziale Wärme erfahren als in den letzten Jahren in der Stadt.

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    1. Da gibs nur eins: Wegzügeln.
      Es hat mal gepasst, aber mit den Jahren hat sich da viel verändert, man ist selber älter geworden, hat sich damit auch selber verändert, ist froh, wenn di Enkelkinder die Tür von aussen wieder zu machen und weiss doch selber, dass man früher selber gerne viel unterwegs war und Lärm eben auch Leben bedeutete.
      So mit den Jahren…. naja, ist ja auch alles viel teurer geworden.
      Man ärgert sich dann über den Kinderlärm der Nachbarn, vergisst aber dabei, sich über den Spekulanten zu ärgern, der den letzten billigen Wohnraum zu Gold machen will.
      Der ist nämlich eigentlich auch ein asoziales Grunzi!

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    2. Sie haben natürlich recht, alle denen es nicht passt sollen wegzügeln. Wir sollten weniger Rücksicht auf unsere Mitmenschen nehmen. Dieses soziale Getue und Naechstenliebe sind sowas von überholt und Anachronismen der Ewiggestrigen. Eigentlich erstaunlich, dass meine Grosseltern es früher in der Stadt aushielten. Da ich sleber auch noch jung bin fange ich morgen gleich an selber die Nachbarschaft mit meinem Leben zu erquicken. Meine Jungs werden morgen auf der Strasse ein bisschen mit dem Luftgewehr üben anschliessend dürfen sie dann auch Fussball spielen. Wenn hat das Gemüsebeet meiner veganen Nachbarin kaputt geht: D’rauf geschissen die freie Entwicklung meiner Jungs geht schliesslich vor. Und falls die Dame sich beschwert, die ist schon über 60, sage ich ihr sie solle doch wegziehen wenn es ihr nicht passt.

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  7. 25 Jahre nach der EWR Abstimmung und man hat noch immer nicht verstanden, warum Herr Blocher bis heute so viel Macht hat. Das hat nichts mit ihm, oder seinem Vermögen zu tun. Sondern weil der Stimm- und Wahlbrtechtigte ihn benutzen kann, die abgehobene Elite ins Schleudern zu bringen. Wenn man allerdings selber Akademiker ist, will man das partout nicht wahrhaben. Ansonsten man sich selber eingestehen müsste, dass man von der Arbeiterklasse als asoziales Mitglied der Gesellschaft angesehen wird.
    Glauben sie nicht? Sehen sie nach Deutschland. Seit der Wahl der AfD in den Bundestag schleudert Deutschland. Genau was die AfD-Wähler erreichen wollten.

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    1. Diesen Herrn Blocher würde ich nicht so harmlos einordnen. Er, und da gehört ja noch ein ganzer Club dazu, der halt schön in seinem Schatten segelt, will eine Kapitalisten- und Bauernschweiz. Das Erstere dient dazu, um besser und billiger zu leben und weniger mit dem „Pöbel“ teilen zu müssen. Die Bauern sind einfach praktisch, weil man sie mit etwas Patriotismus bei der Stange hält und sie ein positives Grundimage haben, was der Werbung zwecks Ersterem förderlich ist.
      Die bildungsferne Monaco-Schweiz wird eine Hölle sein für die einfachen Leute, weil da Solidarität und Ethik als erstes in der Mülltonne verschwinden.

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