Ist es rassistisch, wenn Schweizer ihre Kinder nicht auf Schulen mit hohem Ausländeranteil schicken?

In unserem Wochenthema beschäftigen wir uns mit Fragen zum Rassismus im Alltag. Wo fängt dieser an? Ist es okay, wenn man bei der Schulwahl schummelt, weil man sein Kind nicht in eine Klasse mit hohem Ausländeranteil schicken will? Reden Sie mit!

Gehts ums Kindeswohl, übermannt auch die weltgewandtesten Eltern die Furcht vor dem schlechten Einfluss der Ausländer. (Bild: Nils Fisch)

In unserem Wochenthema beschäftigen wir uns mit Fragen zum Rassismus im Alltag. Wo fängt dieser an? Ist es okay, wenn man bei der Schulwahl schummelt, weil man sein Kind nicht in eine Klasse mit hohem Ausländeranteil schicken will? Reden Sie mit!

Es ist ein Klassiker in Basel-Stadt: Kaum soll der Nachwuchs eingeschult werden, bemühen Eltern alle möglichen legalen und illegalen Tricks, damit das Kind nicht auf eine Schule mit hohem Ausländeranteil muss. Vom Briefkastendomizil in einem fremden Quartier bis zur erfundenen Grossmutter, bei welcher der Knirps sein Mittagessen einnehmen müsse, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Gehts ums Kindeswohl, übermannt auch die weltgewandtesten Eltern die Furcht vor dem schlechten Einfluss der Ausländer.

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Konversation

  1. Was auch hier als Ausländerproblem (nun diesmal bei Kindern) diskutiert wird, ist zuerst einmal ein Problem der verschiedenen sozialen Schichten, die halt in den meisten Gesellschaften sich voneinander trennen (Mit dem Arbeiterkind darfst du nicht mehr spielen. Was, du willst einen Arbeiter heiraten?). Die Schweiz hat lange Zeit gezielt eine Unterschichtzuwanderung gefördert (Wohl erst die Spitäler, Novartis und Co. haben dies massiv durchbrochen.), Baufirmen, der Service und auch die Landwirtschaft drangen besonders auf hohe Quoten. Wenn wir so ehrlich sind, sind bis auf das Sprachenproblem auch diese Schulprobleme eigentlich Schichtenprobleme. Die müssen innerhalb der Gesellschaft gelöst werden.

    Es gibt die Idee, dass alle Menschen eigentlich gleich sind und daher die Frage sich stellt, mit welchem Sinn bewusst Ungleichheiten aufrecht erhalten werden. (In-Ausländer, Mann-Frau, Dialekt-Hochdeutschredner, frühe Schulseparation, etc.)
    Wahrscheinlich dienen sie zuerst der Stützung des eigenen Selbstbewusstseins.
    Das Gefühl einer gesellschaftlichen Homogenität (mer sin alli gliich!) erspart einem natürlich viele Probleme, hinterlässt aber auch die Phantasie eines Paradieses, die je länger je weniger aufrecht erhalten werden kann, ausser man kapselt sich voll ab.
    Hier in der Gesellschaft haben erst die Pizzerias die Ebene der Normalität erreicht, andere ausländische Restaurants, Dönerlokale gelten entweder als Nischengebiet oder werden auch bewusst gemieden. Dies ist nebenan durchaus anders.
    Naja, wenn Gleichheit tatsächlich Idee würde, müssen noch einige „Abgrenzungsmauern“ abgerissen werden, was aber von der Toleranzreserve der Gesellschaft abhängt.
    So wäre auf dem Bild des Artikels eigentlich auf der Fahne besser geschrieben: „Anders als wir“. (ausser man definiert sich im Gegensatz zur Türkei eher in der Gegend der Rückseite des Mondes platziert.

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    1. haben Sie realisiert, dass der obendran mit seinem plakativen statement gezielt einen angejahrten beitrag aufgewärmt hat? Nicht dass Ihre betrachtungen dadurch an relevanz verlieren würden … so, jetzt mampf ich meinen döner …

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  2. Es war bei unserem sohn in der Klasse (Solothurn) so, dass er und zwei KollegInnen als „Schwizer“ und „Schwizeropfer“ beschimpft, fast jeden Tag.

    Wir zogen weg und ich verstehe alle Eltern, die das auch tun.

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  3. Wir sind von Grenchen weg aufs Land gezogen. Von älteren Kindern aus der Nachbarschaft hörten wir, dass „du huere Schwyzer“ ein Schimpfwort ist, oder auch „schwyzer opfer“ hab ich schon selber gehört. Auch sonst werden in jenen Klassen, wo die Schweizer in der Minderzahl sind, schweizer Kinder mit rassistischen Bemerkungen konfrontiert, gerade wenn sie nicht gläubig sind.

    Ich glaube nicht, dass das gut ist wenn man sich schon im Schulalter für seine Nationalität entschuldigen muss. Wir sind jetzt auf dem Land, da gibt es keine Probleme. Wahrscheinlich liegt es nicht an den „Ausländern“, d.h. den Albanern, sondern wird einfach dann ein Problem, wenn sie in der Überzahl sind. Die Anzahl ist das Problem, nicht die Menschen!

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  4. Vielleicht ist die politische Korrektheit von Basel, allen Schülern die gleichen Chancen zu bieten, die stört. Wo ich aufwuchs gab es zu meiner Jugend an der Oberstufe drei Niveaus. Wir waren gut die Hälfte Ausländer in der Klasse, hatten aber auch gemeinsam, dass wir schon damals alle perfekt Schweizerdeutsch konnten und die Frage nach der Nationalität war wirklich nie(!) ein Thema. Hingegen gab es das eine Niveau mit den pöbelnden, „bildungsfernen“ Jugendlichen, von dem wir zum Glück zumindest während den Schulstunden abgeschottet waren. Als Erwachsener merke ich, wie es meist Ausländer sind, die einen nach der Nationalität fragen; Schweizer interessieren sich kaum dafür.

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  5. Keine Angst Sulli, ich bin nicht die böse TW. Wieso schreibst du denn überhaupt hier? Der FCB ist jetzt Champions League dank den Oeri-Millionen und so auch die Tageswoche, nur in kleinerem Rahmen.

    Bei BaZ/Newsnetz haben sie keinen Sinn für Humor und sie hätte dich gleich wegzensiert, also Kopf hoch und nieder mit dem Rassismus!

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  6. Interessant finde ich auch dass wir Eltern das entscheiden, d.h. wir entscheiden was wir meinen sei gut oder schlecht für unsere Kinder.

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  7. Solange wir diese Fragen stellen müssen, solange wir meinen unsere Kinder an ‚bessere‘ Schulen oder eben mit weniger Ausländeranteil schicken zu müssen bedeutet das ja auch dass wir uns besser fühlen als andere. Solange diese Gesinnung in unseren Köpfen vorherrscht (und das wird sie solange es Menschen gibt), so lange wird es keine Änderung geben, d.h. Heisst also nie.

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