Schlagabtausch in der Verteilzentrale

Keine Lust auf schnöseliges Tennis? Auf dem Lysbüchel-Areal gibts bald eine spassige Alternative.

So sieht Einsatz aus! Thomas Keller gibt alles. (Bild: Samuel Rink)

Wir kennen das Bild: Schmucke, braungebrannte Menschen in strahlend weisser Kleidung schlagen brüllend auf einen kleinen Ball ein, hin und her übers gespannte Netz. Kein Freizeitsportler ist so sauber aggressiv wie der Tennisspieler, Adonis in Turnschuhen, teuren Turnschuhen, denn wer Tennis spielt, hat Kohle.

Bildwechsel: Eine alte Industriehalle in Buenos Aires. Draussen lärmt die Grossstadt, drinnen verschwitzte Städter, die mit Kunststoffschlägern auf einen Ball schlagen, hin und her übers gespannte Netz. Es ist laut, Musik läuft, ein paar Mittzwanziger sitzen auf Stühlen und kommentieren biertrinkend die Spiele.

Wo würden Sie lieber sein?

Na wo wohl. Thomas Keller lacht. Er sitzt in einem Liegestuhl in der ehemaligen Lastwagenwerkstatt der Coop-Verteilzentrale und erzählt von Buenos Aires. Am Liegestuhl hängt ein Schildchen: «I Never Read». Vor zwei Monaten hat Keller noch die Buchmesse aufgebaut, jetzt sitzt er hier zwischen ihren Resten – hauptsächlich grosse Holzwände – in seinem neuen Projekt: in einer Padel-Halle für Basel.

Pad-was?

«Ja gell, hier kennt das niemand!» Thomas Keller holt zur Erklärung aus: Padel (oder Padel-Tennis) ist eine Mischung aus Tennis und Squash, ein Rückschlagspiel, das immer im Doppel gespielt wird. Man spielt es in einer Art Käfig, die Wände werden ins Spiel einbezogen.

Mehr als nur Sport

Der Hinterhof-Gründer (der jetzt unter anderem das hier macht) lernte das Spiel kennen, als er eine Weile in Buenos Aires wohnte – dort ist der Schlagabtausch mit den sperrigen Schlägern beinahe schon Nationalsport. Nach Fussball natürlich. Keller inspirierte die soziale Komponente der alten, lauten Hallen: Die Argentinier treiben dort nicht nur Sport, sie nutzen die Räumlichkeiten auch, um sich zu treffen, zusammen was zu trinken, sich auszutauschen.

Genau das will er nun nach Basel bringen. «Ich seh die Halle ein bisschen wie einen Töggelichaschte: ein Ort, an dem nicht der Sport im Mittelpunkt steht, sondern der Ort selbst, als Treffpunkt.» Sport als Nebensache – dasselbe gilt für das Draisinenrennen auf dem Dreispitz Ende September, an dem Keller auch beteiligt ist.

Im Moment läuft eine Versuchsphase, in der Keller und seine Mitstreiter jede Woche die Halle für Bekannte und Interessierte öffnen, zum Spielen und Zusammensein. Man kann ihn auch kurz anrufen und spontan anfragen. «Dann nehm ich mir Zeit und wir spielen eine Runde.»

Crowdfunding im Oktober

Die Halle auf dem Lysbüchel-Areal erhielt er über den Verein unterdessen, der Vertrag ist auf zweieinhalb Jahre ausgelegt. Bis Ende Jahr will Keller ein OK mit Interessierten gründen, am liebsten so viele wie möglich, damit man die Halle möglichst jeden Tag öffnen kann. Für Oktober ist ein Crowdfunding geplant – so eine Padel-Anlage ist teuer, und bisher steht da erst ein Netz.

Keller geht es beim Padel-Projekt um die Improvisation: Er will nicht von Anfang an ein Profifeld hinstellen, strikte Öffnungszeiten durchziehen und Mitgliederbeiträge einfordern. Erst einmal geht es darum, ein Bewusstsein für diesen Ort und seine mögliche Gemeinschaft zu schaffen. Später schaut man zusammen, was alles möglich ist.

Also alles so ziemlich das Gegenteil des üblichen Sportvereins. Und des üblichen Tennisspielens. Kellers Enthusiasmus steckt an. So soll in Zukunft Sport gemacht werden! Tausendmal toller als geleckte Plätze und protzige Fitnesszentren. Fertig Schnöselei, Padel für alle! So. Und jetzt wird gespielt:

Lust auf Padel gekriegt? Thomas Keller ist unter 076 526 90 03 erreichbar und freut sich über jede/n Interessierte/n.

Konversation

  1. „Wir kennen das Bild: Schmucke, braungebrannte Menschen in strahlend weisser Kleidung schlagen brüllend auf einen kleinen Ball ein…“ Mit Verlaub, wie kommen Sie auf so etwas? Waren Sie schon mal in einem Tennisclub zu Gast? Saugen Sie sich so etwas aus dem Finger? Ok, sollte wohl lustig sein. Im besten Fall ist es aber einfach nur absurd…

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    1. „.. Kein Freizeitsportler ist so sauber aggressiv wie der Tennisspieler, Adonis in Turnschuhen, teuren Turnschuhen, denn wer Tennis spielt, hat Kohle. ..“
      Ich denke, die oben gezeigten Asics sind teurer als so mancher Tennis-Schuh. Aber kombiniert mit verlodderten Kleidern und alter Lagerhalle kommen sie halt alternativ und hip rüber.

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    2. die Rechthaberei hier wird langsam grotesk.

      natürlich spielt die Autorin hier mit dem Klischeebild und natürlich spielen nicht nur Reiche Tennis.

      Gleichwohl gilt die strahlend weisse Tenniskluft sehr wohl noch als DIE tradtionielle Tennisausrüstung – nicht zuletzt das grösste Tennisturnier hält noch an dieser Tradition fest.

      Und zweitens: natürlich ist Tennis eher ein Sport für die Mittelklasse oder gar Upper-Class – das ist einerseits historisch so gewesen, andererseits auch heute noch eine Realität – es ist nun mal teurer, wenn man auf ein einigermassen gutes Spiel-Niveau kommen will, als das bei Teamsportarten der Fall ist.

      @Justin
      blödsinn. die sneaker kosten wohl so zwischen 80 bis 200 Franken. Für gute Tennisschuhe zahlen Sie ebenfalls 100.-, für die wirklich guten Modelle locker 180.- bis 250.-; dazu kommt, dass man neben Sandplatz-Schuhen auch Hartplatz-Schuhe benötigt und zudem im Allltag mit den vielleicht gleichen Asics herumläuft, wie der gescholtene Hipster.

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