Das Unispital hat keine Organe geklaut – Ende der Ermittlung

Ihrem verstorbenen Sohn seien im Universitätsspital Basel illegal Organe entnommen worden, sagte eine Frau aus Deutschland. Der Vorwurf entbehrt jeglicher Grundlage, sagt jetzt die Staatsanwaltschaft Basel nach umfassenden Abklärungen.

Jetzt ist es offiziell: Bei der Obduktion eines 20-jährigen Deutschen am Unispital Basel wurden keine Organe entnommen.

Die Geschichte warf letztes Jahr hohe Wellen. Ein 20-Jähriger war im August bei Lörrach ums Leben gekommen, im Basler Unispital sollten die Umstände seines rätselhaften Todes geklärt werden. Die Mutter des Verstorbenen erstattete im Oktober bei der Staatsanwaltschaft Basel Anzeige wegen illegaler Organentnahme. Und Ende Dezember brachte die «Basler Zeitung» die Geschichte unter dem Titel «Verdacht auf illegale Organentnahme».

Das Unispital wehrte sich umgehend gegen die «haltlosen Anschuldigungen» mit dem Gang vor den Presserat, die Staatanwaltschaft (Stawa) nahm Ermittlungen auf. Die ebenfalls erhobenen Vorwürfe wegen Mordes und Organhandels konnten schnell entkräftigt werden. 

Jetzt hat die Stawa ihre Ermittlungen abgeschlossen und stellt fest, «dass es zu keinem Zeitpunkt zu einer Organentnahme gekommen war oder der Totenfrieden sonst wie gestört worden wäre». Falls keine Beschwerde dagegen eingehe, sei diese Verfügung in zehn Tagen rechtskräftig, schreibt sie in einer Mitteilung.

Noch hängig ist die Beschwerde des Unispitals an den Presserat.

Konversation

  1. Bei einer Obduktion wird der Körper des Toten geöffnet mit dem Ziel, der Todesursache näher zu kommen und mehr über die Krankheit zu erfahren. Dabei werden die Organe natürlich auch an ihren Ansatzpunkten abgeschnitten, damit man sie besser untersuchen kann. So werden kompakte Organe aufgeschnitten, um zum Beipsiel nach Tumor zu suchen , Blutgefässe geöfnet, um den Gefässverschluss verifizieren zu können und manchmal noch Flüssigkeiten entnommen, um auch forensichen Aspekten genüge zu tun. Manchmal taucht dann später doch auf, dass da noch eine Vergiftung im Spiele gewesen sein könnte. Gewisse Routine-Gifte werden wohl schon grundsätzlich untersucht.
    Für die mikroskopische Untersuchung werden auch Gewebeproben entnommen, die später aufbereitet und mikroskopgerecht geschnitten werden.
    Danach kommt aber alles (ausser die Präparate und asservierten Flüssigkeiten) wieder in den verstorbenen Patienten hinein. Was soll man sonst auch damit?
    Die Leiche wird danach wieder geschlossen, nicht vollchirurgisch, da ja nichts mehr zusammen wachsen wird, sondern geeignet für den Bestatter.
    Dort wird dann üblicherweise der Verstorbene noch hübsch gemacht, damit er bei der Abdankung etwas ansehnlicher aussieht und die Trauernden ein hübscheres Andenken mit heimnehmen können.
    Lange Krankheiten, schreckliche Unfälle entstellen Patienten denn doch so, dass es einem Laien einen Schreck einjagen könnte. Das soll ja nicht unbedingt der letzte Eindruck des Menschen sein. Daher auch etwas Kosmetik.

    Die Transplantationsmedizin verlangt frische Organe, da nach gestoppter Blutversorgung doch auch innerhalb des Organs nach einer Latenz der Sterbeprozess einsetzt, d.h. die Zellen zunehmend ihren Zelltod sterben. Diese kurze Latenzzeit ist die Zeit, bis das Organ wieder an einen Blutkreislauf angeschlossen sein muss, der das Organ auch wieder mit Sauerstoff etc. versorgt.
    Dafür geeignet sind meist eher jüngere akut Verstorbene, wo klar ist, dass er definitiv tot ist. Motorradfahrer erfüllen diese Kriterien oft am ehesten: Jung, dynamisch, relativ gesund, der Tod akut (per Motorradunfall) eingetreten.
    Weil es oft nicht Selbstverschulden (versoffen, verraucht, Drogenkonsum) ist, weshalb ein Organ seine Funmktion definitv einstellt, ist der Bedarf doch auch da. Er ist grösser, als man denkt!
    Daher ist ein Organspendeausweis sinnvoll.
    Ich selber würde sogar dafür plädieren, dass nicht bei ausgesprochenem „Njet“ eine entsprechende Organentnahme ohne Rückfrage möglich ist. So müssten weniger Menschen langsam vor sich hinsiechen, weil noch kein passendes Organ gefunden worden ist. Es muss ja schliesslich blutgruppengleich u. ä. sein.
    So müssten auch weniger Betroffene nach Indien fahren, um sich dort gegen Geld eine Niere eines armen Inders einpflanzen zu lassen.

    Religiöse Bedenken habe ich nicht, da auf dem Friedhof im Boden es egal ist, ob da zwei Kilo Verstorbener mehr oder weniger vergehen in der Erde. Im religiösen Bereich trennt sich ja auch je nach Anschauung früher oder später die Seele vom Körper, weshalb man bei soeben Gestorbenen gerne das Fenster öffnet. Bestattet wird somit der Körper ja oft auch erst nach mehrtägiger Latenz. So hat die Seele genug Zeit, sich vom Körper zu trennen.

    P.S.: Eine Reportage der Tawo als Idee?

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    1. Cesna, wir leben in gefährlichen Zeiten: «Ethos» wurde durch den Quartalsbericht abgelöst.

      Und «frisch» geht immer auch «noch frischer». Das sollte Ihnen zu denken geben.

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