Innovationspark Allschwil: Die Erfolgsgeschichte zeigt Risse

Die Macher des Innovationsparks sprechen im Zusammenhang mit ihrem Projekt von einer grossen Erfolgsgeschichte. Konkrete Erfolge blieben bislang aber aus.

Auf dem Bachgraben-Areal in Allschwil soll dereinst der Neubau des Innovationsparks mit 25'000 Quadratmetern Fläche entstehen. Bislang aber sind kaum Firmen nach Allschwil gekommen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Macher des Innovationsparks sprechen im Zusammenhang mit ihrem Projekt von einer grossen Erfolgsgeschichte. Konkrete Erfolge blieben bislang aber aus.

Die Fenster sind abgedunkelt, auf dem Bürotisch liegen Papiere verstreut, am Computer sitzt ein etwa fünfjähriger Bub, der einen Film schaut. Nebenan befindet sich ein weiteres Büro. Darin gibt es einen weissen Tisch, darauf ein Laptop und ein Telefon. 

Das sind die Räume an der Gewerbestrasse in Allschwil, in denen zwei Unternehmen sitzen, die der Innovationspark laut eigenen Aussagen hier ansiedelte. Überhaupt wirken Räumlichkeiten, wo der Innovationspark seinen Sitz hat, heruntergekommen. Ein Mitarbeiter eines Unternehmens vor Ort sagt: «Das ist nicht gerade das, was man sich unter einem Innovationspark vorstellt.»

Der Innovationspark Region Nordwestschweiz, der 2011 von den beiden Halbkantonen und der Handelskammer beider Basel (HKBB) gegründet wurde, ist seit einem Jahr an der Gewerbestrasse aktiv. Die ehemaligen Räumlichkeiten von Actelion an der Gewerbestrasse nutzt der Innovationspark, bis in einigen Jahren weitere Fläche und ein Neubau im Bachgraben-Areal zur Verfügung steht. Der Park sei jedoch bereits heute eine «Erfolgsgeschichte», sagt HKBB-Direktor Franz Saladin.

«Mehrere kleine Firmen» nach Allschwil gelockt

Denn man habe bereits 4500 von 5000 Quadratmeter Fläche an «mehrere kleine Firmen» vermietet. Das erklärten die Verantwortlichen des Innovationsparks im Januar vor der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission des Landrats.

Welche Firmen der Innovationspark – neu Swiss Innovation Park (SIP) genannt – bereits nach Allschwil gelockt hat, beantwortet Saladin nicht. Die Webseite des SIP nennt vier Projekte, die bereits im Innovationspark beheimatet seien: AOT und Mininavident, zwei Spin-offs der Uni und des Universitätsspitals Basel, MTIP, ein Unternehmen, das Start-ups berät, sowie das Departement für Biomedical Engineering der Universität Basel.

Die Geschäftsführer der beiden Spin-offs zeigen sich überrascht, dass der SIP ihre Unternehmen auf seiner Webseite aufführt. Frank Berlinghoff von Mininavident sagt: «Echt? Mit dem Innovationspark haben wir eigentlich nichts zu tun.»

Das Departement für Biomedical Engineering belegt rund 2800 Quadratmeter. AOT hat etwa 250 zur Verfügung und Mininavident belegt laut eigenen Angaben weniger als 15 Quadratmeter – wie viel Fläche die Beratungsfirma MTIP mietet, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

«Wir haben sehr viel gemacht»

Daraus ergibt sich eine vermietete Fläche von etwa 3000 Quadratmetern, wovon der allergrösste Teil dem Departement für Biomedical Engineering zufällt. Wie der Innovationspark auf die 4500 Quadratmeter kommt, die bereits an Firmen vermietet seien, bleibt somit unklar.

Mehrere Anfragen der TagesWoche, die Räume zu besichtigen und unter anderem Filmaufnahmen vor Ort zu machen, schlägt der SIP-Geschäftsführer André Moeri aus und verweist auf HKBB-Direktor Saladin, der für Presseanfragen verantwortlich sei. Moeri sagt Anfang März, er habe erst Mitte April wieder Zeit.



Leere und Tristesse: Der Aufenthaltsraum im ehemaligen Actelion-Gebäude lädt nicht zum Verweilen ein.

Leere und Tristesse: Der Aufenthaltsraum im ehemaligen Actelion-Gebäude lädt nicht zum Verweilen ein. (Bild: Jeremias Schulthess)

Auf die Frage, was der Innovationspark seit dem Einzug an der Gewerbestrasse vor einem Jahr konkret erreicht habe, sagt Saladin: «Wir haben sehr viel gemacht.» Zum Beispiel habe der SIP die Räumlichkeiten an der Gewerbestrasse umgebaut. Die Universität sagt hingegen auf Anfrage, die Kosten für den Mieterausbau in Höhe von 1,2 Millionen Franken habe man selbst bezahlt.

Ein Höhepunkt des noch jungen Innovationsparks habe zudem 2015 stattgefunden, erklärt Saladin. Die Werner-Siemens-Stiftung sprach 15 Millionen Franken für ein Medtech-Projekt, das dereinst im SIP unterkommen soll. Die 15 Millionen gehen an das Projekt, nicht an den SIP. Für Saladin ist es aber ein Erfolg, da ein SIP-Vorstandsmitglied die Akquisition der Gelder in die Wege leitete. «Der SIP konnte mit diesem Kristallisationskeim äusserst erfolgreich starten.»

Geld von Kantonen

Der Innovationspark erhielt 2013 eine halbe Million Franken von den Kantonen Baselland und Basel-Stadt. 2014 legten die Halbkantone eine Million drauf. Nun sprachen der Grosse Rat und der Landrat im Dezember 2015 und Februar 2016 einen Verpflichtungskredit in Höhe von 2,7 Millionen Franken.

Dieses Geld verwendet der Innovationspark für drei Mitarbeiter und Betriebskosten von 2016 bis 2018. Damit soll «die Projektierung des Designs und das Anlocken von Investoren» finanziert werden, so sagten es die SIP-Verantwortlichen in der Landratskommission.

Eine Million für «elektronische Vermarktungs-Instrumente»

Saladin erklärt, es gehe in erster Linie darum, «die Geschäftsstelle und damit den weiteren Aufbau des Innovationsparks zu finanzieren». Also zum Beispiel darum, das Marketing auszubauen und die Räume herzurichten.

Für Mitarbeiter und Betriebskosten budgetiert der SIP jeweils 1,35 Millionen Franken über drei Jahre. Wofür die 1,35 Millionen Betriebskosten konkret verwendet werden, will Saladin aber nicht sagen. Er verweist auf einen Landratsbericht, in dem von Kosten für «elektronische Vermarktungs-Instrumente und Social-Media-Aktivitäten» die Rede ist. Einen Twitter- oder Facebook-Account führt der Innovationspark indes nicht.

«Als grosse Erfolgsgeschichte verkauft»

Die Baselbieter SP-Co-Präsidentin Regula Meschberger war in der Kommission, als die Verantwortlichen des Innovationsparks inklusive Regierungsrat Thomas Weber das Projekt vorstellten. Sie habe das Ganze kritisch hinterfragt, sagt Meschberger. «Der Innovationspark wurde uns als grosse Erfolgsgeschichte verkauft.» Den Kommissionsmitgliedern sei nichts anderes übrig geblieben, als den Verantwortlichen zu vertrauen. Am Ende stimmten Meschberger und die Mehrheit der Landrätinnen und Landräte für den Verpflichtungskredit.

Einen Business-Plan für die kommenden Jahre legten die Verantwortlichen den Politikern nicht vor. Saladin versicherte jedoch in der Landratskommission, dass der Entwurf eines Business-Plans bereits stehe und demnächst vorgelegt werden könne. Auf die Anfrage, wann dieser Business-Plan vorgelegt werde, sagt Saladin: «Die Business-Pläne sind nicht öffentlich.»



So soll der Neubau im Bachgraben-Areal einmal aussehen.

So soll der Neubau im Bachgraben-Areal einmal aussehen. (Bild: Landratsbericht)

In der zweiten Phase, die der Innovationspark ab 2018 anpeilt, soll ein Neubau im Bachgraben-Areal entstehen, etwa 200 Meter vom heutigen Standort entfernt. Dafür werde der Innovationspark die Kantone um eine Anschubfinanzierung anfragen, heisst es im Bericht an den Landrat. Die Kosten für das Gebäude in Allschwil und ein weiteres in Delémont belaufen sich auf etwa 132 Millionen Franken.

Das sind grosse Pläne. Fraglich bleibt, ob die Unklarheiten bis dahin geklärt sind und ob die Firmen, welche die Macher des Innovationsparks ankündigen, bis dahin kommen werden.

Konversation

  1. also mir gefallen diese invasionspärke ganz generell: da geht’s am schluss wie bei den fahrenden wagenleuten oder wie heissen auch um unsereiner, den spitzwegerich, die lurche&reptilien. das sind salinisch raurasische rückzugsgebiete zur fernerholung.

    erst hab ich mir schon gedacht: wie bitte, die zahlen alle anstandslos, sogar der totspar-halbkanton? – da muss ja etwas oberlusch sein. mit kultur oder bildung hat das mal ganz sicher nichts am hut. mit wirtschaft vermutlich auch nicht – das wär jetzt eine krasse überforderung für die ländler. hm, müssen die irgendwelches restkapital unter dem teppich fürechnüüble und im park parkieren?
    naja, vielleicht gab’s ja was gratis dazu vom bund wie beim bahnhof lieschtel … und mir kann’s ja egal sein, hauptsache präkompetitiv –

    das tönt genial und stört fauna&flora nicht.

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    1. @ Chröttli:
      Das wäre doch schön!
      Die längste Naturschutzzone Europas ist auch dort, wo mal die Mauer war.
      Das war niemals in dieser Art geplant!
      Vielleicht bekommt Allschwil ja auch noch ein neues Naturschutzgebiet irgendwann.

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  2. Nachtrag: im Coop Frick gibt es noch Goldhasen
    etwa ein halbes Palet zu kaufen, dass Motorenöl
    drin ist Gratis. Hergestellt?
    Abwarten die kommen alle zurück, weil unsere
    Qualität auch wenn teuer unschlagbar ist.
    Diese manager sind ihr Geld nicht wert, aber Coop
    musste ja unbedingt am Ostermontag in Frick öffnen,
    bezahlen tut es der Kunde un Coop jammert.

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  3. Ehrlich gesagt weiss ich nicht, ob ich mich jemals an die Tatsache gewöhnen werde, dass eine Vielzahl getexteter Medienbeiträge in der Region unterdessen nach ziemlich gleichem Muster verlaufen: Man nehme irgend ein Infrastrukturprojekt, mache ein paar Telefonate, um den Eindruck vertiefter Recherche zu erwecken, erwähne aber all das nicht, was die geplante Schlechtschreibe in Frage stellen könnte – so auch hier: Beim leicht hämisch als „Innovationspark Allschwil“ bezeichneten Projekt handelt es sich in Tat und Wahrheit um einen Teil des Schweizerischen Innovationsparkes – vgl. http://www.sbfi.admin.ch/themen/01367/02589/index.html?lang=de. Die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura (der im Artikel nicht einmal erwähnt wird) haben sich dabei gegen durchaus steife, innerschweizerische Konkurrenz durchgesetzt und sind nun Teil dieses Innovations-Netzwerkes – vgl. https://www.switzerland-innovation.com/. Es geht dabei übrigens nicht um eine Art Gewerbepark, den man auf Teufel komm‘ raus mit Unternehmen füllen muss. Vielmehr ist es das Ziel, an der Schnittstelle zwischen Forschung und wirtschaftlicher Verwertung Raum zu schaffen für sogenannt präkompetitive Projekte. In diesem Zusammenhang hätte wohl auch erwähnt gehört, dass das Parlament des Kantons Jura vor Ostern einstimmig einem entsprechenden Kreditantrag zugestimmt hat, ähnlich wie vorher Basel-Landschaft (bei wenigen Gegenstimmen) und Basel-Stadt (bei einer Gegenstimme).

    Grundsätzlich wird kaum in Frage gestellt, dass an der Basis der Beschäftigung künftiger Generationen die Fähigkeit zur Innovation steht. Vor diesem Hintergrund hätte gerade auch der Innovationspark Nordwestschweiz eine kritische, die GESAMTE Faktenlage darstellende journalistische Begleitung verdient. Dass dazu neben mir sicher auch die Volkswirtschaftsdirektoren der Kantone Basel-Landschaft und Jura der Tageswoche Auskunft erteilt hätten, sei hier nur am Rande erwähnt,

    Christoph Brutschin

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    1. Herr Brutschin, ich sehe nicht ganz, was es zur Sache tut, dass der Innovationspark in den nationalen Swiss Innovation Park eingebettet ist (was im Übrigen erst seit 2015 offiziell der Fall ist, als der Nationalrat den Rahmenkredit bewilligte). Mit den im Artikel angesprochenen Punkten hat die Organisationsstruktur des Parks m.E. nichts zu tun.

      Auch dass die Kantonsparlamente fast einstimmig den Verpflichtungskredit sprachen, ist zwar schön, macht aber ebenfalls noch keine Erfolgsgeschichte daraus.

      Es ging ganz einfach darum, die Aussagen der Macher des Innovationsparks zu überprüfen und nachzuhaken, was bisher konkret umgesetzt wurde respektive was denn die konkreten Erfolge des SIP bislang sind.

      Die erhaltenen Informationen, die wir in mehreren Anläufen zusammentrugen, waren sehr spärlich (und ja, wir haben mehr als „ein paar Telefonate“ geführt). Die relevanten Fragen wurden schlicht nicht beantwortet. Zum Beispiel: Wofür braucht der Innovationspark rund 1 Million Franken Betriebskosten? Das sollte ein staatlich mitfinanzierter Verein beantworten können.

      Hier erstaunt auch, dass die politischen Akteure offenbar nicht weiter nachfragen und ein Projekt gutheissen, das ihnen als Erfolgsgeschichte verkauft wird, ohne jedoch viel Konkretes darüber zu erfahren. Dass die Kantonsparlamente einen Kredit genehmigen für ein Projekt, von dem sie noch nicht einmal einen Business-Plan über die nächsten Jahre vorgelegt bekommen, ist doch eher aussergewöhnlich. Oder können Sie mir ein Beispiel nennen, in dem derart grosszügig Kantonsgelder verteilt werden?

      In BS mag das angesichts der hohen Überschüsse wenig stören, in BL erstaunt es aber doppelt, wenn Projekte, die einen Bruchteil davon kosten, regelrecht zerlegt werden, der Innovationspark aber ohne weiteres 1,35 Millionen erhält.

      (Was an der Bezeichnung Innovationspark Allschwil hämisch sein soll, kann ich Übrigens nicht erkennen, handelt es sich doch um den Ableger des nationalen Innovationsparks in Allschwil.)

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    2. Danke Regierungsrat Brutschin für diese klaren Worte. Leider ist es ja nicht das erste Mal, dass die Tageswoche nur das schreibt, was ihr passt. Dies hat mit seriöser Recherche nichts zu tun. Vielleicht auch bezeichnend, dass der für diesen Artikel verantwortliche Journalist Schulthess schweigt.

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    3. Sehr geehrter Herr Brutschin.
      Als Werbetexter oder eben … allenfalls als Politiker, werden Sie sicher Karriere machen.

      Der Satz,
      „Vielmehr ist es das Ziel, an der Schnittstelle zwischen Forschung und wirtschaftlicher Verwertung Raum zu schaffen für sogenannt präkompetitive Projekte“,. klingt für meine Ohren wie, blütenrein oder aprilfrisch. Auch da kann man viel hineininterpretieren.
      Auch fällt mir auf , dass Sie nicht die Kritik im einzelnen kontern, sondern Sie kritisieren die Kritik grundsätzlich.

      Als Leser weiss ich nach Ihrem Kommentar lediglich, dass Innerschweizer steif sind und Jeremias Schulthess oberflächlich recherchiert.
      Und Sie zur Hypertrophie in der Wortwahl neigen

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    4. @ C Brutschin

      Endlich mal ein Politiker (mit Frau Schenker haben gibt es ja bereits eine Politikerin), welcher sich in den Kommentar-Spalten mit den Wähler auseinandersetzt. Willkommen in der Zukunft, welche eigentlich nun schon vor 10 Jahren angefangen hat. Vielleicht könnten Sie Ihren Kollegen einmal erzählen, was den Stammtisch so ca. im Jahr 2005 abgelöst hat.
      Machen Sie weiter so, melden Sie Sich hier und in anderen Foren weiter zu Wort, direkter, sowie orts- und zeitunabhängiger kann man mit der Bevölkerung nicht in Austausch treten.

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