Der Herr der Untoten lädt zum Zombie Walk durch Basel

Der Filmemacher und Schauspieler Michael Kempf ist Mitorganisator des «Zombie Walk Basel». Zusammen mit seinem Team steckt er auch hinter den witzigen Videos zum Anlass, die stets in Basel spielen. Bei ihm dreht sich generell viel ums bewegte Bild: Er unterstützt junge Filmschaffende – und spielt gerne den Bösewicht.

Sofern er nicht von diesem Zombie hier vernascht wurde, wird Michael Kempf am Freitag den Nachtspaziergang der Untoten mitorganisieren. Dank helfenden Spezialisten in Schutzanzügen stehen die Chancen jedoch gut, dass er die Attacke überlebt hat.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Der Filmemacher und Schauspieler Michael Kempf ist Mitorganisator des «Zombie Walk Basel». Zusammen mit seinem Team steckt er auch hinter den witzigen Videos zum Anlass, die stets in Basel spielen. Bei ihm dreht sich generell viel ums bewegte Bild: Er unterstützt junge Filmschaffende – und spielt gerne den Bösewicht.

Die Innenstadt wird in einer Zombie-Apokalypse versinken. Diesen Freitagabend. Geschäftsmänner, Nonnen oder auch Velokuriere werden nur noch röchelnd durch die Gassen wanken. Aber nicht erschrecken: Wir sind hier nicht im Kino. Diese Zombies beissen nicht. 

Passanten auch nur anzufassen ist beim «Zombie Walk» ein absolutes No-Go. Alles steht und fällt mit dem Rollenspiel in den Strassen.

Der Mann, der die bluttriefende Horde über Basel herfallen lässt, heisst Michael Kempf. 2010 organisierte der 28-Jährige den ersten Umzug. Und der kam in Basel gut an: «Sogar die Polizei und BVB-Tramchauffeure hatten Freude daran», erinnert sich Kempf.

Osterhase, A-Team und Tarantino – Kempf zombifiziert alles.


Der erste Anlass dieser Art fand in der Schweiz in La Chaux-de-Fonds statt. Mittlerweile hat der Virus auch Olten, Bern, Zürich und St. Gallen befallen. Der «Zombie Walk Basel» findet bereits zum siebten Mal in Folge statt.

Die Basler Untoten sind auch unter dem Jahr immer wieder beschäftigt. Die Organisatoren produzieren nämlich immer wieder amüsante Videos. Ob Weihnachten oder Ostern, eine Vorschau für den «Walk» oder berühmte Filmszenen von Alfred Hitchcock und Quentin Tarantino, die «zombifiziert» werden – all das geht eher in Richtung Parodie und Gruselkomödie als Horror.

Für solche Sachen hat Kempf ein eingespieltes Team um sich. Der Mann mit der Melone ist das Gesicht der Veranstaltung, im Hintergrund zieht der freischaffende Kameramann und Filmtechniker Marco von Allmen (27) die Strippen. Der Dritte im Bunde ist Marc Roudin (34), der als Wrestler bekannt ist und in den Clips gerne mal in die Rolle des tollpatschigen, aber einzigen gutmütigen Zombies namens Sammy schlüpft.

Der jüngste Film-Streich der Organisatoren: Eine weihnachtliche Parodie der 1980er-Serie «A-Team», in der unter anderem der «Santiglaus» und Jesus höchstpersönlich als Zombiejäger auftauchen.

Kempfs schräge Truppe wirkte dieses Jahr erstmals auch an der «Fantasy Basel» mit. Sie schickte die Untoten an der Leine von Schutzleuten durch die Messehallen – und sorgte damit unter den Cosplay-Fans für Stimmung. Und mieten lassen sich die Zombies manchmal auch. So begleiteten sie etwa an der Basler Uninacht den Vortrag einer Zombie-Forscherin.

Ein Totentanz reloaded

Kempf und sein Team profitieren dabei vom Hype der Untoten: Serien wie «The Walking Dead», deren siebte Staffel angebrochen ist, aber auch zahlreiche Filme und Videogames stellen Zombies in den Mittelpunkt. Inzwischen gibt es gar schon Überlebenshilfen bei einer allfälligen Invasion der Untoten. Kurz: Die Figur, die ursprünglich aus dem haitianischen Voodoo-Kult stammt, ist längst in der Popkultur angekommen.

Aber was macht den Reiz der Zombies aus? «Es ist die Mischung aus Horrorgestalt und Naturgewalt», sagt Kempf. Das sehe man etwa bei den Survival-Sets: «Manche sehnen sich wohl fast ein wenig solch ein Szenario herbei – alle Menschen werden darin gleich, egal ob Banker, Filmemacher oder Strassenkehrer.» Eine Art moderner Totentanz sozusagen.

Zudem wolle der Zombie den Menschen nicht bewusst zuleide leben. «Er ist eher eine Art Virus, der über die Gesellschaft herfällt. Auch ein bis auf die Zähne Bewaffneter vermag ihn nicht abzuschrecken», erklärt Kempf. Das unterscheide ihn von Vampiren oder den Horror-Clowns, die zurzeit Schlagzeilen machen. Die «Zombie-Walk-Macher» haben übrigens auch das vorweggenommen: Zusammen mit Marc Roudin führte er schon zweimal als Clown-Zombie die untote Meute an.

Die Köpfe hinter mehreren lokalen YouTube-Hits

Kempf liebt die Kamera. Schon als 12-Jähriger entriss er seinem Vater die Kamera und begann seine ersten kleinen Drehbücher zu schreiben. Später arbeitete er auch als Moderator beim Jugendmagazin «Mash TV» von «TeleBasel» sowie bei der «Medien- und TheaterFalle».

Zusammen mit anderen Basler Filmemachern gründete er 2011 den Verein Artless Films, der junge Filmschaffende unterstützen will. Der Verein organisiert etwa das «Movie Camp Basel». In diesem Filmworkshop bringen sie Kindern und Jugendliche das Handwerk von der Kameraführung bis zum Drehbuch bei, sodass am Ende jeder einen eigenen Kurzfilm produzieren kann.

Artless Films steckt auch hinter dem Video zum lokalpatriotischen YouTube-Hit «Unser Paradies» des Rappers Fabe und Jules Kaluza. Letztes Jahr gründete Kempf zusammen mit Marco von Allmen die Firma alkemfilms. Dort erledigen sie professionelle Auftragsarbeiten für Werbeclips und Musikvideos.

Nur von Kurzfilmen, Clips und Theater allein lebt es sich aber dennoch nicht – geschweige denn von den Zombies. Sie sind hauptsächlich ein Hobby. Zur Kamera greifen kann Kempf immer wieder an seiner Teilzeitstelle als Online-Multimedia-Designer bei einem Elektronikhändler. 

Nicht selten steht er auch vor der Kamera. Und auf der Bühne. Dabei schlüpft Kempf am liebsten in die Rolle des Schurken, wie etwa in einem Satire-Video zum Thema Rassismus (das sich dann als etwas anderes entpuppt).

Beim Freiluft-Theaterstück «Songlines» wirkte Kempf kürzlich im ersten von vier Teilen der Produktion «Elysium» mit. Er verkörperte dort keinen Geringeren als den biblischen Kain, der soeben seinen Bruder Abel getötet hat.

Kain, Blofeld und Feuerteufel – Kempf liebt die Schurkenrolle.


Aber auch die ganz grossen Rollen durfte er schon übernehmen: In einem Kurzfilm schlüpfte Kempf in die Rolle des Erzbösewichts Blofeld aus den James-Bond-Streifen. Weniger berühmt, aber nicht weniger böse war die Rolle in einem älteren Kurzfilm, in die er schlüpfte: Er trieb als Feuerteufel von Riehen sein Unwesen.

Er selbst sieht vor allem zwei Schauspieler am liebsten auf der Leinwand: Christoph Waltz und Johnny Depp. Den einen wegen seinen meist gutmütigen, doch überspitzten Rollen, den anderen, weil er den «netten Bösewicht» bestens verkörpere, sagt Michael Kempf und fügt augenzwinkernd die Erklärung an: «Ich bevorzuge generell die Antagonisten, da ich auf der Leinwand eher unsympathisch wirke.»

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Der «Zombie Walk» findet am Freitag, 28. Oktober, statt. Besammlung um 18.15 Uhr bei der Theodorsgraben-Anlage, Abmarsch um 19 Uhr. Anschliessend, um etwa 21.45 Uhr, findet in der Markthalle Basel eine After-Walk-Party statt. Dabei werden fünf professionelle Tänzerinnen zusammen mit den Zombies eine Tanz-Choreo zu Michael Jacksons «Thriller» darbieten.

Sind Sie den lebenden Toten noch nicht begegnet? Fotos vom letzten Jahr sowie Filmparodien, Weihnachtsclips sowie Teasers und Videos von «Zombie Walk Basel», die hier zu finden sind, geben einen Vorgeschmack. 

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