Zwei Jahre «Schwarze Erle»: Basels letztes besetztes Haus lässt sich feiern

Das ehemalige Bordell an der Schwarzwaldallee 269 wurde im Januar 2015 besetzt. Auch nach zwei Jahren wird es als Wohnraum und Ort für kulturelle Veranstaltungen geduldet. Das Kollektiv «Schwarze Erle» lädt nun zu einem zweitägigen Fest ein – unter anderem mit der Gruppe «Les Reines Prochaines».

Von der Eigentümerin wird das Projekt «Schwarze Erle» offenbar geduldet. Auch bei der Polizei sind abgesehen von Littering- und Lärmklagen keine Zwischenfälle im Zusammenhang mit dem seit zwei Jahren besetzten ehemaligen Freudenhaus bekannt.

(Bild: Michel Schultheiss)

Das ehemalige Bordell an der Schwarzwaldallee 269 wurde im Januar 2015 besetzt. Auch nach zwei Jahren wird es als Wohnraum und Ort für kulturelle Veranstaltungen geduldet. Das Kollektiv «Schwarze Erle» lädt nun zu einem zweitägigen Fest ein – unter anderem mit der Gruppe «Les Reines Prochaines».

Das rosarote Eckhaus fällt im Stadtbild auf. Der einst hellblaue Eingangsbereich im Parterre des einstigen Bordells hat sich aber gewandelt – pünktlich zum Fest wurde dort die Fassade frisch gestrichen. Der Grund zur Feier ist klar: Vor ziemlich genau zwei Jahren wurde die Liegenschaft an der Ecke Schwarzwaldallee-Erlenstrasse besetzt. Unter dem Namen «Schwarze Erle» wird das Haus seit Januar 2015 sowohl als Wohnraum wie auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Die Eigentümerin des besetzten Gebäudes ist die aufgrund einer dubiosen Vorgeschichte bekannt gewordene Fortius Asset Management AG aus Weiningen ZH. Nach der Nutzung als Rotlicht-Etablissement blieb deren Liegenschaft monatelang leer – bis eben das Kollektiv «Schwarze Erle» einzog. Peter Rösler, Anwalt der Liegenschaftsbesitzer, hat damals laut Angaben eines Besetzers mündlich einer Zwischennutzung bis im Sommer 2015 zugestimmt.

Geduldetes Projekt

Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und das Haus an der Schwarzwaldallee 269 ist aus dem Fokus der Medien verschwunden. Dies deutet auf eine Erfolgsgeschichte für die neuen Bewohner hin: Offenbar wird die «Schwarze Erle» noch immer von der Eigentümerin geduldet. Wie es dazu kam und was hier vereinbart wurde, ist nicht bekannt: Sowohl Besitzer wie auch Besetzer hüllen sich in Schweigen.

Peter Rösler will auf Anfrage der TagesWoche dazu keine Stellung nehmen. Auch die Bewohner möchten zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Auskunft über ihre Wohnsituation geben. Nach mehrmaligen Anfragen machen sie klar, dass sie momentan von einem Gespräch mit der TagesWoche absehen, behalten sich aber vor, eventuell nach dem «Zweijahresfest» vom Wochenende darüber zu sprechen.

Jedenfalls kamen nach dem monatelangen Leerstand vor der Besetzung einige Aktivitäten in das geräumige Haus: So fanden etwa ein Antifa-Festival, Hip-Hop- und Metal-Konzerte oder Info-Veranstaltungen zur kurdisch-syrischen Föderation Rojava dort statt.

Dabei kam es auch schon zu Reklamationen aus der Nachbarschaft: Laut Angaben von Andreas Knuchel, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD), gingen 2016 bei der Kantonspolizei rund 15 Meldungen über Lärmbelästigungen ein – etwa gleich viele wie im Vorjahr. Hinzu kamen noch einige Beschwerden wegen Littering. Ansonsten sind jedoch beim JSD keine Zwischenfälle im Zusammenhang mit der besetzten Liegenschaft bekannt. Wie Knuchel bestätigt, steht die Kantonspolizei aber in Kontakt mit den Eigentümern.

«Leben ins triste Quartier»

In einer Selbstbeschreibung auf seinem Blog hält das Kollektiv «Schwarze Erle» seine Idee für das Eckhaus fest: «Gut gelegen zwischen Badischem Bahnhof und dem neu aufgewerteten NT-Areal, welches einst Freiräume für verschiedenste Menschen bot, bringt es etwas Leben ins sonst eher triste Quartier.» Dabei sehen die Bewohner die «Schwarze Erle» auch als Signal im Kontext von Wohnungsnot und Stadtaufwertung. In ihren Augen ist «jedes Projekt gegen überteuerte Mieten» in diesem Zusammenhang wichtig.

Dass dieses Vorhaben auch nach zwei Jahren im zurzeit wohl einzigen besetzten Gebäude Basels noch Bestand hat, wird gefeiert. Wie dem Programm auf dem Blog zu entnehmen ist, soll am Freitag und Samstag eine Party mit Live-Konzerten, DJ und Infoständen steigen. Mit dabei sind auch bekannte Namen wie die Performance-Band «Les Reines Prochaines». Ebenfalls mit dabei sind unter anderem das finnisch-venezolanische Electro-Duo Lester & Niki sowie die Bands Zaperlipopette! aus Basel und Mongolians Revival Band aus Karlsruhe.


«2 Jahre Schwarze Erle», Freitag/Samstag, 6./7. Januar 2017, Schwarzwaldallee 269, Basel

Konversation

  1. Die Hausbesetzer belästigen die Nachbarschaft, die Sprayereien sind auf die Nachbarshäuser übergangen und haben sie abgewertet.

    „bringt es etwas Leben ins sonst eher triste Quartier“

    Es sind diese Hausbesetzer, die die ganze Tristesse in Quartier bringen mit ihrem vergammelten Haus und ihrer Messie-Lebensweise. Kein Sinn für Ästhetik, kein Hirn für Rücksicht.

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  2. Geduldet klingt richtig nett und grosszügig. Wirklich geduldet wird aus meiner Sicht aber leider der Kapitalismus und all seine legitimen kranken Auswüchse.

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    1. Jetzt, wo du’s sagst: Stimmt! Lass uns die Wirtschaftsfreiheit oder am besten gleich alle Freiheitsrechte abschaffen. Dann müssen wir dieses Elend nicht mehr erdulden.

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  3. Ich freue mich immer über Hausbesetzungen. Sie sind für mich ein Zeichen der Hoffnung. Sie sind eine Blume im Betonmeer des Kapitalismus. Und wenn die Eigentümer auch noch einverstanden sind, ist es umso schöner. Es ist Friede und Freude. Das macht mir jetzt echt Hofffnung. So sehr gar, dass ich Herrn Westdijk nicht mehr brauche. Hausbesetzer sind gute Menschen. Sie teilen und gehen containern. Oft sind sie auch Veganer. Und manchmal machen sie unsere graue Welt etwas farbiger mit gesprayten Kunstwerken. Ich liebe Hausbesetzer.

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    1. @Dachshaar… Sarkasmus nicht gecheckt – wenn auch kein Guter. Und Behauptung ohne Grundlage aufgestellt.

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  4. Herzliche Gratulation zum 2. Geburtstag! Alles Gute für weitere Jahre, viel Glück und eine sonnige Zukunft.

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