Munterer und bunter die Kerzen nie brannten – das läuft über die Festtage

Mit dem Wochenende vor Weihnachten startet Basel in die Feiertage. Hier ein paar Tipps, wo die Glocken bimmeln bis zum Gong.

Freitag

Mit Charme, Stil und Chuzpe: Der Berliner Sedlmeir beglückt im Hirscheneck mit seinem neuen Album.

Sedlmeir

Gesegnet mit dem gesunden Grössenwahn des einfachen Mannes braucht Sedlmeir keine Band. Mit Gitarre, Beats aus der Box und Leinwand-Projektionen misst sich Berlins kaltblütigster Melancholiker mit Elvis, schimpft die Jugend Schande und widmet dafür dem Rock’n’Roll die eine oder andere seiner bissigen Hard-Schlager-Hymnen.

Nebst Klassikern schenkt Sedlmeir seinen Fans neue beschwingte Songs wie «Ewiger Diskoschuh» vom aktuellen Album «Fluchtpunkt Risiko». Mit der aktuellen Lage im Mittleren Osten hat dies wenig zu tun, auch wenn er beim letzten Auftritt im Hirschi-Keller das männerlastige Publikum anschnauzte: «Basel, das ist ja schlimmer wie im Iran hier!»

22 Uhr, Hirscheneck, Basel. Support: Bernie the Attorney, 22 Uhr.

Rohes Fest

Im Sommercasino heulen am Wochenende die Gitarren. Das «Rohes-Fest-Festival» startet am Freitag mit einem Bandcontest. Fünf Bands messen sich zur Freude der Meute bevor sich Cell of Hell mit Drums und drei Celli durch Klassiker von Händel bis Metallica spielen.

Am Samstag frönen vier Bands den verschiedenen Facetten des Metal. Am meisten auf Melodie setzen Setheist aus Polen mit Sängerin Maksymina Kuzianik. Während zu den Grooves der Lokalhelden GurD durchaus auch mal gehüpft werden kann, sind die schnellen Thrash-Metal Nummern von Pessimist eher nackenlastig. Ihre deutschen Landsleute von Code Red bieten was für Kopf und Hüfte.

Freitag & Samstag, 19 Uhr, Sommercasino, Basel

Bye Bye Buffet

Nach Jahren im Stellwerk verlässt das Team des Alten Zolls das Buffet mit einer zünftigen Feier mit Spanferkel, DJs und A Fistful of Twist – damit das Schwein im Schweiss zerfliesst.

20 Uhr, Buffet, Basel

Samstag

Evelinn Trouble und ihre Band legen in der Kaschemme Hand an die Klassiker von Black Sabbath.

«Drei Schwestern» am Theater Basel

Über die Festtage reihen sich Familienfeiern noch und nöcher aneinander. Wer diesem Marathon entfliehen will, kann eine der wohl letzten Chancen wahrnehmen, am Theater Basel die preisgekrönte Inszenierung der «Drei Schwestern» nach Tschechow anzusehen. Danach wirken die kleinen Dramen zu Hause wieder wie harmlose Zankereien. Von den drei Terminen (23. und 26.12., sowie 7.1.) ist einer (Stefanstag) bereits wieder ausverkauft. Alternativ gibt es das Stück auch in voller Länge bei «Telebasel» zu sehen.

17 Uhr, Schauspielhaus, Theater Basel

Evelinn Trouble plays Black Sabbath

Mit der Eröffnungszeile «What is this that stands before me» schockierte Ozzy Osbourne 1970 die Menschheit. Es waren weniger die Worte, denn die düstere Atmosphäre mit dem Black Sabbath ihr erstes Album starteten und damit den Heavy Metal begründeten. Ihre Mischung aus Grusel, Psychedelic und Gitarren liess fortan immer mehr Fans wohlig schaudern, während Christen und Sittenwächter in der Band eine Ausgeburt Satans sahen.

Wer Evelinn Trouble kennt, wundert sich nicht, dass die Zürcherin diese kontroverse Mischung liebt. Während die Heilsarmee in den Gassen über die Ankuft Jesus jubiliert, feiert sie als Evil Woman die Wiedergeburt ihrer alten Band und lässt das Werk von Black Sabbath, die 2017 ihr definitives Ende verkündeten, auferstehen.

Und bei allem Respekt vor Ikonen: Während Ozzys Stimme auf den letzten Touren auch Fans in Schrecken versetzte, kann man bei der stimmgewaltigen Trouble auf wohlige Schauder hoffen.

21 Uhr, Kaschemme, Basel

Austern beim Kiosk

Beim Keck Kiosk wird vor Weihnachten traditionell das vergangene Jahr weggeschlürft. Eine Auster pro Tag, also 365 dieser Muscheln werden feil geboten, um sich 2017 nochmals auf der Zunge zergehen zu lassen. Was für die einen bitter, salzig schmeckt, ist für andere ein Genuss mit Zitronenschuss – eine Muschel wie das Leben.

Nach ein paar Gläsern Schaumwein werden auch Sie offen für solche vom Winter verwehten Schlauheiten. Denn ausser Muscheln und Crémant hat man bei diesem Apéro meist nichts anderes in Bauch und Kopf.

18 Uhr, Keck Kiosk, Basel

Drag meets Rock

Die Ausgangslage verspricht ein spektakuläres Schaulaufen: Sechs Bands werben mit einer Drag Queen als Gallionsfigur während 15 Minuten um die Gunst des Publikums. Bei diesem Contest gibt es keine Verlierer. Die beste Drag-Band-Combo wird mit einem Wellness- und Beauty-Programm verwöhnt, alle anderen mit einer wunderbar überdrehten Show. «Drag ist das neue Punk», preisen denn die Veranstalter die neuste Glitterbombe am Showhimmel, und: «Rock has never been this glamorous – Drag has never been this dirty.» Wird dies der neue Tuntenball?

20 Uhr, Rockfact Music Club, Münchenstein

Sonntag

Dead Brother Kopf Alain Croubalian feiert im Renée Weltpremiere am Piano.

Feiner Gesang der Knabenkantorei

Zum Thema Singen gibts zwei Sichtweisen. Manche behaupten, der Spass für die Singenden stehe im Vordergrund und fehlendes Talent könne mit Lautstärke und Enthusiasmus wettgemacht werden. Andere sehen nicht ein, weshalb für Weihnachtslieder etwas anderes gelten soll als für Weihnachtsbraten: Sie gehören in die Hände von Könnern. Wer zur zweiten Gruppe gehört oder sich von einer Darbietung der ersten Gruppe erholen muss, kann am Heiligen Abend vertrauensvoll das Basler Münster aufsuchen. Dort singen an der Christnacht echte Könner, die Knabenkantorei Basel.

22 Uhr, Basler Münster

Croubalians Geburt

Der Frontmann der Dead Brothers hat sein Death Blues Funeral Trash Orchester diesmal nicht dabei. Denn Alain Croubalain feiert am Heiligabend eine Weltpremiere. Nach 38 Jahren an der Gitarre spielt er sein erstes Konzert am Piano – ein Instrument, das er in der Stube seiner Schwiegereltern entdeckt hat. Die Texte zu den Songs hat der deutsch-südafrikanische Filmemacher P.M. Littler geschrieben, für dessen Werke Croubalian sonst oft die Musik komponiert. Zu erwarten ist laut Ansage etwas zwischen Schuberts Winterreise, Weltuntergang und dem Verhältnis zwischen Mann und Frau. Halleluja!

23 Uhr, Renée, Basel

Kitschmas in der Kaserne

Der Weihnachtsbaum funkelte reich bekugelt im Wohnzimmer? Dem setzt das Interieur der Kaserne dieses Jahr den Stern auf. Nach China, Jules Verne und Andy Warhols Factory steht das Deko der legendären Weihnachtsparty heuer unter dem Motto Kitsch. Das Publikum darf gerne zum Bling-Bling beitragen. Ein Grossaufgebot an DJs sorgt bei der Kitschmas dafür, dass Funkel-Fummel und Festtags-Bäuche kreisend strahlen wie Spiegelkugeln.

23 Uhr, Kaserne, Basel

Montag

Wer noch steht, tanzt weiter: Techno Stadt Basel feiert sich an Weihnachten selbst bis zum Umfallen.

Techno total

Wer Weihnachten lieber tanzend im Club, denn auf dem Familiensofa feiert, findet sein Glück in Basels Technotempeln. Die düstere Spielart gibt es im Hirscheneck. Orden + Stigma halten dem religiösen Reigen okkultes Treiben mit DJs und Live-Acts entgegen. Damit die Nacht ein Leben lang bleibt, kann man sich auch ein Branding schenken. Das Eisen ist heiss.

Nach bleibenden Gefühlen, stärker bindend als langjährige Freundschaft, streben im Nordstern Shiffer und Adriatique von Siamese. Hat auch was Religiöses. Die Messe wird unterstützt mit House von Lehar und wärmenden Klängen unserer Herzschwester.

Im Elysia feiern die deutschen Technoveteranen Guido Schneider und Daniel Dreier die Nacht mit einer Neuveröffentlichung auf Miniload Records – dem Label des hauseigenen Programmchefs Martinesque. Klar, sorgt er bei der Familienfeier auch selbst für Musik.

Im Viertel gibt es eine ausgedehnte Ladung Instant Rave XXL. Die Spielregeln sind dieselben. Nur schenkt das Techno-Game seinen Anhängern heute viel längere Tanzzeit.

23 Uhr, Hirscheneck, Nordstern, Elysia, Viertel

Dienstag

Der Feiertags-Kater ist nicht immer so schmusig wie das Kätzchen in «The Square». Bewältigungsstrategien sind neben Kino auch Kunst oder ein währschafter Jass.

Kunst statt Brunch

Sich mit vollem Bauch im Tinguely-Museum die Verdauungsmaschinen des belgischen Künstlers Wim Delvoye anzusehen: Das hat doch was … besinnliches. Die grossartige Ausstellung ist nur noch bis zum 1. Januar zu sehen und einigermassen kinderfreundlich (wenn man die Diskussion über menschliche Ausscheidungen und deren künstlerischen Wert nicht scheut).

11–18 Uhr (täglich ausser am 25.12.), Tinguely Museum, Basel

Spielnachmittag

Vielleicht ganz angenehm, sich dieser Tage auch einmal an einen Tisch setzen zu können, der nicht bis unter die Decke mit Essen beladen ist. Im Hirschi wird am Stefanstag ein Jass geklopft. Anmelden kann man sich direkt vor Ort.

12 Uhr, Hirscheneck, Basel

Kinoabend

Politische und andere heikle Themenfelder sollten am Familienfest bekanntlich tunlichst gemieden werden. Will Onkel Max noch etwas Brasato, ist von Aussagen wie «Nachschlag gibts nur für ein Nein zu No-Billag» abzusehen. Wer über die Festtage dennoch nicht auf peinlich berührende Situationen verzichten will, kann sich im Kino bei «The Square» die wohl unangenehmsten 142 Minuten Film der letzten Jahre geben. Das neueste Werk des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund ist eine fiese und treffsichere Satire auf den Kunstbetrieb und das Bildungsbürgertum. So lange lustig, bis einem das Lachen im Gesicht festfriert.

11.30 & 20.15 Uhr (täglich ausser am 25.12.), Kultkino Camera, Basel

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