Mörgelis Facebook-Account zu sperren, war falsch – ändern Sie meine Meinung

Der Facebook-Account von Christoph Mörgeli wurde nach einem geschmacklosen Post gesperrt, das Internet klatscht Beifall. Dabei wird vergessen, dass die Meinungsfreiheit auch für Provokateure gelten muss.

Christoph Moergeli, Nationalrat des Kantons Zuerich, spricht waehrend dem Wahlkampfauftakt der Zuercher SVP, "SVP bi dae Luet", im Zeughausareal Uster am Dienstag, 25. August 2015, in Uster. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

(Bild: DOMINIC STEINMANN)

Der Facebook-Account von Christoph Mörgeli wurde nach einem geschmacklosen Post gesperrt, das Internet klatscht Beifall. Dabei wird vergessen, dass die Meinungsfreiheit auch für Provokateure gelten muss.

Am Dienstag habe ich einen hervorragenden Essay zum Thema Hass gelesen. Daran musste ich denken, als ich vor dem Einschlafen die Nachricht las, dass der Facebook-Account von Christoph Mörgeli gesperrt sei. Der genaue Grund dafür ist unklar, es ist aber nicht unplausibel, dass diese Sperrung im Zusammenhang mit einem ziemlich geschmacklosen Post des SVP-Nationalrates und den darauf erfolgten Meldungen bei Facebook erfolgt ist. Wir werden es wohl nie definitiv erfahren, da die entsprechende Handhabung von Facebook sehr undurchsichtig ist.

Natürlich: Das Bild ist auf menschlicher Ebene widerlich, auf inhaltlicher Ebene falsch und auf wirtschaftspolitischer Ebene irreführend – und es rückt den SVP-Politiker in die Nähe der deutschen Rechtsaussen-Partei NPD. Das ist aber im Grunde genommen egal, denn: Er verstösst nicht gegen die geltende Rassismusgesetzgebung. Und solange das nicht der Fall ist, halte ich das öffentliche Korrektiv, das sich in der kollektiven Empörung über Mörgelis Facebook-Verhalten entladen hat, für sehr viel zielführender. 

Die Sperrung macht Mörgeli zum symbolischen Märtyrer für die «Das-wird-man-ja-noch-sagen-dürfen»-Fraktion.

Die Sperrung macht ihn (de facto) mundtot und damit zum symbolischen Märtyrer für die «Das-wird-man-ja-noch-sagen-dürfen»-Fraktion. Sie verhindert, dass Menschen anderer Meinung ihrem Unmut Luft machen. Gegenargumente geben hoffentlich auch Menschen wie Mörgeli mehr zu denken als das Gefühl, zu Unrecht gesperrt worden zu sein.

Auf die grosse Empörung über den Post vom letzten Wochenende folgt nun der grosse Beifall für die Sperrung des Accounts. Nur: Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Auch wenn mein Herz etwas anderes sagt: Wir sollten sie nicht für den Wahlkampf eines professionellen Provokateurs aufs Abstellgleis stellen. Und schon gar nicht sollten wir uns diesbezüglich der Willkür einer beispiellosen mächtigen Meinungsmaschine ausliefern.

Nun sind Sie an der Reihe: Überzeugen Sie mich in der Kommentarspalte vom Gegenteil. Das beste Argument soll gewinnen.

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Update: Blogger Andreas von Gunten hat einen lesenswerten Post zu diesem Thema geschrieben.

Update 2: Das Profil von Mörgeli ist in der Zwischenzeit wieder online gestellt worden. Mit allen Posts.

Update 3: Ein guter Einwurf (und hervorragender Comic-Strip von xkcd) kommt von Twitter-User Alexander Turcic:

 

Update 4: Auf der Facebook-Seite von Blogger Philippe Wampfler hat sich ebenfalls eine lebhafte Diskussion zum Thema entwickelt:

 

Meine 2cents zur Causa Mörgeli: 1.) Niemand weiß, warum das Profil gesperrt wurde. 2.) Intransparenz von FB ist ein…

Posted by Philippe Wampfler on Wednesday, September 2, 2015

Update 5: Der Tages-Anzeiger hat sich dem Thema Facebook und Meinungsfreiheit nun ebenfalls angenommen.

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