Smileys auch fürs Partyvolk! Jetzt!

In der Gellertstrasse sollen Radaranlagen Autofahrer mit Smileys erziehen. Das ist zu klein gedacht. Smileys können unsere Rowdy-Gesellschaft als Ganzes retten.

Smileys wirken. Aber es gibt noch viel zu wenige.

(Bild: Nils Fisch)

In der Gellertstrasse sollen Radaranlagen Autofahrer mit Smileys erziehen. Das ist zu klein gedacht. Smileys können unsere Rowdy-Gesellschaft als Ganzes retten.

Was ist bloss in die Bürgerlichen gefahren? «Linke Kuscheljustiz!», rufen sie sonst bei jeder Gelegenheit, wenn es um Kriminelle geht. Die eiserne Hand des Gesetzes sollen die spüren, fordern sie. Kommt aber ihr Baby ins Spiel, das Auto, dann übt sich die gleiche Hand plötzlich in süsser Zärtlichkeit.

Die vielbeschworene «Gschpürschmi-Fühlschmi-Erziehung», die gibt es jetzt in der Gellertstrasse. Die gute alte Radaranlage mit Blitz und Busse hat dort ausgedient. Stattdessen schaut am Strassenrand ein Smiley traurig, wenn ein Autofahrer zu schnell an ihm vorbeirast. Das bringt selbst der kaltherzigste Bleifuss nicht übers Herz. Nicht wahr, Herr Bobadilla?

Bewusstseinsveränderung garantiert

Solche Smileys verziehen in den nächsten Monaten auch in anderen Quartieren ihr Gesicht, verspricht das Bau-und Verkehrsdepartement. So in der Reding-, Spital- und Hammerstrasse wie auch am Peters- und Claragraben.

Vater dieses Softie-Radars ist LDP-Grossrat Heiner Vischer. Der Bürgerliche hatte vor vier Jahren bei der Regierung eine Anfrage eingereicht und damit den Smileys den Weg geebnet. Gegenüber «20 Minuten» sagte er: «Das ist ein gutes Mittel, um das Geschwindigkeitsbewusstsein der Verkehrsteilnehmer zu stärken.»

Bewusstsein stärken also. So etwas hat damals schon Karl Marx gepredigt – obwohl der alles andere als ein Bürgerlicher war.

Partygänger erziehen

Aber hey, dass ein Lächeln Wunder bewirken kann, für diese Binsenweisheit braucht es eigentlich keine Bürgerlichen. Wohl aber, wenn es darum geht, das volle Potenzial dieser Wunderwaffe auszuschöpfen. Wer weiss, vielleicht erweicht ein Smiley noch ganz andere Gesetzesbrecher.

Lärmverursacher etwa. Man könnte zum Beispiel vor jedes Partylokal eine Smiley-Anlage stellen. Machen die Nachtschwärmer draussen zu viel Radau, zack!, hört das Smiley auf zu lächeln. So stärkt man deren Lärmbewusstsein! Den Türsteher können sich die Clubs ab sofort sparen.

Dasselbe würde auch im Club funktionieren. Das Amt für Umwelt und Energie weiss ja heute schon, wie man dort den Lärmpegel misst. Aber wer geht schon wegen einer abstrakten Zahl zum DJ und fordert ihn auf, etwas leiser zu drehen? Ist doch klar – da braucht es einen Smiley! Und schon kann der Bürger in der Nachbarschaft wieder in Ruhe weiterschlafen.

Velorowdys zähmen

Oh, und warum setzen wir die Smileys nicht auch gegen Velorowdys ein? Fährt jemand schneller auf dem Trottoir, als ein gut trainierter Jogger rennen kann (ca. 16 km/h), erntet er einen Lätsch. Wird ihm eine Lehre sein!

Doch da werden wir es mit den Bürgerlichen wieder schwieriger haben. Wie mit sogenannten «Velorowdys» umzugehen ist, sagte zum Beispiel CVP-Mann und Ex-Nationalrat Markus Lehmann gegenüber der BaZ einst klipp und klar: mit Bussen. Denn manche Leute könne man «eben nur übers Portemonnaie erziehen». Aber vielleicht denkt der sportliche Ex-Nationalrat heute anders. Oder spätestens, wenn ihm in einer Tempo-30-Zone ein Smiley entgegenschmollt – er auf dem Velo.

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«Auch das noch»: Die TagesWoche-Rubrik fürs Schöne, Schräge und Fiese. Immer mit einem 😉 zu verstehen.

Konversation

  1. Wir haben neuerdings so einen lustigen kleinen Roboter in Pinguinform in unserem Kühlschrank, der jedes Mal grüsst, wenn man die Tür aufmacht. Steht sie zu lange offen, fordert der Pinguin einen auf, sie zu schliessen und wird dabei immer energischer. Dabei habe ich mich schon einige Male dabei ertappt, wie ich seiner Aufforderung Folge leistete. Schon interessant, dass wir auch auf nichtmenschliches Gebaren reagieren.

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    1. @König: Das finde ich auch sehr interessant. Daniel Dennett hat viel dazu geforscht und kommt zum Schluss, dass unser Bewusstsein nicht zwischen Interaktion mit einem Lebewesen oder einer Maschine unterscheidet, wenn die Maschine nur „menschlich“ genug benimmt.
      Ein etwas brutales aber beeinduckendes Experiment war, dass die Probanden einen kleinen Roboter, von dem sie genau wussten, dass er weder Empfindung noch Leben besitzt, mit einem Hammer zerschlagen sollten. Der Roboter war aber so programmiert, dass er „Gefühle“ wie Angst zeigte und vor dem Hammer zu fliehen versuchte. Die meisten Probanden weigerten sich darauf hin, den Roboter zu zerschlagen.

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  2. @ auch Esther
    Aus der Babymedizin kennt man die verheerenden Folgen, wenn eine Mutter ihr Neugeborenes nicht anlächeln kann. Das Baby braucht das Lächeln wie die Brust, weint und schreit danach, um dann allmählich in eine auch letale Apathie zu verfallen, wenn keine emotionale Reaktion kommt.
    In den USA wurde ein entsprechendes Experiment gottseidank frühzeitig agebrochen.
    Deshalb ist eine Depression für eine Mutter mit Baby für das Kleine so verheerend, auch im späteren Leben.

    Ein ähnlich übles Experiment machte man mit Prüflingen, die einen Vortrag vor einem ausdruckslos dasitzenden Expertengremium halten sollten. Der Stress der Vortragenden stieg massiv noch während des Vortrages und war auch danach noch sehr erschöpfend.
    Lächeln (oder zumindest eine emotionale Reaktion) ist lebenswichtig.

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  3. «… so ein heivisch, der hat zähne …»
    tlingeling, schabab-baduu

    also uns buchstabengetreuen bleibt echt nix erspart

    ;-(

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    1. na, die sind ja erfrischend direkt
      «det här är °at helvete!»
      aber lieber @cesna:
      ich trällere doch vom hei visch …

      und ihren senf dazu geben die schweden tatsächlich den grüsigschten wo gibt (so sühüss …)
      rache muss sein – nur echt mit smiley.

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  4. Dass Lächeln funktioniert, wissen Frauen schon sehr lange!
    …und die Männer wurden als Kind damit erzogen.

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