Hier darf noch geraucht werden

Das Qualmen ist in Basler Beizen noch längst nicht ­Geschichte. Fümoar ist tot, es lebe das Fumoir!

9. Im Baragraph raucht es sich gemütlich und bunt im ersten Stock. (Bild: Stefan Bohrer)

Das Qualmen ist in Basler Beizen noch längst nicht ­Geschichte. Fümoar ist tot, es lebe das Fumoir!

Rauchgegner konnten sich vor Freude kaum mehr halten, viele ­Raucher dagegen waren am Boden zerstört. Als das Bundesgericht den Verein Fümoar im Sommer für unzulässig erklärte, brach der Streit von Neuem los. «Endlich!», jubelten die einen. «Nein!», schrien die anderen. Die meisten vergassen: Es gibt auch Fumoirs. Diese vom Lokal abgetrennten, unbedienten Räume sind legal.

Doch nicht jeder Wirt hat genug Platz oder Geld, um einen solchen Raucherraum einzurichten. Es gibt in Basel aber mehr Fumoirs, als man ­annehmen könnte, wie die Karte zeigt.

Fümoar war günstigste Lösung

Als Reaktion auf das strenge Basler Passivraucher-Gesetz wurde vor gut drei Jahren der Verein Fümoar gegründet, der es Mitgliedern ermöglichte, Gäste weiterhin im ganzen ­Lokal rauchen zu lassen und sie bedienen zu können. Anders als bei der Fumoir-Lösung mussten Wirte kein Geld in die Hand nehmen, sondern verdienten sogar an den Mitgliederausweisen. Entsprechend viele Beizer traten dem Verein bei.

Nach dem Bundesgerichtsentscheid müssen sie sich etwas anderes einfallen lassen. Entweder machen sie ihre Beizen zu Nichtraucherlokalen. Oder sie tun, was manche Kollegen schon bei der Inkraftsetzung des kantonalen Gesetzes getan haben: Sie richten ein Fumoir ein.

Gesuche für Fumoir eingereicht

Drei neue Gesuche sind seit August beim Baudepartement eingegangen. Mit der kalten Jahreszeit könnten es mehr werden. Ein Augenschein in ehemaligen Fümoar-Lokalen zeigt: Viele Gäste bleiben weg, seit die Aschenbecher verschwunden sind.

Das bestätigt auch Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband. Von allen Lokalen lebe jedoch fast die Hälfte problemlos mit dem Rauchverbot. Ein anderer Teil verkrafte die Einbus­sen. Doch bei 20 Prozent der vorwiegend kleinen Beizen sei die «Überlebensfähigkeit des Konzepts infrage gestellt – zum Teil nicht nur wegen des Rauchverbots».

Wie es mit diesen Betrieben weitergehe, sei offen, sagt Ebneter. Er prognostiziert aber Konzeptänderungen: vom Treffpunkt bis hin zum Imbiss –oder den Wechsel zu «branchen­fremden Anbietern». In Einzelfällen würden wohl «nicht Rendite optimierende Vermieter den Weiterbetrieb ­sicherstellen». Auch Hilfsaktionen von Stammgästen seien denkbar.

Originelle Raucherräume

Trotz der Möglichkeit zu rauchen – ein unbedienter Raum ist keine richtige Beiz. Unsere Auswahl an ­Fumoirs zeigt aber, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Und dass Fumoirs gemütlich sein können – auch wenn sich der Gast sein Getränk selber holen muss.

Artikelgeschichte

Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 20.09.13

Konversation

  1. Auch einen „Originellen Raucherraum“ gibt es beim Central-Bahnplatz in der Unterführung zum Veloparking. Das Indische Spezialitäten Restaurant gleich neben dem geschützten Bereich des Veloparkings hat „hinaus“-gestuhlt, in den Unterführungs-Korridor „hinaus“, „draussen“ also in der Unterführung drinnen, darf dann zu Vergnügen der Veloparker und zur Steigerung der Attraktivität dieses Veloparkings aktiv und passiv geraucht werden. Äusserst „originell“ was die Interpretation betrifft und sicher ganz im Sinne des Gesetzgebers in diesem Falle des Volkes.

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