Rekurs gegen Abbruch des Felix-Platter-Spitals

Der Regierungsentscheid über den Abbruch des alten Spitalgebäudes auf dem Felix-Platter-Areal wird das Verwaltungsgericht beschäftigen. Der Heimatschutz hat Rekurs eingelegt.

Noch ist nicht bekannt, wie das Wohngenossenschaftsprojekt an diesem Ort genau aussehen soll. Eine Einsprache von Anwohnern gibt es aber bereits jetzt.

 

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Der Regierungsentscheid über den Abbruch des alten Spitalgebäudes auf dem Felix-Platter-Areal wird das Verwaltungsgericht beschäftigen. Der Heimatschutz hat Rekurs eingelegt.

Der Regierungsrat will auf dem Felix-Platter-Areal Platz schaffen für bis zu 550 neue Genossenschafts-Wohnungen. Eine entsprechende Arealstrategie wurde der Öffentlichkeit Anfang April vorgestellt.

Gleichzeitig mit dieser Strategie hat die Regierung sich auch gegen eine Unterschutzstellung des markanten Spitalgebäudes entschieden. Der Bau steht den Entwicklungsplänen offenbar im Weg. Dies obwohl sich Vertreter der Einwohnergemeinde (Spitaleigentümerin) und der kantonalen Denkmalpflege im letzten November in einem sogenannten «Vorvertrag betreffend Eintragung eines Denkmals in das Denkmalverzeichnis» darüber geeinigt hatten, das alte Spital sowie die beiden Schwesternhäuser unter Denkmalschutz zu stellen.

Mit diesem Dokument, das der TagesWoche vorliegt, verfolgten die beiden Parteien folgendes Ziel: «eine weitgehende Umnutzung dieser Gebäude zu Wohnen […], und zwar unter Optimierung der wirtschaftlichen Ansprüche mit gleichzeitiger Erfüllung der denkmalpflegerischen Ansprüche». Weiter unten wird die Verbindlichkeit dieser Vereinbarung jedoch wieder eingeschränkt.

Abbruchentscheid vor Gericht

Der Vertrag werde unter der Bedingung geschlossen, dass er vom Regierungsrat genehmigt werde. Da dies nicht geschehen ist, sei dieser Vertrag gar nie rechtskräftig geworden, erklärt Barbara Neidhart, Mediensprecherin bei Immobilien Basel-Stadt (IBS).

Damit will sich der Heimatschutz jedoch nicht zufrieden geben. Wie das Regionaljournal berichtete, hat der Heimatschutzes Basel zusammen mit der freiwilligen Denkmalpflege den Regierungsentscheid angefochten. «Wir haben beim Verwaltungsgericht Rekurs eingereicht und können diesen bis Ende Juni begründen», sagt Christof Wamister, Obmann des Heimatschutz Basel. Neben den materiellen Aspekten gehe es ihm vor allem um das Vorgehen der Regierung. «Die verweigerte Unterschutzstellung wurde nie ausreichend begründet», sagt Wamister.

Heimatschützer Wamister zielt mit seinem Rekurs denn auch nicht einfach auf die Erhaltung der Architektur. «Wir wollen kein Architekturmuseum, sondern eine möglichst sinnbringende und ressourcenschonende Umnutzung.» In der Verwaltung will man sich zu dem laufenden Verfahren nicht äussern.

Widersprüchliche Regierungsantwort

Widerstand erwächst dem regierungsrätlichen Abbruchentscheid noch von anderer Seite: Grossrätin Mirjam Ballmer (Grüne) hat dazu Mitte April eine Interpellation eingereicht, welche schriftlich beantwortet wurde.

Darin begründet der Regierungsrat seinen Entscheid nur sehr knapp und teilweise widersprüchlich. So steht dort etwa, «dass eine Umnutzung möglich und wirtschaftlich machbar wäre». Angesichts der vielen Unbekannten habe sich die Regierung jedoch «für das wohnpolitsche Interesse und gegen den Denkmalschutz für die bestehenden Gebäude und für deren Abbruch ausgesprochen».

Ballmer gibt sich mit diesen Antworten nicht zufrieden. «In der Arealstrategie hiess es noch, ein Abbruch sei fakultativ, und jetzt steht der Rückbau offenbar plötzlich fest.» Ballmer fordert von der Regierung, auf diesen Entscheid zurückzukommen. «Am besten wäre es doch, wenn dem künftigen Bauträger beide Optionen offenstünden.» Sie stehe im Kontakt mit den interessierten Kreisen, Genossenschaften und Architekten, um weitere Schritte zu prüfen.

Konversation

  1. Das FPS ist ein architektonisches Denkmal und ich finde auch rein ästhetisch ist es etwas vom Besten, was in den 60ern gebaut wurde. Es hat in seiner Leichtigkeit etwas immer noch sehr modernes! Und als ob man das Spital nicht inwändig winddicht und wärmedämmend isolieren könnte…

    Das FPS soll von aussen so erhalten bleiben, eines der wenigen Gebäude aus dieser Epoche, welches einen hohen architektonischen Wert hat!

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  2. cetero censeo:

    Macht doch einfach ein „Ballenberg der Seltsamkeiten“. Irgendwo auf nicht genutzten Industriebrachen. Dort, wo (infrastrukturell gesehen) eh keiner wohnen will. Weit weg von den Städten. Dahin können dann die Heimatschützer am Wochenende einen Tagesausflug machen.

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  3. „…etwas vom Besten, was in den 60ern gebaut wurde…“

    Naja, bester Herr Georg, das ist nun wirklich kein ernstzunehmendes Argument!

    Unter den blinden Dingen mag das einäugige Ding zwar König sein. Aufbewahrenswert wird es dadurch nicht.

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  4. Als jemand der in den 90ern 9 Jahre in jenem Gebäude gearbeitet hat, kann ich über diesen widerstand und die weiternutzungsillusionen nur den Kopf schütteln! Nicht nur dass dieses gebäude Potzhässlich und eine Architektonisches „Denk-mal“ höchstens im Negativen Sinne ist- um der Nachwelt zu zeigen wie man es Nicht machen darf und soll- Nein dieses Gebäude war schon vor 20 Jahren eine bauökologische Katastrophe.
    Je höher das Stockwerk desto erbarmungsloser pfiff im winterhalbjahr der Wind durch alle ritzen und Fugen die absichtlich verstzt gebauten Alufassaden sind Windfänge 1a. …, es ist sagenhaft was da an Energie im laufe der jahre zum Fenster hinaus geheitzt wurde- was soll man DA heute noch Geld rein stecken um es zu verschlimbessern ? Glaubt mir liebe Basler- an diesem Bau ist absolut Null Schützens und erhaltenswert- lasst es besser bleiben und baut etwas Zeitgmäss vernünftiges !

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    1. Stimmt nicht ganz: Der 360-Grad-Blick von der Dachterrasse über ganz Basel hatte und hat was betörendes.

      Aber sonst haben Sie recht: «Der Freund der alten Menschen», die Lungenentzündung, war dort Dauergast.

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    2. @Andreaas Hagenbach… bei allem Respekt: einen auch noch so versteckten „Fortschrittsglauben“ können sie bei mir so lange suchen wie sie wollen, die Natur als solche macht zwar ohnehin voran ohne uns weiters zu achten (berechtigterweise), aber der Mensch als Kulturschaffende Spezies ist nicht erst seit Gestern auf einem absteigenden Ast – ich kann mich von Ihrer Einschätzung also beim besten Willen nicht getroffen fühlen…! Was nun die radikale Subjektivität meines Ästhetischen Empfindens oder Missempfindesn anbelangt- da haben Sie freilich recht- ich würde auch Nie etwas anderes behaupten!

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    3. Die hohe architektonische Qualität mag vielleicht nicht den heutigen Erfordernissen eines Spitals genügen. Diesen Bau als hässlich abzutun kann ich als eine persönliche Meinung akzeptieren, sie ist allerdings als Fachmeinung nicht ernst zu nehmen. Um die geht es schliesslich.

      Dass sich von Fachseite so wenige Gegenstimmen melden hat meiner Ansicht nach folgende Gründe: Einerseits will man keine bewahrende Haltung gegenüber der jüngeren Baugeschichte einnehmen, da man als Baudienstleister dann selber weniger neues bauen kann, sprich weniger Aufträge hat.
      Im weiteren ist da immer noch der (versteckte) Fortschrittsglaube am Werk, mit dem das nicht zu alte abqualifiziert, indem man es über die Sauberkeit entwertet: Das sieht gebraucht aus; wenn es neu wäre, dann sieht das alles wieder sauber aus!

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