Zehn Schritte zu weniger Abfall – und wo man sie (bald) anwenden kann

In Basel eröffnen demnächst gleich zwei Lebensmittelläden, die sich dem abfallbefreiten Konsum verschrieben haben. Bereits kleine Änderungen im Verbrauch können eine grosse Wirkung erzielen.

Der Abfallberg muss nicht wachsen: Viele Verpackungen sind unnötig, andere könnten mehrfach verwendet werden.

In Basel eröffnen demnächst gleich zwei Lebensmittelläden, die sich dem abfallbefreiten Konsum verschrieben haben. Bereits kleine Änderungen im Verbrauch können eine grosse Wirkung erzielen.

Es muss ja nicht gleich der totale Verzicht sein, doch bereits eine kleine Umstellung kann viel bewirken: Seit dem 1. November 2016 erhebt die Migros eine Gebühr von 5 Rappen auf die Raschelsäckchen an der Kasse. Der Bezug dieser Tüten ist seither bei den Filialen schweizweit um 80 Prozent zurückgegangen, wie ein Mediensprecher des Unternehmens auf Anfrage kommuniziert. In Worten: um achtzig Prozent. Kleiner Hebel, grosse Wirkung.

Klar, zwischen dem Verzicht auf das Raschelsäckchen an der Migros-Kasse bis zum Zero-Waste-Lebensstil von Carol Schante (zum Porträt) liegen Welten. Wir haben Schante dennoch um einige Tipps gebeten, wie der ökologische Fussabdruck durch Abfallvermeidung im Alltag effektiv zu verringern sei:

Einfach

  • Das Haus nie ohne Transportbeutel verlassen. Schante benutzt einen Nylonbeutel, der sich faustgross zusammenknüllen lässt, auch Jutebeutel sind leicht und faltbar.
  • Beim Einkaufen im Supermarkt überlegen: Muss es wirklich das abgepackte Gemüse sein? Waschen wird man die Produkte zu Hause ohnehin.
  • An Take-away-Stationen eigene Behälter bereithalten (Tupperware, Thermobecher).
  • Zum Putzen alte Stoffe statt Haushaltspapier und Servietten verwenden. Die T-Shirts passen nicht mehr? Den Fliesen stehen sie immer noch gut genug.
  • Praktische Teile behalten und kreativ neu interpretieren. Schantes Deo ist ein alter Salzstreuer, den sie mit Biocarbonat füllt.

Fortgeschritten (Zum Teil den Empfehlungen von Zero Waste Schweiz entnommen.)

  • Die Synergien von Pflegeprodukten nutzen. Shampoo und Duschgel können ein und dasselbe sein, zum Beispiel Alepposeifen.
  • Frauen können Tampons und Hygienebinden durch Menstruationstassen ersetzen. Die sind mehrfach benutzbar und damit erst noch günstiger.
  • Rasieren: Wegwerfklingen ade. Messer, Pinsel, Seife, Stil.
  • Aktivitäten statt Dinge schenken.
  • Und beim Sex? Kondome bleiben alternativlos, sorry. Der biologisch abbaubare Gummi muss noch erfunden werden. Im Gegensatz zum veganen.

In Basel stehen aktuell gleich zwei Projekte in den Startblöcken, die ihre Ware ohne Verpackung anbieten wollen: «Basel Unverpackt» und die «Abfüllerei». Beide rühren sie online die Werbetrommel und vertrauen dabei auf Sympathien aus der Bevölkerung. Die Abfüllerei hat bereits 31’300 der angepeilten 38’000 Franken per Crowdfunding gesammelt (Stand 11. Januar). Dafür konnte Basel Unverpackt zum Jahresbeginn seinen Standort bekanntgeben: Es wird am Erasmusplatz einziehen, dort, wo früher der Demenzladen einquartiert war.




In den leeren Schaufenstern am Erasmusplatz sollen bald die Waren von Basel Unverpackt präsentiert werden. (Bild: Daniel Faulhaber)

Die Konzepte von Basel Unverpackt und der Abfüllerei sind ähnlich. Beide wollen vorrangig regionale Bioprodukte (aber nicht nur) zu fairen Preisen anbieten. Dass diese Preise leicht über denjenigen der Grossverteiler liegen werden, geben die Macher ohne Umschweife zu. Sämtliche Waren sollen bei hohen hygienischen Standards im Offenverkauf angeboten werden. Ob die Kunden Säcke und Gläser ausleihen werden können, wird noch diskutiert. Lieferanten und Produzenten sollen so gut als möglich in einen verpackungsarmen Zyklus eingebunden werden.

Verträgt Basel gleich zwei Läden mit demselben Konzept? Ein Artikel in der «bz Basel» lässt durchschimmern, dass sich die Macher die Stadt «aufteilen» wollen, was für die Abfüllerei einen künftigen Standort im Grossbasel vermuten lässt.

Doch halt: Gibt es mit dem «Lokal» nicht bereits ein Geschäft, das Lebensmittel weitgehend verpackungsfrei verkauft? Doch, der urbane Hofladen unweit des Erasmusplatz‘ bietet seit einem halben Jahr regionale, zum Teil offene Lebensmittel an. Die Besitzerin Esther Lori und das Team von Unverpackt stehen in Kontakt, eine Zusammenarbeit ist denkbar.




Esther Lori in ihrem «Lokal» an der Feldbergstrasse 6. (Bild: Daniel Faulhaber)




Der kleine Laden setzt bereits heute auf regionale Produkte, teils im Offenverkauf. (Bild: Daniel Faulhaber)


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Die Gruppe Zero Waste Basel trifft sich regelmässig in der Martkhalle und ist offen für alle. Das nächste Treffen findet am 26. Januar um 19:00 Uhr statt. Details gibts hier.

Die Abfüllerei hat es schon hinter sich, aber auch Basel Unverpackt wird bald ein Crowdfunding lancieren. Mehr informationen werden hier verkündet.

Konversation

  1. @B Esser Wysser: Die schlimmste Haltung in unserem Land ist die ewige Stänkerei und Nörgelei und das Kleinreden alles Positiven und Fortschrittlichen. Einen Schritt in die richtige Richtung wie im erwähnten Artikel erwähnt als „Symptombehandlung“ Schlechtzureden ist ein integraler und fester Teil des Problems überhaupt. Da hilft nun aller Konsum- und Werbeverzicht nichts, wen scheinbar aufgeklärte Zeitgenossen wie Sie nichts besseres Wissen, als solchen Unsinn und Negativismus von sich zu geben. Normalerweise erwarte ich so etwas aus dem Hause SVP.

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    1. @Marcel Pfister: Wie ich Ihren Zeilen entnehme, haben insbesondere Sie nicht viel von der Problematik resp. dem Ausmass dieser Problematik verstanden. Aber es ist schön, dass wir uns darüber austauschen konnten. Gerne erinnere ich das japanische Sprichwort: Der Finger, der auf den Mond zeigt, ist nicht der Mond. Was ich damit sagen will, überlasse ich Ihrer eigenen Phantasie.

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  2. Anfangen ist aber schon mal grundsätzlich immer gut… Neues Verhalten muss schliesslich eingeübt werden, am besten mit einem Lächeln und einer fröhlichen Leichtigkeit…

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  3. Allen guten Vorsätzen zum Trotz, bleibt das Ganze weitestgehend eine Symptombehandlung. Der vorangehende quasi nullte Schritt heisst Verzicht oder konkret: generell weniger Konsum (begleitet von weniger oder noch lieber gar keiner Werbung). Das hätte, wenn flächendeckend und konsequent umgesetzt, weitreichende Folgen. Aber so ist die Aktion ein weiteres Pflästerli für einen kranken Planeten, der dadurch leider nicht gesund wird.

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  4. Früher als ich meine Zmittag-Wähe beim Bäcker um die Ecke holte, wurde die Wähe fachfrauisch im Karton eingepackt, bis ich irgendwann auf die Idee kam, um einen Teller zu bitten, den ich sofort bekam. Seither sieht man mich mit dem Teller, auf dem sich eine Wähe befindet, zurück in die Praxis laufen und höre erst noch von allen Leuten ein herzliches „ön guete“!

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  5. Und wozu das Ganze? Stofftaschen müssen je nach Produkt 30-130Mal verwendet werden, bis sie eine bessere Ökobilanz als Plastiktaschen aufweisen – 90% gehen wohl vorher verloren resp. in den Abfall (http://m.spiegel.de/politik/deutschland/a-935161.html). Abfall im Sinne von Plastikabfall ist im Schweizer recycling/Verbrennungssystem kein „major problem“.
    Natürlich kann man fürs Duschen, Haare- und Händewaschen das Selbe verwenden. Mann muss es dann einfach häufiger kaufen (und das Resultat wird vermutlich auch wesentlich schlechter sein). Das Erdöläquivalent der eingesparten Plastikflasche alle 2Monate dürfte dürfte circa einem Steak entsprechen (das zudem aber Unmengen an Wasser zur Produktion braucht, von den CO2 und Methanemissionen ganz zu. schweigen). Es gibt wesentlich effizientere Wege etwas für die Umwelt zu tun als sich mit Bicarbonat aus dem Salzstreuer (!) zu deodorieren und die Haare mit Olivenseife zu waschen. Das ist mehr Ideologie und Ersatzreligion als Ökologie.

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    1. Das Kondome beim Sex zur Verhüng alternativlos seien, stimmt auch nur für Menschen mit wechselnden Sexualpartnern. Aber klar, Sex peppt auch den fadesten Artikel etwas auf.

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  6. Ob das Abwaschen der Retourgläser am Ende hygienischer und umweltschonender ist, könnte auch bezweifelt werden.
    Bei Einwegverpackungen garantiert der Hersteller auch die Unversehrtheit des Inhalts.

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    1. Wie man dann den Kundinnen abgewöhnt, sämtliche Früchte erstmal durch zu drücken, bevor man die zwei schönsten kauft, würde mich schon noch interessieren.

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