Hetzer kommen an die Kasse

Wer sich von Hetzern einschüchtern lässt, überlässt ihnen das Feld. Widerstand braucht Kraft, doch er lohnt sich. Das zeigt die Geschichte von Jolanda Spiess-Hegglin.

So in  es aussehen, wenn sich ein Internethetzer trauen würde, seinen Hass in aller Öffentlichkeit zu verbreiten. – Der Mann auf dem Bild ist ein Model. Das Bild ist inszeniert, der Spruch stammt aus einem echten Online-Kommentar.

Die spinnt doch. Was willst du von der? So reagierten manche Leute in meinem Umfeld, als ich erzählte, dass ich Jolanda Spiess-Hegglin interviewen möchte. Das ist doch die, die vergewaltigt wurde. Oder auch nicht. Die dauernd in den Medien ist und einfach keine Ruhe gibt.

Ja, die. Jolanda Spiess-Hegglin war in den letzten Jahren das Ziel unzähliger Kampagnen von Medien und Online-Hetzern. Sie sollte endlich die Fresse halten.

https://tageswoche.ch/form/interview/jolanda-spiess-hegglin-wahrscheinlich-steckt-in-uns-allen-ein-hater/

Doch Jolanda Spiess-Hegglin liess sich nicht mundtot machen. Sie wollte nicht unter dem ganzen Dreck, der über sie geschüttet wurde, begraben bleiben. Sie stand auf und begann Typen, die sie beleidigten und bedrohten, anzuzeigen. Dadurch wurde sie zu einer der besten Kennerinnen von Hatespeech in der Schweiz. Sie gründete den Verein Netzcourage und hilft anderen Opfern von Hatespeech, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. 

Einer nach dem anderen kommen die Hetzer – es sind meist Männer und am liebsten gehen sie auf Frauen los – an die Kasse.

Deshalb wollte ich mit Jolanda Spiess-Hegglin sprechen. Um zu verstehen, warum jemand, der so fertiggemacht wird, nicht einfach abtaucht. Um herauszufinden, warum sie in die Offensive geht und dadurch noch mehr Angriffsfläche bietet.

Zum Beispiel für Martin Widmer und seine Kampagne 19. Seit Jahren beschimpft und bedroht der Riehener Spiess-Hegglin und viele andere Frauen – «blöde Fotze» ist dabei noch lange nicht der schlimmste Ausdruck. Doch nun ist der Hetzer, der lange aus dem Verborgenen operierte, enttarnt. Das ist auch der Hartnäckigkeit von Spiess-Hegglin zu verdanken.

Die Geschichte dieser Frau ist eine von Mut und Widerstand. Wer sich vom Hass vertreiben lässt, gibt das Feld preis. Wer sich wehrt, verteidigt nicht nur seine selbstbestimmte Existenz, sondern auch die Freiheit an und für sich.

https://tageswoche.ch/gesellschaft/der-groesste-internet-hetzer-der-schweiz-wohnt-in-einer-villa-in-riehen/

Konversation

    1. Da liegen Sie falsch. Der Herr auf dem retouchierten Foto arbeitet als Model. Wir haben ihn für dieses und weitere inszenierte Bilder gebucht und darüber in Kenntnis gesetzt, dass er einen Wutbürger darstellt.

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    1. https://www.amazon.de/Das-unmoralische-Geschlecht-Negativen-Andrologie/dp/3518125389

      „Hinter der Gender-Debatte steht die Überzeugung: In der Moderne inszeniert sich der Mann als rationales Alphatier, die Frau gilt als seine andere: als emotional und minderwertig. Diesen Mythos dekonstruiert Christoph Kucklick mit einem systemtheoretischen close reading kanonischer Texte zum Geschlechterverhältnis aus der Zeit um 1800. Er bringt eine ganz andere Redeordnung ans Licht: die negative Andrologie, in der der Mann als abschreckendes Produkt der Modernisierung erscheint: als gewalttätig, unmoralisch und triebgesteuert. Sogar Fichtes Deduktion der Ehe – bislang gelesen als Manifest des Machismo – kann so neu verstanden werden: als Anleitung zur Zivilisierung der „bösen Männer“.“

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    2. Man könnte sich ja einmal so eine Welt vorstellen:
      Nur Frauen: Guter sozialer Umgang, viele Kinder, viel reden, aber im Winter wäre man erfroren.
      Nur Männer: Jeder eine komfortable Hütte in der alaskanischen Einsamkeit, abends oft betrunken und immer wieder massive Streitereien, was am Ende auch zum Ende geführt hätte.
      Ich nehme an, ein grösserer Teil der Hater und Hetzer sind „frauenlose“ Männer (analog zum herrenlosen Hund), auch wenn sie sich als Susi oder Sabine tarnen.

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  1. Wer sich von Hetzern einschüchtern lässt, überlässt ihnen das Feld.
    Richtig, bis einer dieser Hasenfüsse einmal den Spiess umdreht und
    gegen das Spiel:
    Einer nach dem anderen kommen die Hetzer – an die Kasse, dies
    ordentlich vor Gericht durchsetzt.
    Denn die Art und Weise wie es getan wird ist fragwürdig, insbesondere
    da Frau Holten unfähig war (Netzcourage ) , bei der Veröffentlichung, den Namen des Verurteilten nicht völlig Einzuschwärzen.

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