Ein grosses Spiel im Joggeli und nichts war wie gewohnt

Der FC Zürich war am Samstag im St.-Jakob-Park. Das Cupspiel sollte das Saisonhighlight für die Spieler des FC Concordia werden und ein Vereinsfest. Allerdings ein ziemlich teures.

Einsam auf weitem Rasen: Das Cupspiel am Samstag fand vor fast leeren Tribünen im St.-Jakob-Park statt.

Wenigstens die Polizei kam zahlreich. Ansonsten blieb der St.-Jakob-Park an diesem Samstagabend fast gänzlich leer. Von den 38’000 Plätzen waren 1500 besetzt. Sowieso: Es war alles anders als sonst, wenn der FCB im Stadion spielt.

Es spielte der kleine Bruder des FCB, der FC Concordia gegen den FC Zürich. Cupspiel, 1. Runde – Begegnungen, die normalerweise auf der Wiese stattfinden, die Fans dicht um den Spielfeldrand geschart, Dorffeststimmung. Für dieses Spiel aber musste ein Stadion her. Die Polizei hatte das so entschieden. Wegen der Gästefans, die nicht unbedingt für ihre Herzlichkeit gegenüber Basel bekannt sind.

Wenn man in Basel Zürcher Fans erwartet: Der Kanton kam für die Sicherheitskosten rund ums Stadion auf.

So wurden die Zürcher wie gewohnt zwischen Absperrgittern hindurch vom Zug ins Stadion geschleust. Die Congeli-Fans hingegen tröpfelten durch den Vordereingang auf die Fronttribüne – nur dieser Teil des Stadions war für sie geöffnet. Murat Yakin, selbst beim FC Concordia gross geworden, richtete sich oben in einer Loge mit Mama und Freunden ein.

Spielstart. Es sind an die 1000 Congeli-Fans da, mit der Hoffnung im Gepäck, man könne den Gegner bezwingen, der vier Ligen über ihnen spielt. 2007 gelang das nämlich fast, damals spielte der FC Concordia allerdings auch in der Challenge League.

Erster Schuss aufs FCZ-Tor. Ein Raunen geht durch die ziemlich leer wirkende Tribüne. Und dann gleich eine Grosschance für den FC Concordia in der fünften Minute. Hier ist alles möglich, ist der geneigte Zuschauer überzeugt.

Doch dann kommt das Unausweichliche. 0:1, 0:2, 0:3, 0:4. Pause.

Tristesse in Rot-Blau: Die Gegentribüne blieb während des Spiels komplett leer.

Die Congeli-Fans, die praktisch nur aus Freunden und Verwandten der Spieler bestehen, atmen auf. Jetzt rasch einen Klöpfer verdrücken. Oder eine Bratwurst. Clubpräsident Thomas Steinemann wäre beides recht. Vor dem Spiel hatte er gesagt, er hoffe, jeder konsumiere zehn Würste. Dann werde der Verlust nicht so gross.

Das Spiel geht weiter. Was an Stimmung vorhanden ist in diesem viel zu grossen St.-Jakob-Park, nimmt nun mehr und mehr Züge einer fatalistischen Resignation an. 0:5, 0:6. Was die Zuschauer noch hält, ist einzig die Aussicht, nach dem Spiel mit ihren Liebsten ein paar Selfies zu machen.

Dann der Abpfiff. Die Spieler wissen: Es kam, wie es kommen musste. Kein «Stängeli», das war ihr Anspruch. Nun fühlt sich das Ergebnis doch ein wenig nach «Stängeli» an, auch wenn dazu noch vier Tore des Gegners fehlen.

Aber nur kurz. Die Freude an der Partie gegen den grossen Gegner aus Zürich lässt sich nämlich trotz allem keiner nehmen. Während die FCZ-Spieler schnurstracks im Kabinengang verschwinden, bleiben die Congeli-Spieler auf dem Rasen. Abklatschen mit den Familienmitgliedern, Selfies mit Freunden und Kindern, die aufs Spielfeld rennen – Szenen, die man von Finalspielen in der Champions League kennt.

Quatschen am Spielfeldrand: Das 0:6 scheint schnell vergessen.

Die Mannschaft hat gekämpft, konnte phasenweise sogar mithalten. Aber am Ende war das eben nicht genug. Der Congeli-Trainer, Kumar Anil, wird bei der Medienkonferenz nach dem Spiel sagen, er sei stolz auf die Mannschaft, sie habe es gut gemacht. Mehr war nicht drin.

Und Ludovic Magnin, der FCZ-Trainer, wird der Basler Mannschaft zu ihrem Spiel gratulieren. Das Stadion sei sicher ein Vorteil für die Zürcher Profis gewesen. Aber das typische Cup-Flair, wenn alles aus der Region direkt am Platz steht, das habe er vermisst, sagt Magnin. Der Zürcher Trainer kann der Sache aber auch durchaus Positives abgewinnen: «Ich habe noch nie hier im Stadion in der Halbzeit 4:0 geführt», scherzt er.

Verlust reisst Loch in Vereinskasse

Als die Zürcher schliesslich bereits im Bus nach Hause sitzen, feiern die Basler weiter ihr Saison-Highlight. Fussballer sein im Joggeli – was für ein Traum. Am Montag holt sie der Berufs- und Schulalltag früh genug wieder ein.

Die Spieler werden bestimmt wieder ins Joggeli kommen, wenn vielleicht auch nicht gerade auf den Rasen. Jeder Congeli-Spieler muss nämlich einmal im Jahr bei einem FCB-Match hinter die Wursttheke; der Verein betreibt einen Grossteil der Essstände im Stadion.

So kommt vielleicht auch wieder etwas Geld in die Vereinskasse. Das Spiel hat fast 100’000 Franken gekostet und bringt den FC Concordia in finanzielle Schwierigkeiten. Ohne die Hilfe vom Kanton, der für die Sicherheitskosten rund ums Stadion aufkam, wäre der Verein existenziell bedroht gewesen.

Die letzten Fans sind nun auch gegangen, die Polizisten schrauben die letzten Absperrgitter ab. Sie dürften sich diese Ruhe wieder herbeisehnen, wenn der FCZ das nächste Mal in Basel zu Gast ist.

Konversation

  1. „So kommt vielleicht auch wieder etwas Geld in die Vereinskasse. Das Spiel hat fast 100’000 Franken gekostet und bringt den FC Concordia in finanzielle Schwierigkeiten. Ohne die Hilfe vom Kanton, der für die Sicherheitskosten rund ums Stadion aufkam, wäre der Verein existenziell bedroht gewesen.“
    Das finde ich ehrlich gesagt eine Frechheit. Eigentlich sollte man die Krawallmacher voll ins Messer laufen lassen. Zuschauen, wie sie sich daneben benehmen und dann ein halbes Jahr in den Bau. Hier ein paar Bücher von Bentham und Locke, vielleicht geht dir ein Licht auf.
    Wie? Einspruch wegen Verhältnismässigkeit? Wegen Vorurteilen?
    Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und nicht bei dem, der 100’000 Franken hat – und die Fans können sich ja immer noch benehmen. Ein unglaublich revolutionäres Konzept!
    (Oder der Allgemeinheit wird etwas anderes gesagt, als die Fussballsuppe gegenseitig abgemacht hat. Wer weiss…)

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