Nach Zürich kommt Bern: Die Basler Staatsdesignerin expandiert weiter

Bei Tanja Klein stehen alle Zeichen auf Ausbau: Seit diesem Herbst designt sie mit ihrem Modelabel «kleinbasel» auch Männerkleider. Und heute eröffnet sie eine neue Filiale in Bern. Die TagesWoche hat die Geschäftsfrau bereits im August porträtiert.

Atelier und Laden in einem: Tanja Klein schneidet Stoff für eine Steppjacke.

(Bild: Nils Fisch)

Bei Tanja Klein stehen alle Zeichen auf Ausbau: Seit diesem Herbst designt sie mit ihrem Modelabel «kleinbasel» auch Männerkleider. Und heute eröffnet sie eine neue Filiale in Bern. Die TagesWoche hat die Geschäftsfrau bereits im August porträtiert.

Tanja Klein eröffnet am 17. November einen neuen Laden in Bern (Infos zur Eröffnungsfeier hier). Zu diesem Anlass schalten wir ein Porträt der Modedesignerin von September 2016 wieder auf. 

An einem schönen Tag im Juli sass Tanja Klein nach Feierabend am Rheinbord, als eine Frau in einem leichten Kleid auf sie zukam. In dem Moment blies der Wind der Frau von unten in den Saum des Rocks, sodass sich der Stoff hob und die Beine entblösste, wie bei Marilyn Monroe. «Das war so ein schönes Bild», sagt Klein.

In Gedanken fing sie sofort an zu entwerfen. Sie dachte: «In der letzten Kollektion hatten wir doch einen Schnitt für ein solch weites Kleid, welches ‹Stöffchen› wohl dazu passen würde?» Sie fand den Schnitt, machte den Rock noch weiter, suchte einen Stoff – und nächsten Frühling können die Kundinnen das Kleid kaufen. Die Sommerkollektion 2017 ist bereits im August fertig geworden.

Nun hat Klein ihre Kundengruppe ausgeweitet: Seit September präsentiert sie erstmals auch eine Auswahl an Herrenkleidern in der Herbst-/Winterkollektion. Klein macht für Männer solide Basics: Hosen, Hemden, Vestons, Strickpullover und T-Shirts. Damit folgt Klein einem Wunsch ihrer Kundinnen. «Sie kommen oft zusammen mit ihren Männern in den Laden und fragen nach Männerkleidern», sagt sie.

Eine der wichtigsten Frauen Basels

Seit 15 Jahren entwirft die Designerin für ihr Label «kleinbasel» Taschen und Frauenmode. Am Anfang tatsächlich im Kleinbasel, an der Clarastrasse, seit 2009 an der Schneidergasse 24. Sie hat ein Faible für bedruckte Stoffe und ist bekannt für ihre edlen Ledertaschen.

In Basel könnte man sie fast schon Staatsdesignerin nennen. Die Basler Tramkontrolleure tragen neu Uniformen designed by «kleinbasel». Auch entwarf sie Schuluniformen für ein – mittlerweile begrabenes – Pilotprojekt an der WBS Leonhard. Die «Schweizer Illustrierte» zählte sie im Jahr 2015 zu den «wichtigsten Frauen in der Region Basel».

Doch Klein hat sich über Basel hinaus einen Namen gemacht.  Ihre Kollektionen erscheinen im Stilmagazin der «NZZ am Sonntag», im Fachmagazin «Textilrevue» und in diversen Frauenzeitschriften. Sie liefert Kleider an verschiedene Läden in der Schweiz und hat eine «kleinbasel»-Filiale in Zürch eröffnet. Letztes Jahr entwarf sie ausserdem die Arbeitskleider des Personals im Landesmuseum in Zürich. Und nun eben: Bern.

Stöffchen, Röckchen, Kleidchen

Wir treffen die 49-Jährige an der Schneidergasse in Basel, sie steht im hinteren Teil ihres Ladens an einem grossen weissen Arbeitstisch. Sie trägt, wie es sich für Modedesigner gehört, ein Stück aus der eigenen Kollektion: ein schlichtes ärmelloses Jersey-Shirt in Schwarz, dazu schwarze Boyfriend-Jeans und eine Goldkette. Für den TagesWoche-Fotografen holt sie Messband und Schere hervor und fängt an, an einem Prototyp für ein Jackett zu arbeiten.

Klein spricht so liebevoll von Materialien und Kleidungsstücken wie andere über Babys, gerne auch im Diminutiv. Bei ihr werden Stoffe zu Stöffchen, Röcke zu Röckchen, Kleider zu Kleidchen. Dazwischen tritt sie an eine der Kleiderstangen im Geschäft, bringt die Schnalle einer Tasche in Ordnung, zupft am Ärmel eines Kleids, damit es schön vom Bügel fällt.

Von kreativen Köpfen denkt man immer, dass sie erst über Kurven und Umwege zu ihrer Passion finden. Doch Kleins Karriere war gradlinig, ihr Interesse für Kleider hat sie geerbt: Die Oma war Schneiderin, die Mutter ebenso. Mit 14 nähte Tanja Klein ihr erstes Kleidungsstück im Atelier ihrer Mutter, aus einem Leintuch: eine schmale Hose mit Gummizug. Sie sagt: «Von da an nähte und nähte ich, bis ich 30 war.»

Ideen schubladisieren tut weh

Klein wurde Schneiderin und eröffnete 1994 einen eigenen Laden mit Couture-Atelier in Basel. Doch nach acht Jahren wurde ihr diese Welt zu eng, sie liess sich deshalb zur Modedesignerin ausbilden. «Als Schneiderin schneiderst du einem einzelnen Menschen ein Kleidungsstück auf den Leib», sagt sie. «Das ist zwar schön, aber nachher darfst du diese Idee nicht mehr benutzen.»

Als Designerin kann sie bestehende Entwürfe wieder aufnehmen, weiterentwickeln, perfektionieren. So wie das petrolfarbene Wickelkleid aus Jersey, das im August an der Büste im Laden hängt. Das Kleid macht Klein schon seit acht Jahren und trägt es selber in mehreren Farben: «Schwarz und mit eleganten Schuhen ist das Kleid perfekt für jede Party, aber in Petrol kann man es auch gut mit Flipflops an den Rhein anziehen», sagt sie.

Nicht ganz günstig

Ausserdem entwirft sie keine Einzelteile, sondern Kleinserien. Zu einer Seidenbluse mit herbstlichem Druck gibt es in der Winterkollektion einen Kaschmirschal mit demselben Muster.



Bald müssen wir uns wieder warm anziehen. Tanja Klein hat mit ihrer Herbst-/Winterkollektion «Lyrical Reflection» vorgesorgt.

Wir ziehen uns warm an. Tanja Kleins Herbst-/Winterkollektion «Lyrical Reflection». (Bild: Philipp Jeker Photography)



Ob Bluse oder Schal: Hauptsache bedruckt. 

Ob Bluse oder Schal: Hauptsache bedruckt.  (Bild: Philipp Jeker Photography)

Ihre Kundinnen schätzen das. «Dann können sie Anfang der Saison kommen und sich gleich ausstatten, statt in verschiedenen Läden zusammenzusuchen, was passt.» Das ist nicht ganz günstig. Besagte Bluse kostet rund 300 Franken, der Schal rund 200 Franken.

Und doch sind Kleins Kundinnen verhältnismässig bescheiden, wie sie sagt. «Sie besitzen dann halt nur drei Blusen, das ist doch viel nachhaltiger.»

Fairer und schöner

Klein distanziert sich bewusst von der Modeindustrie, die ihre Kleider in Bangladesch für Hungerlöhne nähen lasst. Sie lässt ihre Stoffe im nahen Ausland weben, bedrucken und nähen und stellt sicher, dass die Betriebe faire Löhne bezahlen.

Ausserdem hat sie den Laden soeben umgebaut und ihr Atelier aus dem Gundeli in die Schneidergasse gezügelt. Klein: «Die Kundinnen und Kunden sollen sehen, dass das Kleidungsstück nicht aus der Kartonschachtel kommt, sondern Menschen daran arbeiten.»

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17. November, 17 Uhr, Shop Opening mit Fashionshow, «kleinbasel», Kramgasse 75, Bern.

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Wir ziehen uns warm an. Herbst-/Winterkollektion «Lyrical Reflection».

Wir ziehen uns warm an. Herbst-/Winterkollektion «Lyrical Reflection». (Bild: Philipp Jeker Photography)

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