Basel hat einen neuen Trommelkönig – und ein junges Spitzen-Duo

Philipp Meyer wurde erstmals Tambour Nummer eins, bei den Jungen ists Raffael Schülin. Beim Piccolo blieb am diesjährigen «Offizielle» alles beim Alten: Romana Cahenzli und Géraldine Gehrig glänzten erneut als Pfeifer-Königinnen. Für Aufsehen sorgte zudem ein neues Nachwuchs-Duo.

Philipp Meyer von den «Naarebaschi» machte mit einer «Faschtewaie» das Rennen und übertrumpfte dabei die zurückgekehrten Altmeister. Der frisch gebackene Tambourenkönig war schon in den vorherigen Wettbewerben ziemlich weit vorne dabei.

(Bild: Michel Schultheiss)

Philipp Meyer wurde erstmals Tambour Nummer eins, bei den Jungen ists Raffael Schülin. Beim Piccolo blieb am diesjährigen «Offizielle» alles beim Alten: Romana Cahenzli und Géraldine Gehrig glänzten erneut als Pfeifer-Königinnen. Für Aufsehen sorgte zudem ein neues Nachwuchs-Duo.

«Bravo!», «s Maximum!», «geili Sieche!»: Im proppenvollen Volkshaus-Saal waren am Samstagabend unter tosendem Applaus immer wieder solche Rufe zu hören. Manche der Tambouren und Pfeifer konnten beim Wettbewerb auf einen lautstarken Fanclub im Saal zählen. Einzelne Fasnachtscliquen wie die «Muggedätscher» feuerten ihre Kandidaten gar mit einem Transparent an.

Je näher zu später Stunde die Rangverkündigung rückte, desto mehr stieg beim Final des «Offizielle Basler Brysdrummle und -pfyffe» die Stimmung. Es war schliesslich die letzte Etappe des dreitägigen Marathons, der damit einen krönenden Abschluss fand.

Ein bekannter Tambour verfolgte das Geschehen zunächst als Zuschauer: Maurice Weiss, der letztes Jahr mit einem Doppelsieg als jüngster Trommelkönig aller Zeiten Geschichte schrieb. Beim diesjährigen «Offizielle» beschloss er, bei den Einzelwettbewerben zu pausieren. «Ich möchte anderen Vorrang lassen», meinte er. Weiter hinaus als letztes Jahr – das gehe ja ohnehin nicht. Dennoch blieb er dem Wettbewerb nicht ganz fern. Davon soll aber später die Rede sein.



Ein jugendliches Duo spielt die Erwachsenen an die Wand: Géraldine Gehrig, beste Pfyfferin der Jungen, spannte mit dem letztjährigen Doppel-Trommelkönig Maurice Weiss zusammen. Die beiden 15-Jährigen sorgten mit ihren «Husar» für ein Highlight des Abends.

Ein jugendliches Duo spielt die Erwachsenen an die Wand: Géraldine Gehrig, beste Pfyfferin der Jungen, spannte mit dem letztjährigen Doppel-Trommelkönig Maurice Weiss zusammen. Die beiden 15-Jährigen sorgten mit ihren «Husar» für ein Highlight des Abends. (Bild: Michel Schultheiss)

Ein Naarebaschi erringt die Tambouren-Krone

Während die Jury nach jedem Auftritt ihr Punkte verteilte, wurde im Publikum gefachsimpelt. «Also den da muss man schon schneller trommeln.» «Da gabs ein paar unsaubere Töne.» «Die Pausen waren viel zu lang.» Mit Kennermiene spitzten so manche Fasnächtler die Ohren. Manche von ihnen erwarteten auch mit Spannung, dass dieses Jahr gleich mehrere «Altmeister» ihr Comeback gaben. Beim Rätseln um die Favoriten fiel ein Name ziemlich oft: Stefan Freiermuth von den «Chriesibuebe». Nach einer mehrjährigen Pause waren viele gespannt auf die Rückkehr des passionierten Tambours und Trommelbauers, der schon viermal die Krone holte und auch letzte Woche beim regionalen Preistrommeln in Liestal gleich in mehreren Kategorien abräumte.

Es kam aber anders: Philipp Meyer von den «Naarebaschi» überflügelte den Kronfavoriten. Dabei gab der Sieger mit der «Faschtewaie» einen Marsch zum Besten, der schon dem letztjährigen König zum Erfolg verhalf. Dabei ist Meyer kein Unbekannter: In den letzten Wettbewerben trommelte er sich mehrmals in die oberen Ränge hinauf; letztes Jahr landete er etwa auf dem zweiten Platz. Am Samstag stand er jedoch zuoberst auf dem Podest, gleich vor Stefan Freiermuth. Den dritten Platz belegte ein weiterer ehemaliger Trommelkönig, Pascal Caviezel vom «Barbara Club».



Souverän konnte Romana Cahenzli ihre Krone behalten. Es ist ihr dritter Sieg in Folge unter den Pfeiferinnen. Wie letztes Jahr verhalf ihr dabei der Marsch «Sodeli» zum Erfolg.

Souverän konnte Romana Cahenzli ihre Krone behalten. Es ist ihr dritter Sieg in Folge unter den Pfeiferinnen. Wie letztes Jahr verhalf ihr dabei der Marsch «Sodeli» zum Erfolg. (Bild: Michel Schultheiss)

Romana Cahenzli baut ihre Erfolgsserie aus

Einen neuen Trommelkönig gibts auch bei den Jungen: Raffael Schülin von den «Aagfrässene». Letztes Jahr mischte er bereits als Drittplatzierter ganz vorne bei den Nachwuchstambouren mit. Dicht auf den Fersen waren ihm Nicolas Wesp (Naarebaschi) als Zweitplatzierter und Ami Gadient (Aagfrässene) auf dem dritten Rang. Am Piccolo blieb bei den Jungen alles wie gehabt: Géraldine Gehrig, ebenfalls bei den «Aagfrässene», brillierte dort wie letztes Jahr als Pfeiferkönigin, gefolgt von den beiden «Naarebaschi» Jasmin Cáceres und Valeria Balmelli.

Generell war es ein guter Jahrgang für die «Naarebaschi», welche dieses Jahr sowohl an den Trommelfellen wie auch an den Mundstücken so manchen Preis einheimsten: Bei den «Alten» wurde Romana Cahenzli bereits zum dritten Mal in Serie zur Pfyfferkönigin gekrönt. Erneut errang sie mit einem souverän gespielten «Sodeli» das Podest. Beinahe wäre es zu einem Doppelsieg der Jungen gekommen: Géraldine Gehrig, die sich als Siegerin unter den Jungen für den Final der «Alten» qualifizierte, schaffte es auf den zweiten Platz. Die «Bronzemedaille» unter den Piccolo-Virtuosen erhielt Fabienne Hagen von der «Rätz-Clique».

Géraldine Gehrigs «Husar» wird zum Spitzenreiter

Für ein Highlight des Abends sorgten zwei 15-Jährige in der Kategorie Solo-Duo: Géraldine Gehrig trat nochmals auf die Bühne – zusammen mit keinem Geringeren als Maurice Weiss. Dabei wählten sie mit dem «Husar» von Beery Batschelet eine knifflige Komposition: Der Marsch, der sich durch wechselhafte Taktarten und rasantes Tempo auszeichnet, sorgte in der Interpretation der beiden Jugendlichen für tosenden Applaus – und machte das Rennen.

«Das ist fast unvorstellbar», sagte ein zufriedene Géraldine Gehrig nach der Rangverkündigung. Die Zusammenarbeit mit Maurice Weiss kam durch ihren Bruder zustande, der mit dem Tambour befreundet ist. Bei einer WhatsApp-Konversation zwischen den beiden Virtuosen am Piccolo und an den Schlegeln kam dann die Idee auf, gemeinsam den «Husar» zu wagen. Somit gibt es das junge Duo noch nicht so lange: «Das war vor rund einem Monat», erinnert sich Géraldine Gehrig.



Das Piccolo ist nichts Jungs? Weit gefehlt: Die Gruppe der Männerclique «Basler Bebbi» pfeift auf solche Vorurteile und räumt mit grosser Spielfreude gleich zum dritten Mal in Folge ab. 

Das Piccolo ist nichts für Jungs? Weit gefehlt: Die Gruppe der Männerclique «Basler Bebbi» pfeift auf solche Vorurteile und räumt mit grosser Spielfreude gleich zum dritten Mal in Folge ab.  (Bild: Michel Schultheiss)

VKB und «Basler Bebbi» wiederholen ihre Gruppen-Erfolge

Kaum Überraschungen gab es in den Gruppen-Wettbewerben: Die Tambouren VKB verteidigten mit einem «Mätzli» ihren Titel, gleich vor zwei Formationen der «Naarebaschi». Auch bei den gemischten Gruppen waren es die «Vereinigten Kleinbasler», die ihren Platz auf dem Podest halten konnten.

Die Pfyffergruppe der «Basler Bebbi» knüpfte ebenfalls an ihre Erfolge der letzten Jahre an: Zum dritten Mal in Serie gewannen sie in dieser Kategorie. Erneut spielten sie  den  «Fritzli» – «Dieser Marsch passt einfach zu uns», meinte einer der Pfeifer nach der Rangverkündigung. Das Stück wurde von Michael Robertson für die Männerclique komponiert. Mit ihrem Erfolg widerlegten die jungen Männer einmal mehr so manche Rollenklischees über das Pfeifen. Davon liessen sich die Piccolo-Talente, die seit der Jungen Garde zusammenspielen, sowieso nie abschrecken: «Das war bei uns gar nie ein Thema», meinte einer der Bebbi beim Feiern des vorfasnächtlichen Triumphs.

Die vollständigen Ranglisten des diesjährigen «Offizielle» finden Sie hier.

Konversation

  1. Guter Artikel!

    Komisch nur die Deklaration der Veröffentlichung (Publikation: 30.1.2017 / 18:54 Uhr).

    MkG

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    1. Ja, wir sind eben immer ein bisschen schneller 😉
      Des Rätsels Lösung: Wir mussten den Artikel vom Sonntag umdatieren, damit der Newsletter vom Montag ihn akzeptiert.

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