Achtung, die Blues-Zeit beginnt!

Sind sie niedergeschlagen? Wollen nur noch schlafen? Essen Sie viel? Sie sind nicht allein!

Herbstzeit ist oft auch Depressions-Zeit. (Bild: Michael Würtenberg)

Typischer Herbstdialog: «Wie geht es Dir?» «Ich habe eine Winterdepression.» «Kenn ich, habe ich auch.» – So einfach ist es eben nicht mit der Depression. Eine Erklärung.

Es ist dunkel. Düster, traurig – und die Weltwirtschaft geht zu allem Elend auch noch bachab. Wer da keine Depression bekommt, ist ein kalter Brocken. Ein Stein. Oder, andere Variante: Wer keine Depression bekommt, macht alles richtig. Der weiss, worauf es im November und den darauffolgenden Monaten ankommt. Und trickst sie aus, die Depression.

Aber alles der Reihe nach: Zwischen dem November-Blues und einer Winterdepression liegt ein Unterschied. Das sagt Martina Saner, Geschäftsführerin der Stiftung Melchior. Die Stiftung vertritt die Interessen von Menschen mit einer psychischen Behinderung und deren Angehörigen. Und kommt daher auch mit Menschen in Kontakt, die jetzt besonders niedergeschlagen sind.

Licht!

Sofern es sich wirklich nur um eine Verstimmung handelt, kann Martina Saner beruhigen: «Wer jetzt den Blues bekommt, reagiert auf natürliche Weise auf das, was um uns herum geschieht: Es ist schnell dunkel, stiller, die Natur zieht sich zurück. Gut möglich, dass lichtempfindliche Menschen denselben Impuls spüren, in den Wintermodus gehen und regenerieren möchten. Doch unser Alltag lässt das oft nicht zu.» Das Rezept, das gegen Winterblues hilft, heisst: Licht! «Möglichst viel raus gehen, täglich spazieren, Sport treiben – auch ein bedeckter Winterhimmel ist hell genug für die natürliche Lichttherapie», sagt Martina Saner. 

Licht ist nicht nur ein wichtiger Kraftspender für alle Lebewesen und daher immer wichtig – auch in der dunklen Jahreszeit. Licht ist auch für eine Krankheit verantwortlich, unter der zwei Prozent der Bevölkerung leidet: Die Winterdepression. Diese Krankheit ist eine saisonale affektive Störung und sollte im Gegensatz zum Blues behandelt werden – etwa durch eine Lichttherapie. Martina Saner: «Wer seelisch und körperlich so sehr leidet, dass das übliche Alltagsleben nicht mehr funktioniert, soll nicht zögern und ärztliche Hilfe beanspruchen.»

Anders als Menschen, die generell unter Depressionen leiden, schlafen und essen Menschen mit einer Winterdepression mehr als sonst. Die Grenze zwischen dem Blues und der Depression sei fliessend, sagt Martina Saner. «Depressionen entwickeln sich oft schleichend.»

Etwas Positives gibt es allerdings auch noch zu sagen: Sowohl der lichtbedingte Blues wie auch die Winterdepression sind zeitlich begrenzt und verschwinden, wenn der Frühling naht – und es endlich wieder Licht wird.

Quellen

Mit der Kampagne «Hallo! Ich bin ein Mensch, keine Krankheit» will die Interessengemeinschaft Private Koordination Psychiatrie für die Anliegen von psychisch kranken Menschen sensibilisieren. Im Zentrum der Kampagne stehen Veranstaltungen rund um das Thema. Palaverloop ist eine dieser Veranstaltungen – und findet am 21.11.2011 im Unternehmen Mitte in Basel statt.

Kampagne «Ich bin ein Mensch»

Stiftung Melchior

BS hilft bei Depression 

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