Kunst aus der Kaserne in der Kunsthalle

Nicht im eigenen Haus, sondern in der Kunsthalle haben die Mieter der Ateliergenossenschaft Kaserne ihre Jubiläumsausstellung eingerichtet. Wer also wissen will, was normalerweise hinter verschlossenen Türen produziert wird, ist hier am richtigen Ort.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Nicht im eigenen Haus, sondern in der Kunsthalle haben die Mieter der Ateliergenossenschaft Kaserne ihre Jubiläumsausstellung eingerichtet. Wer also wissen will, was normalerweise hinter verschlossenen Türen produziert wird, ist hier am richtigen Ort.

Erklimmt man die Treppe in der Kunsthalle Basel, so steht man den Künstlern und Künstlerinnen der Ateliergenossenschaft Kaserne gegenüber. In drei Reihen haben sie sich hinter- und nebeneinander zum Empfang postiert – nicht vollends reglos, sondern sich leicht bewegend. Das «Tableau Vivant», von Genossenschaftsmitglied und Videokünstlerin Bettina Grossenbacher erstellt, will genau dies: nicht Statik vermitteln, sondern Leben.

«Wir sind ja schliesslich noch nicht tot», sagt Aldo Solari dazu – und lacht. Dem Lachen des Künstlers jedoch haftet ein etwas bitterer Unterton an, denn genau diesen vielgehörten Spruch gilt es mit dieser Schau unter anderem zu widerlegen: Jenen von der totalen Überalterung des Atelierhauses, welcher der Kanton mit Kündigungen und einem neuen Vergabesystem entgegenwirken will. Sprich: Aus und vorbei mit dem Genossenschaftssystem, was nicht überall positiv aufgenommen wurde.

Als die Ateliergenossenschaft diese Jubiläumsausstellung plante, waren die Absichten des Kantons noch nicht bekannt. 50 Jahre Bestehen zu feiern, das war der Plan. Und das tut man nun, wenn auch das Ganze den Beigeschmack eines Abschieds erhält – ob man dies nun will oder nicht.

Demokratische Ausstellung

Wie in der Genossenschaft üblich stand die ganze Ausstellung unter dem Zeichen der Demokratie. Diskussion folgte auf Diskussion, Entscheid auf Entscheid. «Wir lernten uns nie so gut kennen wie in diesem Prozess», sagt Bettina Grossenbacher. Und wie präsentiert sich nun eine über 40 Köpfe umfassende Ateliergemeinschaft demokratisch auf beschränktem Raum? In einer Form, in der jeder und jede in irgendeiner Art und Weise präsent ist, natürlich.

Und so darf man nun diskutieren, ob das Herzstück dieser Ausstellung auch das flächenmässig grösste ist, der Oberlichtsaal nämlich, in dem zwei Künstlerinnen und zwei Künstler ihre Werke dem Publikum präsentieren dürfen. Es sind die beiden jüngsten und die beiden ältesten Ateliermieter, denen hier die Ehre zuteil wird, sozusagen die künstlerische Klammer um die ganze Bewohnerschaft zu schliessen. Daniel Karrer und Doris Lasch vertreten die Jungen, Hans Rémond und Agat Schaltenbrand die ältere Generation.

Dreimal Malerei und einmal Fotografie – vier ganz unterschiedliche Positionen: Lasch zeigt schwarzweisse Fotografien von Innenräumen, Remond bringt Raum und Bild zusammen in einer Installation aus Gemälden und Objekten, Karrer füllt eine ganze Wand mit kleineren und grösseren meist figurativen Gemälden. Und Agat Schaltenbrand schliesslich hat ein einziges abstraktes Gemälde hierhergebracht. So zufällig eigentlich ausgewählt wurde, wer hier ausstellen darf, so erstaunlich stimmig ist die Präsentation geworden. Harmonisch und alterslos.

Porträts in aller Kürze

Vielleicht aber hat die Ateliergemeinschaft viel eher im hinteren, kleineren Raum die adäquate Repräsentationsform gefunden, wo an einer Wand alle Namen von aktuellen und bisherigen Mietern versammelt stehen und auf zwei Bildschirmen Kürzestporträts der jetzigen Mieter zu sehen und hören sind.

Hier sieht man denn auch für einmal nicht nur die Gesichter, junge und alte, sondern auch, wie vielfältig das Schaffen all jener ist, welche die Ateliers in der ehemaligen Kirche besiedeln. Ob Malerei, Skulptur, Fotografie, Video oder Konzeptkunst, hier ist alles vertreten.

Man erhält Einblick in die Ateliers, denen man in diesen Bildern ihre grössten Mängel nicht ansieht: Sie wirken licht und grosszügig, das sind sie auch – doch wer schon mal eines davon betreten hat, weiss, dass kaum Infrastruktur vorhanden ist. Ohne eigenes Heizöfeli läuft zum Beispiel nix, und das Wenige, was vorhanden ist, wurde von den Künstlern selbst eingerichtet. «Das vergisst man leicht, wenn man unsere ‹privilegierte› Situation anspricht», sagt Aldo Solari.

Trotzdem trübt hier in der Ausstellung augenscheinlich nichts den idyllischen Eindruck. Ist ja auch gut so. Die Realität darf für einmal draussen bleiben.

_
50 Jahre Kunstschaffende der Atelier-Genossenschaft Basel
– Jubiläumsausstellung in der Kunsthalle Basel, bis 18. Januar 2015. Das Rahmenprogramm der Ateliergenossenschaft finden Sie auf der Rückseite dieses Artikels als pdf zum Download.

Konversation

Nächster Artikel