«Das ist eine verpasste Chance»: Reaktionen zur Absage von Monica Gschwind für den Dies academicus

Die neue Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind verzichtet auf eine Teilnahme am Dies academicus. Das sei schlechter Stil, findet die SP. Verständnis zeigt die SVP.

Die Uni muss ohne sie feiern: Monica Gschwind glänzt am 27. November durch Abwesenheit.

(Bild: Stefan Bohrer)

Die neue Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind verzichtet auf eine Teilnahme am Dies academicus. Das sei schlechter Stil, findet die SP. Verständnis zeigt die SVP.

Bildungsdirektorin Monica Gschwind sorgt erneut für Schlagzeilen. Dieses Mal nicht mit ihren Sparplänen oder unsensiblen Aussagen über die Jugend, sondern mit ihrer Abwesenheit am diesjährigen Dies academicus der Universität Basel.

Der Dies acamedicus ist der höchste Feiertag einer Uni. An diesem Tag wird die Gründung der Universität zeleberiert, es werden Ehrendoktorate verliehen sowie Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Anlass gehört für viele Politiker aus den beiden Basel zum Pflichttermin schlechthin. Nicht so bei Monica Gschwind.

Bereits in ihrem ersten Amtsjahr verzichtet die FDP-Regierungsrätin auf eine Teilnahme. Dies, weil sie an diesem Tag einen privaten Termin hat und gemäss «Onlinereports» «ortsabwesend» ist. Stattdessen springt Finanzdirektor Anton Lauber für sie in die Bresche.

Der Zeitpunkt für die Absage der Bildungsdirektorin ist ungünstig: Vor ein paar Monaten gab die Baselbieter Regierung bekannt, den jährlichen Beitrag an die Universität um 25 Millionen Franken kürzen zu wollen. Seither ist das Verhältnis zwischen den beiden Basel angespannt, entsprechend fallen auch die Reaktionen aus. Sie reichen von Bedauern über den Hinweis auf eine «verpasste Chance» bis hin zu Verständnis. 

Matthias Geering, Kommunikationsleiter der Universität Basel

«Wir bedauern natürlich, dass Monica Gschwind nicht am Dies academicus dabei sein kann, freuen uns aber über die Präsenz ihres Kollegen Anton Lauber.»

Claude Janiak, Baselbieter SP-Ständerat

«Ich bedauere die Absenz. Sie könnte als Signal missverstanden werden, dass das Interesse des Kantons Basel-Landschaft an der gemeinsamen Universität abnimmt. Und das würde ich selbstverständlich bedauern.»

Oskar Kämpfer, Präsident SVP Basel-Landschaft

«Der Dies Academicus hat sicher einen hohen Stellenwert für die Gesellschaft, es ist aber nicht der Ort, an dem Entscheide zur Zukunft der Uni gefällt werden. Unter diesem Aspekt und der Tatsache, dass Frau Gschwind neu in ihrer Funktion ist, habe ich vollstes Verständnis dafür, dass sie persönliche Prioritäten setzt.»

Christoph Eymann, Erziehungsdirektor Basel-Stadt

«Es kann im Terminkalender eines Regierungsrats immer Situationen geben, die den Verzicht auf die Teilnahme an einem wichtigen Anlass zur Folge haben. So ist es vermutlich auch hier. Wichtig ist, dass die Baselbieter Regierung mit Anton Lauber am Dies academicus vertreten ist.»

Adil Koller, Co-Präsident der Baselbieter SP

«Durch die vom Baselbiet angestrebte Univertrags-Kündigung wurde zwischen den beiden Basel schon genug Geschirr zerschlagen, nun schwänzt Frau Gschwind als Bildungsdirektorin auch noch den höchsten Feiertag der Uni Basel. Das ist schlechter Stil, sie drückt damit der Uni nicht gerade ihre Wertschätzung aus.»

Oswald Inglin, CVP-Grossrat und Präsident der Bildungs- und Kulturkommission

«Dass sich Frau Gschwind nicht in die Höhle des Löwen getraut, mag persönlich verständlich sein. Allerdings ist Isolationismus bei der jetzigen Sachlage politisch nicht angesagt. Frau Gschwind tut gut daran, die Uni und ihr Umfeld kennen zu lernen, damit sie eine adäquate Gesprächspartnerin für Basel-Stadt ist. Ihre Abwesenheit ist eine verpasste Chance.»

Mirjam Ballmer, Co-Präsidentin Grüne Basel-Stadt

«Ich erwarte, dass der Kanton Baselland als Trägerkanton am Dies academicus offiziell vertreten ist. Die Anwesenheit von Regierungsrätin Gschwind wäre sicher ein positives Zeichen für die Verhandlungen gewesen. Über ihren Terminkalender möchte ich jedoch nicht urteilen. Aus meiner Sicht ist es deshalb auch legitim, wenn eine andere Vertretung aus dem Partnerkanton anwesend ist.»

Konversation

  1. Es ist müssig sich den Kopf über die Nicht-Teilnahme der Bildungsdirektorin am Dies academicus zu zerbrechen. Wir müssen die Absage zur Kenntnis nehmen und Jeder denkt sich dabei seine Sache.

    Stossender ist die fehlende Dialogbereitschaft der Bildungsdirektorin Monica Gschwind insgesamt. Sie betreibt eine Ankündigungspolitik und verlängert die Drohungsgeste der Baselbieter Regierung. In einer Partnerschaft sind solche Vorgänge inakzeptabel. Aber offensichtlich gefällt sich die amtierende Baselbieter Regierung (und der Landrat scheint diese Vorgänge zu goutieren) in Rolle des Provokateurs. Man kündigt & korrigiert Verträge nicht mehr am Runden Tisch, sondern medienwirksam vor laufender Kamera und desavouiert den Partner damit nachhaltig. Ärgert sich dieser Partner und wünscht sich Verhandlungen blökt im Hintergrund das politische Fussvolk und zeigt mit dem Finder auf die Städter und monieren die typische Basler Arroganz. Damit ist ihnen der Applaus hinter der Hülftenschanze sicher. Der Sturm im Bierglas ist geglückt und man kann wieder um die Höhenfeuer tanzen.

    Die Lage ist prekär und die Verhandlungspositionen der Basler eng.
    Entweder sie schlucken die Kröte und bezahlen die fehlenden 30 Millionen aus dem eigenen Sack und retten damit die Uni und die betroffenen 15 Kulturinstitutionen. Mit Sicherheit werden sie dafür Häme aus dem Landkanton einstecken müssen und riskieren, dass die SVP BL anregt auch die weiteren Verträge mit den BaslerInnen zu überprüfen. Oder die Basler holen zum Gegenschlag aus und kündigen ihrerseits die Verträge & Dienstleistungen. Entsprechend könnte man ja auf zusehen hin alle 70 Staatsverträge mit BL aufkündigen.

    Ein Kleinkrieg mit fatalen Folgen für die Bevölkerung.

    Was ich nachwievor nicht verstehe: Wieso wählen die Baselbieter FDP und CVP diesen schmutzigen Politikstil? Was bezwecken sie damit? Wollen sie die Region ins Chaos stürzen?

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  2. Ich bin mit ihrer Politik des Sparens auf Kosten von Bildung und guter Partnerschaft überhaupt nicht einverstanden. Und natürlich ist es sehr unglücklich und wahrscheinlich politisch ein sehr schlechtes Signal, wenn Frau Gschwind ausgerechnet jetzt einem für die Uni so wichtigen Anlass fernbleibt. Nur: solange wir nicht wissen, was für ein privater Anlass Grund für ihre Absenz ist, ist eine Vorverurteilung meines Erachtens nicht zulässig. Manchmal gibt es wichtige private Dinge, welche man nicht verschieben oder absagen kann, Hochzeiten oder Beerdigungen einer nahen Person zum Beispiel…

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    1. Selbst wenn sie gesagt hätte, dass sie bei den Hinterhölsteiner Jung-SVP-lern eine Hetzrede gegen alle Linken zu machen hätte, wäre das ehrlicher und eindeutig verständlicher gewesen, als so.
      So wirkt es etwas hochnäsig, etwa im Stil: „Ihr seid mir zu unwert, als dass ich überhaupt dabei sein müsste. Zu jeder Köterverlochete gehe ich nun schon mal gar nicht.“
      Man bekommt den Eindruck einer Geringschätzung.

      Das ist nicht gut.

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  3. Die Absage von Monika Gschwind für den Dies academicus ist ein klarer Hinweis ihrer Prioritätenliste, was sehr verwunderlich ist. Der Inbegriff von Bildung bedeutet der Regierungsrätin von BL nichts? Shame on you Monika!!

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  4. Natürlich ist die Abwesenheit der gschwinden Gschwind am dies academicus der Universität Basel nichts, was die Welt außerhalb von Liestal – halt: Allenfalls noch im Waldenburgertal, naja, – bewegt. Die schwinde Geschwind ist halt an diesem Termin „ortsabwesend“ .
    Da nimmt es mich schon es ganz es bitzeli Wunder, WO sie denn ortsabwesend ist ? In Hölstein oder in Liestal ? Jedenfalls in Basel ist sie dannzumal nicht „ortsanwesend“, was natürlich nichts mit der Ortsabwesenheit an sich und der gschwinden Gschwind in diesem Zusammenhang zu tun hat, aber man darf doch wohl noch fragen. Ist Basel kein Ort, wo man anwesend sein darf, so als BL-Regierungsrätin ? Oder macht die schwinde Geschwind etwa gar eine Urlaubsfahrt auf dem Mittelmeer ?

    Neiaberau!

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    1. @hürlimann

      bootsflüchtlinge füttern?
      ach was, sie hatte eine interne weiterbildung – ein kreativer malkurs:
      «der strassenbauer und sein rechter pannenstreifen»
      (aktennotiz: «dies streichen»)

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  5. Wieso kommt mir beim Lesen das Wort „Schwanz einziehen“ in den Sinn?
    Man kann doch hinstehen und sagen, o.k., ich habe euch die Kohle gestrichen, weil Sekundarschle uns im Kanton genügt und alles andere nur auf „overcompetent“ hinauslaufen würde.

    Heimatlich-bäurisch ist halt mehr in hier.
    Die Landwirtschafts-Schule in Sissach ist dann auch viel Boden-näher.
    …und die SVP darf man geistig ja nicht überfordern!

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  6. «dies academicus»
    wie soll sie das denn auf anhieb verstehen bitte?
    „dies halber kuss vom aca“? oderso … wer ist denn dieser aca?!
    sicher nix für gestandene damen jedenfalls.

    neinnein, ich glaube nicht, dass sie in ein bed&breakfast ging.

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