Wohin das Fett geht, wenn wir abnehmen

Heute beginnt die Fastenzeit. Einige werden die Gelegenheit nutzen, um sich wiedermal ihrem Hüftspeck zu widmen. Weg soll das Fett, das ist klar. Doch wohin geht es? Das wusste bislang kaum jemand.

Anne Woollard from Bury St Edmonds in Suffolk, Britain, puts her two legs into one leg of her old trousers, in a central London park, after being named as 'Miss Slinky 2005' by Slimming World magazines on Wednesday, 19 January 2005. Anne, aged 49, lost 8 stone in just 18 months. (KEYSTONE/EPA/John Stillwell/PA) UK AND IRELAND OUT (Bild: JOHN STILLWELL/PA)

Heute beginnt die Fastenzeit. Einige werden die Gelegenheit nutzen, um sich wiedermal ihrem Hüftspeck zu widmen. Weg soll das Fett, das ist klar. Doch wohin geht es? Das wusste bislang kaum jemand.

Die Fastenzeit steht vor der Türe und der eine oder die andere hat sich mit Sicherheit den Plan, die Gelegenheit zum Abnehmen zu nutzen. Aber mal angenommen, das Abspecken gelingt auch wie erhofft – wohin verschwindet eigentlich das Fett dabei? Jedenfalls weder in Wärmeproduktion noch in Energie, wie man landläufig annimmt. Wohin aber dann?

Das fragte sich auch Ruben Meerman, ein australischer Physiker. Als er 2013 erfolgreich 15 Kilo abgespeckt hatte, grübelte er darüber nach, wohin das Fett eigentlich verschwunden war. Eine Befragung unter 150 Ärzten, Personal-Trainern und Diätberatern brachte ihn nicht weiter, sondern zeigte nur auf, welch grundsätzliche Ahnungslosigkeit dort offenbar herrschte.

Alles Quatsch, wie sich herausstellte.

Mehr als die Hälfte antwortete, das Fett werde in Wärme oder Energie umgesetzt. «Das widerspricht aber dem Gesetz der Massenerhaltung», sagt Meerman, mit dem wir uns alle irgendwann einmal im Physikunterricht beschäftigt haben. «Ich glaube der Irrglaube kommt von dem ständig nachgebeteten Satz, den man ums beim Abnehmen vorsagt: Energie, die rein geht, muss auch wieder raus.» Soll heissen, was wir essen, müssen wir uns durch Training wieder von den Hüften holen. Andere Antworten der Fachleute waren, das Fett werde in Muskeln umgewandelt oder über Exkremente ausgeschieden. 

Alles Quatsch, wie sich herausstellte, als Meerman endlich auf den richtigen Forschungspartner traf: Andrew Brown, als Professor an der australischen University of New South Wales (UNSW) betraut mit der biochemischen Forschung an Lipiden, gemeinhin Fette genannt.

Brown räumt ein, dass auch er trotz seines Fachgebiets erst einmal keine Ahnung hatte, wohin Meermans Kilos entschwunden sein könnten. «Ich stürzte mich in eine Art Crashkurs zu diesem Teil der Biochemie. Dabei bin ich über ein erstaunliches Ergebnis gestolpert», so Brown. Offenbar hatte sich vor den beiden noch niemand Gedanken darüber gemacht, denn immerhin brachte ihnen das Ganze glatt eine wissenschaftliche Veröffentlichung ein.

Die Lösung des Rätsels

Die auch für Brown reichlich unerwartete Lösung des Rätsels: Das Fett löst sich buchstäblich in Luft auf. Um zehn Kilo Bierbauch oder Hüftgold loszuwerden, braucht es 29 Kilo Sauerstoff, die mit der Atemluft eingeatmet werden müssen und im Körper dann über Stoffwechselprozesse aus dem Fett Wasser und vor allem Kohlendioxid machen.

10 Kilo Fett, die dank mühsamem Fitnesstraining und konsequent eingehaltener Diät von den Hüften geschmolzen werden, werden zum Grossteil (8,4 Kilo) einfach über die Lungen als Kohlendioxid ausgeatmet. Die restlichen 1,6 Kilo werden zu Wasser, das über die üblichen Wege etwa als Schweiss oder Urin ausgeschieden wird.

Leider nützt es nichts, jetzt einfach auf dem Sofa liegen zu bleiben und um des Abnehmens willen mehr zu atmen. Mehr atmen, als der Stoffwechsel gerade benötigt, bringt einen höchstens  zum Hyperventilieren. Das führt allenfalls zu Ohnmacht – Kilos purzeln dabei keine. Dafür braucht es doch die Klassiker Bewegung und Ernährung auf Sparflamme.

Konversation

  1. Dieser Artikel zeigt vor allem eines: Frau Ascheraden hat die Originalarbeit weder gelesen noch verstanden. Selbstverständlich wird das Fett verbrannt und dabei wird Energie frei – das ist ja Sinn und Zweck der Fettdepots. Die Autoren untersuchen lediglich, wohin die Verbrennungsprodukte entschwinden. Dass diese aus CO2 und Wasser bestehen ist natürlich auch keine Neuigkeit, die Autoren schauen sich die Sache aber quantitativ an. Im übrigen erheben die Autoren auch gar nicht Anspruch, auf eine bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnis gestossen zu sein, sondern die Arbeit soll in zusammengefasster Form einige überraschend weit verbreitete Missverständnisse beheben – was offensichtlich im Fall Ascheraden leider fehglgeschlagen ist.

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  2. Stimmt schon. Klar ist das Verbrennung. Im Grunde ist die Studie in der Tageswoche aufgegriffen, weil sie schön vorrechnet was aus den 10kg abgespecktem Fett wird. Aber ich muss zugeben: Der Artikel wurde Ende Jahr geschrieben und erst jetzt (passend zur Fastenzeit eben) veröffentlicht. Unterdessen haben offenbar auch die Studienautoren von kritischen Fachkollegen ihr «Fett weg gekriegt», wie ich ja hier von den Kommentarschreibern:
    http://www.bmj.com/content/349/bmj.g7257/rapid-responses

    Es ging nicht darum, Vorgänge im Detail zu erklären. Das überlasse ich wohlweislich besser den Fachleuten. Der Artikel soll nur eines, nämlich das was auch die Autoren der Studie ja selber sagen: Feststellen, dass sich da ein paar Dinge über metabolische Prozesse als Allgemeinwissen kursieren, die nicht so sind. Für alles Tiefergehende befindet sich der Link zur Studie ja im Text.

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  3. Die debilen Bildchen von der Hose, wo mindestens drei von den Typen reinpassen, von der Sorte der sie gerade trägt, dürften so falsch wie dumm sein.
    Derartiges Abnehmen ist garantiert ungesund und findet ausser im Endstation eines Karzinoms wohl auch nirgends statt.

    Aus rund wird nicht mager,sondern weniger rundlich!

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  4. 30 kg Fett zu verbrennen ist wohl soviel wert wie mit dem Auto von Konstanz nach Genf zu fahren (aber nicht zurück).
    Das passiert jeden Tag.

    Abnehmen braucht aber keine Autobahnvignette.

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  5. wirklich erstaunlich wie wenig die Frau Alexandra von Ascheraden von chemischen prozessen und physik versteht. ganz klar wird das fett verbrannt und in wärme/ bewegungsenergie umgewandelt.
    für was würde unser körper denn sonst fett speichern?

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  6. Wenn sich das Fett tatsächlich in Energie umwandeln würde, wär der Mensch ein Atomreaktor mit Fusionseigenschaften.
    …und würde strahlen wie eine Strassenlaterne!

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  7. gibt doch diese spässchen, wo man die beine den nano-piranjas zum frasse der toten hautzellen ins wasser hält.
    wie wär’s, wenn man die lästigen fettwalzen diesen ewigen kleinen hungerleidern der sahelzone direkt zum abknabbern hinhält? feed the planet, verschtohsch …

    dann erübrigen sich vielleicht ja auch diese prälogischen betrachtungen darüber, wohin sich die masse orientiert.
    e=mc2

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  8. „von“

    Frau von Ascheraden, einen Lesetipp für Sie: „Bad Science“ von Ben Goldacre. Darin geht es fast ausschliesslich um „Wissenschafts“-Journalist(in)en wie Sie.

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