Wie viel Hightech der FC Basel in seiner täglichen Arbeit nutzt

Die ganz grossen Clubs leisten sich inzwischen ganze Abteilungen, die sich mit der Verwissenschaftlichung des Fussballs beschäftigen. Und auch beim FC Basel ist einiges an digitaler Technik zusammengekommen, mit der in der täglichen Arbeit Daten gesammelt und ausgewertet werden.

12.01.2015; Marbella; Fussball Super League - Trainingslager FC Basel - Training; Assistenztrainer Nacho Torreno (Basel) erklaert Assistenztrainer Victor Sanchez (Basel) und Philipp Degen (Basel) die Leistungsdaten im Computer (Andy Mueller/freshfocus)

(Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Die ganz grossen Clubs leisten sich inzwischen ganze Abteilungen, die sich mit der Verwissenschaftlichung des Fussballs beschäftigen. Und auch beim FC Basel ist einiges an digitaler Technik zusammengekommen, mit der Daten gesammelt und ausgewertet werden. Auch die berühmten Büstenhalter von Paulo Sousa kommen weiter zum Einsatz.

Die detaillierte Spielanalyse der eigenen Mannschaft bezieht der FCB von «Prozone». Dieser Anbieter ist einer der grossen Player in diesem Markt und hat sich mit «Amisco» zusammengeschlossen. Aus dieser Quelle erhält auch die Swiss Football League SFL Datensammlungen, die sie wiederum den Clubs zur Verfügung stellt.

Die Daten-Revolution schreitet voran – ein Report zu Big Data im Spitzenfussball

Das sind Zusammenstellungen, in denen die Mannschaften erkennen, wo sie – was etwa Laufwege, Ballbesitz oder Zweikämpfe anbelangt – im Vergleich mit den neun anderen Teams stehen. Das sind meist anonymisierte Informationen, damit man der Konkurrenz nicht zu tief in die Karten blicken kann.

Bilder von jedem Spiel und Spieler weltweit

Geht es darum, einen internationalen Gegner zu studieren oder einen Spieler zu verpflichten, bedienen sich Chefscout Ruedi Zbinden und Sportdirektor Georg Heitz unter anderem bei «Wyscout», einem Dienst, der weltweit Spiele covert. Und bei dem sich der FCB zum Beispiel alle Kopfbälle von Daniel Hoegh in den letzten fünf Spielen für Odense zusammenstellen lassen kann.

Ein Schweizer Produkt aus Fribourg namens «Dartfisch» dient dazu, eigene Videoanalysen zu erstellen. Co-Trainer Markus Hoffmann nutzt das System, um Sequenzen der eigenen Mannschaft oder des Gegners zu editieren. Die Technik ermöglicht es etwa, einer Mannschaft schon in der Halbzeitpause anhand von zwei, drei Szenen aufzuzeigen, wo sich in der ersten Halbzeit Probleme aufgetan haben.

Sousas Hinterlassenschaft: Der Büstenhalter

02.07.2015; Rottach-Egern; Fussball Super League - Trainingslager FC Basel; Zdravko Kuzmanovic (Basel) (Andy Mueller/freshfocus)

Die Sousa-Technik wird weiter genutzt: Zdravko Kuzmanovic montiert den Messgurt, daneben Assistenztrainer Marco Walker. (Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Die neueste und von Paulo Sousa eingeführte Technik zur Steuerung der Belastung der Spieler ist das Tracking-System «GPSports». In einem Brustgurt, der einem Büstenhalter ähnelt, ist Hightech untergebracht, und ein Sender im Nacken übermittelt in Echtzeit bis ins kleinste Detail alle Bewegungen des Spielers sowie Herz-Kreislauf-Frequenzen. Rund 50’000 Euro kostet das System des US-Herstellers.

Nach dem Abgang von Sousa und seinem portugiesisch-spanischen Trainerstaff nutzt der FCB das System weiterhin, musste sich dafür aber Know-how für die Bedienung organisieren. Deshalb ergänzt Michael Müller nun den Kreis der Assistenten von Cheftrainer Urs Fischer neben Marco Walker (Kondition) und Markus Hoffmann. Müller, der als Sportwissenschaftler in der Crossklinik gearbeitet hat, ist neu für die Leistungsdaten und deren Auswertung zuständig.

Der vernetzte Nachwuchs-Campus

Schliesslich gibt es auf dem Nachwuchs-Campus ein festinstalliertes GPS-System der Firma «Inmotio», einem österreichisch-niederländischen Joint Venture. Beim Bau des Campus, der durch eine Stiftung von FCB-Ehrenpräsidentin Gigi Oeri ermöglicht wurde und seit 2013 in Betrieb ist, wurde auch an dieser Stelle nicht gespart.



Drohnen-Aufnahme bei der feierlichen Eroeffnung des neuen Nachwuchs-Campus FC Basel auf dem Areal St. Jakob, aufgenommen am Samstag, 17. August 2013 in Basel. (KEYSTONE/Patrick Straub)

Der Campus in der Brüglinger Ebene mit seinen fünf Spielfeldern, die zum Teil mit einem GPS-System zur Datenerhebung ausgestattet sind. (Bild: Keystone/PATRICK STRAUB)

Das ist jede Menge Spitzentechnologie für einen Fussballverein, mit dem die Profis immer mehr zu gläsernen Spielern werden. «Aber am Ende des Tages» sagt Georg Heitz, «wird es immer den Spieler geben, der mit drei Ballberührungen zwei Tore macht und den man eigentlich laut seiner Daten gar nicht hätte aufstellen dürfen.»

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» Die Revolution der Daten schreitet voran – ein Report, wie Big Data den Fussball beeinflusst.

» Ein Beispiel, wie «Inmotio» die Analyse unterstützt:

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