Der Sturm über den Dächern der Basler Kirchen hat sich wieder gelegt

Münsterpfarrer Lukas Kundert hat sich nach seinem heiss diskutierten Gastbeitrag in der «Basler Zeitung» mit seinen katholischen Kollegen versöhnt. Auch die Debatte um muslimischen Unterricht in kirchlichen Räumen hat sich wieder gelegt.

Die Basler Kirchen lassen den jüngsten Ärger hinter sich.

Münsterpfarrer Lukas Kundert hat sich nach seinem heiss diskutierten Gastbeitrag in der «Basler Zeitung» mit seinen katholischen Kollegen versöhnt. Auch die Debatte um muslimischen Unterricht in kirchlichen Räumen hat sich wieder gelegt.

Das geschieht nicht alle Tage: Der höchste Basler Reformierte trat als erster Redner bei der Römisch-katholischen Synode auf – um sich für eine Entgleisung zu entschuldigen. Der evangelisch-reformierte Kirchenratspräsident und Münsterpfarrer, Lukas Kundert, wurde am Dienstag in Basels katholische Gemeinde der italienischen Sprache San Pius X eingeladen, wo die Synode tagte.

Grund dafür waren die Meinungsverschiedenheiten nach der Besetzung der Matthäuskirche, die in einem medialen Schlagabtausch gipfelten. Kundert wollte den kürzlich aufgeflammten Knatsch mit den Katholiken beilegen und die Wogen wieder glätten.

Dabei kam er nochmals auf den Stein des Anstosses zurück: sein Gastbeitrag in der «Basler Zeitung». Der herbeigeredete Mini-Kulturkampf sei eine von den Medien hochgekochte Angelegenheit, sagt er. Spätestens der Kommentar des BaZ-Redaktors Thomas Gubler, auf den sich seine Replik bezog, habe die Diskussion um das Kirchenasyl konfessionalisiert.

Aufgebauschter Kirchen-Zoff

«Von einer katholischen Verschwörung ist aber in meinem Text nichts zu lesen», betonte Kundert. Er habe sich lediglich gefragt, weshalb die katholischen Unterstützer der acht Asylsuchenden ihr Anliegen nicht in eigenen Räumen verwirklichten. So habe schlussendlich niemand profitiert: «Die Besetzung hat uns in eine schwierige Lage gebracht, bei der alle nur verlieren konnten», sagte Kundert, womit er sowohl die Asylsuchenden, deren Unterstützer wie auch den Kirchenrat und die Ökumene meinte. «Die Medien konnten so genüsslich vom Klischee eines Zanks der Konfessionen berichten.»

Den Medien den Schwarzen Peter zuschieben, damit machte es sich der Kirchenratspräsident allerdings etwas einfach. Schliesslich konnte er den Verdacht nicht aus der Welt räumen, dass die Gespräche mit den kritisierten Unterstützern – namentlich mit dem Jesuiten-Pater und Universitätsseelsorger Christoph Albrecht – nicht optimal verlaufen sind und partout mit Seitenhieben via Medien geführt werden mussten.

Aber Kundert übte auch Selbstkritik: Er bedauerte, dass der Begriff «katholisches Milieu» in seinen Gastbeitrag eingeflossen ist: «Viele Katholiken haben sich dadurch mitgemeint gefühlt. Das tut mir von Herzen leid», sagte Kundert vor dem Kirchenparlament.

Wirbel um «Koranschule»

Nicht zur grossen Debatte wurde ein zweites Thema, das im Vorfeld einige Aufregung provoziert hatte. Ein weiterer Artikel in der BaZ hatte die Sache ins Rollen gebracht:

Räume beim Pfarreiheim St. Joseph werden für den muslimische Religionsunterricht genutzt, was auf eine langjährige und freundschaftliche Zusammenarbeit des Pfarrers Ruedi Beck mit der Moschee Kommission Basel zurückzuführen ist. Der ehemalige Synodenpräsident Marc Ducommun hatte dazu einen Anzug vorbereitet, um die Finanzhaushaltsordnung zu ändern. Dieser hätte «kultische Handlungen» anderer Religionen in kirchlichen Räumen unterbinden sollen. «Es ist nicht unser Auftrag, die Verbreitung eines nichtchristlichen Glaubens in unserer Kirche zu fördern», so Ducommun. Unmittelbar vor der Synode zog er jedoch seinen Anzug zurück.

Dass es überhaupt zu alledem kam, hat laut Thierry Moosbrugger, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit in der Römisch-katholischen Kirche beider Basel, mit zwei Fehlinformationen zu tun: Entgegen den Annahmen Ducommuns unterstehen die vermieteten Räume nämlich nicht der Kantonalkirche Basel-Stadt, sondern der Stiftung Jugendpatronat St. Joseph. Zudem handle es sich nicht um eine «Koranschule», wie fälschlicherweise von der BaZ dargestellt, sondern um zwei Wochenstunden Religionsunterricht.

Kirchen wollen Klarheit bei Vermietungen

Auch wenn diese beiden Missverständnisse nun aus dem Weg geräumt sind, bleibt eine prinzipielle Frage im Raum: Inwiefern können künftig andere Religionsgemeinschaften jene Räume nutzen? Damit wird sich die Kirche beschäftigen müssen.

Obschon der Anzug zurückgezogen wurde, möchte der Kirchenrat daher Ducommuns Idee aufnehmen. Gemeinsam mit der Dekanatsleitung einigte sich der Kirchenrat auf eine Stellungnahme. Darin wird betont, dass das Engagement von Ruedi Beck und dessen interreligiöser Dialog mit der Kasernen-Moschee geschätzt würden. Gleichzeitig macht der Kirchenrat klar, dass das Thema mehr Fingerspitzengefühl erfordere: «Kirchenrat und Dekanatsleitung sind sich der gesellschaftlichen Brisanz von sich radikalisierenden Gruppierungen wie auch der Angst vor fundamentalistischem Terror bewusst», heisst es in der Medienmitteilung.

In Zusammenarbeit mit den Pfarreien soll daher die Vermietung von kirchlichen Liegenschaften an Dritte künftig dem Kirchenrat vorgelegt und überprüft werden. Dazu wird auf die nächste Synode hin eine Regelung geschaffen. Laut Kirchenratspräsident Christian Griss fehlt dafür noch eine ausgefeilte Formulierung. «Grundsätzlich sollen Gruppen, welche die grundsätzlichen Werte unserer Gesellschaft nicht zumindest respektieren, davon ausgeschlossen sein», so Griss.

Zudem fordert er bei der Vermietung von Räumen an Dritte künftig mehr Transparenz. Aus seiner Sicht wäre es wünschenswert, Projekte wie der muslimische Unterricht zuerst dem Kirchen- und Pfarreirat zu unterbreiten. Dass das Thema nämlich erst durch die Medien zur Diskussion kam, sei auch hier unglücklich gewesen. «Kommunikationstechnisch lief das nicht so gut», räumt Griss ein.

Konversation

  1. Die Glaubwürdigkeit kirchlicher Kommunikation hängt
    ab vom Vermögen der Verantwortlichen
    ■ offen und transparent zu informieren
    ■ die individuellen und sozialen Probleme zu erkennen
    ■ den Glauben als Antwort öffentlich zur Sprache zu
    bringen und im Alltag der Beteiligten erfahrbar zu machen
    ■ kirchliche Konflikte im Dialog mit den Beteiligten zu
    lösen.
    Es ist erfreulich, dass trotz Fehlern und Versäumnissen die Spannungen in diesen zwei Bereichen abgebaut werden konnten. Die Kirchen brauchen mehr Kommunikationsprofis!

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