Der «Schwarze Bär» erwacht aus seinem Winterschlaf

Einst war es einer der berüchtigsten «Spunten» Basels. Nach einem kurzen Intermezzo als Shisha-Bar möchten nun die neuen Pächter den «Schwarzen Bären» wieder als gemütliche Beiz führen. Der schlechte Ruf von damals macht dem Lokal aber noch immer zu schaffen.

(Bild: Michel Schultheiss)

Einst war es einer der berüchtigsten «Spunten» Basels. Nach einem kurzen Intermezzo als Shisha-Bar möchten nun die neuen Pächter den «Schwarzen Bären» wieder als gemütliche Beiz führen. Der schlechte Ruf von damals macht dem Lokal aber noch immer zu schaffen.

Die Fenster waren stets verrammelt. Von aussen konnten kaum Blicke in die düstere Kneipe an der Rheingasse erhascht werden. Über Monate schien das Lokal zum schwarzen Bären ganz im Winterschlaf zu liegen. Nun aber regt sich wieder Leben in der alten Beiz: Seit Oktober bringen Mustafa Bal und Oya Öz das Lokal wieder auf Vordermann.

Das Wirtepaar hat der finsteren Beiz bereits einen neuen Schliff verpasst: Die sperrigen Fensterläden wurden geöffnet und Vorhänge eingesetzt, Decke und Wände gestrichen, Tische und Stühle ersetzt und neue Lampen aufgehängt. «Wir wollen, dass es hier drin gemütlich wird», sagt Oya Öz.

Ganz unbekannt ist ihr der Ort nicht: Sie war schon Betreiberin des Vorgängerlokals. Von Ende 2012 bis im Sommer dieses Jahres beherbergte das graue Eckhaus nämlich die «Belvedere Shisha Lounge», welche vor allem eine jüngere Kundschaft ansprach. Nicht selten war dort geschlossene Gesellschaft angesagt, etwa bei Geburtstagsfeiern. Schliesslich waren es die Rauchergesetze, die Öz zu einem neuen Konzept bewegten. Daher beschloss sie, zusammen mit ihrem Partner Bal die traditionelle Beiz von einst wiederzubeleben.




Lohnt einen Blick ins Innere: Der «Schwarze Bär» kommt neu als gemütliche Familienbeiz daher. (Bild: Michel Schultheiss)

Fumoir, Dartscheibe und kleine Speisen

Somit sind die Wasserpfeifen alten Basler Stadtpanoramen, Matterhorn-Bildern und Hampelmännern gewichen: Urchiges ziert nun die Wände. Die Ausstattung stammt von einem ehemaligen Stammkunden der Kleinbasler Beiz. «Er hatte derart Freude daran, dass sein Lokal wieder öffnete, dass er uns zum Dank sogleich seine Bildersammlung leihen wollte», sagt Öz.

Der gleiche Mann versprach zudem, sich im kommenden Jahr um die Fasnachtsdekoration zu kümmern. Ein Fumoir mit Dartscheibe und Döggelikasten sowie ein Festkeller gehören ebenfalls zum Lokal. Es ist vor allem auf Getränke ausgerichtet, serviert werden aber auch kleinere Speisen. Das Erwachen des «Schwarzen Bären» hat sich noch nicht gross rumgesprochen. «Es ist schade, dass die Leute denken, die Beiz sei noch immer geschlossen», sagt Öz.

«Ein Stammkunde hatte derart Freude an der Wiedereröffnung, dass er uns zum Dank seine Bildersammlung leihen wollte», erzählt Wirtin Oya Öz.

Früher hatte das Lokal nicht gerade den besten Ruf: Eine Zeit lang galt es als Treffpunkt der rechten Szene. Hin und wieder, so etwa 2001, kam es zu Auseinandersetzungen. Nachdem Rechtsextreme weiter vorne beim «Hirscheneck» randaliert hatten, kam es zwei Tage später zu Scharmützeln an der Rheingasse. Wie die «Basler Zeitung» damals berichtete, stand vor dem «Schwarzen Bären» eine grössere Antifa-Gruppe aus dem Umfeld des «Hirschi» einer Horde von Leuten gegenüber, die als «Hooligans» und «Skinheads» bezeichnet wurden.

Die Polizei konnte die drohende Massenschlägerei aber noch rechtzeitig entschärfen. Zu Szenen wie im Wilden Westen kam es auch anno 2004: Laut Zeitungsberichten zückte ein Gast nach einem Wortgefecht und einem Gerangel mit dem Wirt plötzlich eine Pistole und feuerte einen Schuss ab. Verletzt wurde damals niemand – wohl aber fünf Jahre später, als ein Mann mit einem zersplitterten Bierglas am Hals spitalreif zugerichtet wurde.

Der Rum ist ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit

Geschichten dieser Art verhalfen der Beiz dazu, die wohl am meisten gefürchtete Kneipe Basels zu werden. Sie jedoch als No-Go-Area zu bezeichnen, wäre wohl übertrieben – schliesslich war es schon damals möglich, dort normal ein Bier zu trinken. Erika Furrer kann sich noch gut an die wechselvolle Geschichte des Lokals erinnern. Seit Jahrzehnten führt sie zusammen mit ihrer Schwester Trudi Hartmann den legendären kleinen Kiosk gleich gegenüber und kennt daher die Rheingasse bestens.

Für Furrer ist die Kneipe noch ein Überbleibsel aus den Zeiten, als die Strasse bei ausgehfreudigen Baslern den Kosenamen «Rue de la Carambole» trug. In Anlehnung ans Französische bedeutet der baseldeutsche Ausdruck «Grampool» etwa so viel wie Lärm oder Radau. Zu diesem Spitznamen kam die Rheingasse aufgrund der zahlreichen Beizen wie etwa dem «Schwalbennest», dem «Jägerstübli», dem «Kap Hoorn» oder der heute noch existierenden «Brauerzunft». Diese Zeiten sind längst vorbei: Wie auch Erika Furrer bestätigt, ist es gegenüber von «Trudis Kiosk» in den letzten Jahren generell ruhiger geworden.

Genau hier möchten die neuen Pächter des «Schwarzen Bären» ansetzen und versuchen, dem Sterben der traditionellen Beizen entgegenzuwirken. «Ich möchte, dass sich der Ruf des Lokals wieder bessert», sagt Öz. Dabei hegt sie auch säuberlich das bunte Bild, das im Lokal besonders auffällt. Auf dem Gemälde ist Mutz zusammen mit Vogel Gryff, Leu und Wilde Maa fröhlich am Zechen.

Der Bär soll wieder in seinem Lokal tanzen

Als 1998 die Kleinbasler «Gesellschaft zum Bären» aus der Taufe gehoben wurde, spielte das Bild eine wichtige Rolle: Der Journalist Martin Herter liess sich damals davon inspirieren, als er die Bärenlegende verfasste: Das vierte Wahrzeichen wurde demzufolge von den anderen dreien in den Rhein geworfen. Eines Tages aber hörte man Meister Petz wieder poltern und tanzen – und zwar eben im «Schwarzen Bären». Daher war es üblich, dass der Bär jeweils seinen Schlusstanz in «seinem» Lokal vollführte. In den letzten Jahren ist das allerdings ausgeblieben – der Draht zwischen der Bärengesellschaft und der Shisha-Bar kam nicht zustande.

Gerne möchten die neuen Pächter den Bärentanz aber wieder zurück ins Lokal bringen, ebenso Fasnachtscliquen. «Noch kennen wir aber nicht so viele Leute in Basel und müssen den Kontakt erst aufbauen», erklärt Öz, die früher in Solothurn heimisch war. Der Bär soll also nicht mehr beissen, sondern wieder steppen. Noch schauen viele Passanten bloss schüchtern hinein, um gleich wieder zu gehen, wie Öz erzählt. «Die Leute müssen aber keine Angst haben – es handelt sich um einen ruhigen Familienbetrieb.»

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«Zum schwarzen Bären», Rheingasse 17, Basel. Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag, 14 bis 24 Uhr. Freitag und Samstag, 14 bis 2 Uhr.




Hier soll der Bär wieder steppen, im wahrsten Sinne. (Bild: Michel Schultheiss)

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