Che Guevara vom «Stadthof»

Stumpenrauchen bei Champagner und Stopfleber: Das Restaurant Stadthof beim Barfüsserplatz provoziert die Raucherpolizei.

«Stadthof»-Chef Josef Schüpfer lädt zum Rauchgelage ein. (Bild: Artwork: Hans-Jörg Walter)

Stumpenrauchen bei Champagner und Stopfleber: Das Restaurant Stadthof beim Barfüsserplatz provoziert die Raucherpolizei.

Basel droht ein heisser Herbst. Irritierende Flyer machen die Runde. Die mahnenden Stimmen scheinen recht behalten zu haben, als sie vor dem Wahltag besorgt in den Raum riefen: Was gelten Recht und Ordnung noch in unserer geliebten Stadt?

«… mal was verbotenes tun!» prangt es in sinistrer Kleinschreibung auf den Flyern. Die zur Schau gestellte Verhöhnung von Rechtsstaat und Rechtschreibung lässt darauf schliessen, dass eine offene Konfrontation unvermeidbar ist: Am 9. November um 18.30 Uhr rottet sich der Mob zusammen. Treffpunkt ist das Restaurant Stadthof beim Barfüsserplatz, aktenkundig durch seine feinen Tartarbrötli und das Mineralwasser in der erfrischend nonkonformistischen Preislage für sieben Franken den halben Liter.

Unter dem Motto «Geniessen und Rauchergenuss» verleitet «Stadthof»- und Wirte-Chef Josef («Che Guevara») Schüpfer zum Rechtsbruch mit Voranmeldung. Im Rahmen eines 110 Franken teuren Galadinners sollen Zigarren gepafft werden. Davidoff liefert den Stoff. Dekadenz und Delinquenz reichen sich die Hand: Ein Champagner wird kredenzt, eine Stopfleber verputzt und zwischendurch mit viel krimineller Energie das Servicepersonal zum Husten gebracht.

Der fiese Plan: Weil man sich fürs Gelage anmelden muss, ist es ein privater Anlass und geht die Raucherpolizei nichts an. Dieser fällt ob so viel Renitenz fast die Kippe aus den Fingern. Der Fall ist eindeutig, meint das zuständige Baudepartement: Josef Schüpfer soll der Stumpen gestutzt werden. 

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 05.10.12

Konversation

  1. Wie viele Angestellte des Stadthofs werden nach diesem Event an den Folgen des Passivrauchs verstorben sein? Prof. Dr. med. et phil. Nino Künzli vom TPH Basel wird es uns sicher – auf die Kommastelle genau – mit seiner epidemiologischen Software berechnen können 😉

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  2. „Provozieren heisst, die Leute denken zu lassen“ JOHN LE CARRE

    …mit diesem Artikel ist das sicherlich nicht gelungen. Das blosse Aneinanderreihen von „bösen“ Ausdrücken, gemischt mit gesuchter Empörung, gibt dem Leser eher das Gefühl, eine Schulzeitung vor sich zu haben. Tut mir leid, Thema komplett verfehlt und die Provokation ist, wenn ich mir das erlauben darf, versandet und bewirkt genau das Gegenteil. Langeweile und Desinteresse.

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  3. Josef Schüpfer ist immerhin aktiv und macht etwas für seine Gäste. Während dem andere passiv zusehen wie ihre Gaststätten sich entvölkern, wird derjenige der sich dagegen zur Wehr setzt noch an den Pranger gestellt. Warten wir es ab wie es mit dem Baizensterben weitergeht! … und es wird weitergehen!

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