«Schiff» ohne Club: Eine seltsame Schlagseite

Das «Schiff» schliesst Anfang Februar seinen Club im Unterdeck und setzt auf Gastronomie. Der Entscheid kommt zu einem eigenartigen Zeitpunkt und ist bestenfalls mutig.

Kultur-Schiff: Bald ist hier Schluss mit Partys. (Bild: zVg / www.dasschiff.ch)

Das «Schiff» schliesst seinen Club im Unterdeck und setzt auf Gastronomie. Der Entscheid kommt zu einem eigenartigen Zeitpunkt und ist bestenfalls mutig.

Am 2. Februar soll das Unterdeck ein letztes Mal als Partylocation schaukeln, danach ist Schluss mit lustig. Das Basler Schiff setzt künftig voll auf den Restaurationsbetrieb. Dieser Entscheid überrascht, zumal der Clubbetrieb gemäss CEO Hector Herzig keine Verluste mehr einfuhr. Das war schon anders, wir erinnern uns an die Jahre, als das Schiff Konzerte veranstaltete – mit Herzblut, aber auch oft mit Verlusten.

Die Fokussierung auf elektronische Musik hat zu Kostensenkungen im Clubbetrieb geführt – und diesen in die schwarzen Zahlen geführt. Die Partys rentieren, aber offenbar doch zu wenig, um die Betreiber glücklich zu stimmen. Vom Bankettgeschäft erhoffen sie sich höhere Gewinne. Das Schiff als reiner Gastrotempel: diese Konzentration scheint, wohlwollend formuliert, mutig.

Rauschende Feste, schwierige Akustik

Für die Tanzstadt Basel ist diese Konzentration bedauerlich. Man erinnert sich bereits heute nostalgisch an ausschweifende Feste zurück. Darf darüber aber auch nicht vergessen, mit welchen Tücken das Schiff zu kämpfen hat: Es ist peripher gelegen, fern jeglicher Laufkundschaft. Und die Akustik in diesem metallenen Keller ist schwierig, sehr schwierig, so wie auch das Publikum an manchen Nächten schwierig war.

Dennoch ist es unbestritten, dass das Schiff im Bereich der elektronischen Musik ein fester Pfeiler im Basler Nachtleben ist. Allein deshalb ist der Entscheid der Betreiber zu bedauern, zumal die Herbst-Highlights aufhorchen lassen: Digitalism kommen! Fritz Kalkbrenner auch. Grössen im internationalen Markt, die man in Basel nicht jede Woche zu sehen und zu hören bekommt.

Wie attraktiv ist ein Bankett in einer dunklen Höhle?

Nun kann man einem nicht subventionierten Privatunternehmen keinen Vorwurf machen, wenn es einen Kurswechsel einschlägt. Die Treibgut AG wird ihre Gründe haben. Allerdings bleiben diese ein wenig rätselhaft. Warum gibt man ein starkes Standbein auf, ausgerechnet jetzt, wo der Hafen allgemein stärker belebt werden soll – und bereits im nächsten Frühjahr die Zwischennutzungen zusätzliches Publikum aufs und unters Deck locken könnten? Ist das Risiko nicht gross, voll auf die Gastronomie zu setzen? Wie attraktiv ist ein Bankett in dieser metallenen Höhle? Wie viel muss investiert werden, um dieses Unterdeck attraktiv zu machen – und wird diese Rechnung aufgehen, wenn man bedenkt, wie viel grösser die Konkurrenz in der Gastronomie ist (verglichen mit der überschaubaren Anzahl an Clubs)? Es gibt viele Säle in Basel, traditionelle und neu umgebaute (Union, Querfeld, Volkshaus), die ebenfalls auf Bankette setzen. Und dann gibt es noch die Voltahalle, die in vielerlei Hinsicht für eine besonders traurige Geschichte steht.

Wird sich das Schiff mit dem Kurswechsel durchsetzen können? Ich bin skeptisch. Bei allem Bedauern über das Ende des Clubs ist den Betreibern aber der Erfolg zu wünschen. Noch schlimmer als das Ende des Partybetriebs wäre es, wenn das Schiff insgesamt kentern würde.

Konversation

  1. Als gelegentliche Besucherin des Schiffs finde ich es schade, jedoch nicht tragisch dass das Schiff seinen Club schliesst. Im Gegensatz zu einigen meiner Freunde/Freundinnen die dies anders sehen, sie geniessen am Wochenende tanzend noch jede Minute im Club, und den 2’024 Personen die die Facebookseite „Wir wollen das Schiff als Club behalten“ „geliked“ haben.
    Schlimm finde ich die Schliessung nicht, weil es noch weitere Clubs in Basel gibt, die Parties im gleichen Musikstil anbieten. Was wiederum schade ist, ist dass das Schiff doch etwas besonderes ist (war) und nur einer dieser anderen Clubs vergleichbar mit dem Schiff ist. Indemfall: Party statt Profit!

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  2. vielleicht hätte man die neu gesetzten investitionen in den club gesteckt und sich neue gedanken über eine ausgefallenere nutzung gemacht, dann würde sich besitzer herzig, der sich als kulturmanager titelt, sicht selbst nicht widersprechen. lokale zum essen gibt es genug, schiffe auf denen man tanzt weniger!

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  3. Am Schluss muss für einen privaten Veranstalter die Rechnung aufgehen, und dennoch erinnert man sich gerne an die Konzerte zurück, die dort stattfanden vor Jahren. Die Belgier von ‚Soulwax‘, absolut grandios, oder ‚Hot Hot Heat‘ aus Canada.
    Vielleicht auch die Gelegenheit zur Reflektion, ob die Verteilung von Kulturgeldern in Basel ideal verteilt werden, und wie allenfalls der Schlüssel anders definiert werden könnte, damit hochstehende Populärkultur in Basel stattfinden kann.

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