Bis der Morgen graut

Der Kampf um das Arbeitsgesetz ist ein Kampf zweier Religionen.

Was macht die ständige Verfügbarkeit aller Waren mit uns Menschen? Szene auf der Tankstelle Pratteln, bei der ein 24-Stunden-Shop betrieben wird. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Der Kampf um das Arbeitsgesetz ist ein Kampf zweier Religionen. Die Frage ist: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Am 22. September stimmt die Schweizer Bevölkerung über eine Bratwurst ab. Vakuumverpackt liegt diese Wurst in einem Kühlregal in Pratteln. Neben aufgebackenen Brötchen, Salami-Sandwichs, Tiefkühlpizzas, Strassenkarten von Frankreich, Scheibenwisch-Flüssigkeit und Porno-DVDs mit ausgefallenen Alliterationen im Titel. Es ist kurz vor 1 Uhr in der Nacht auf Montag, und noch ist die Bratwurst legal. In ein paar Minuten muss der Verkäufer in der Autobahnraststätte Pratteln die Wurst abdecken – zwischen 1 und 5 Uhr in der Nacht dürfen Tankstellen-Shops mit einem 24-Stunden-Betrieb nur noch Produkte verkaufen, die an Ort und Stelle verzehrt werden können. ­Cervelat ja, Bratwurst nein. Brötchen ja, Brot nein. Einzelne Bierdosen ja, ein Sixpack Bier nein.

Am 22. September stimmen wir darüber ab, ob diese Sortimentsbeschränkung aufgehoben werden soll, ob aus der Reduktion auf eine «Wegzehrung» ein Vollangebot werden darf. Betroffen sind 24 Tankstellen in der Schweiz. Dennoch geht es am Abstimmungssonntag um mehr als ein paar Bratwürste und Tankstellen-Shops. Es geht um die grossen Fragen: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Wie viel Einfluss soll der Staat auf unser Leben haben? Muss immer alles überall verfügbar sein? Wollen wir eine 24-Stunden-Gesellschaft? Oder: Leben wir bereits in einer?

Auf dem Weg in die 24-Stunden-Gesellschaft?

Nein, sagen Daniel Stolz und Hansueli Scheid­egger ein paar Stunden früher in der gleichen Nacht. «Aber wir bewegen uns in diese Richtung.» Es ist eine der wenigen Übereinstimmungen zwischen dem FDP-Nationalrat und dem Gewerkschafter der Unia, die sich auf Einladung der TagesWoche auf der Terrasse des Hotels Basilik um 22 Uhr über Bratwürste und die 24-Stunden-Gesellschaft unterhalten sollen.

Aus dem Treffen, in seiner ursprünglicher Anlage als ein Gespräch über die Beschleunigung unserer Zeit gedacht, wird schnell ein giftiger Schlag­abtausch, der die Unversöhnlichkeit der beiden Positionen aufzeigt (das ganze Gespräch finden Sie hier).

Hansueli Scheidegger: Aber ist denn wirklich alles nötig? Wo läuft um 2 Uhr morgens noch eine so heftige Grillparty, dass man unbedingt noch eine Bratwurst dazu braucht? Gerade Bratwürste! Die sind so lange haltbar, da muss es doch möglich sein, dass man die schon am Tag zuvor postet.

Daniel Stolz: Sie sind anmassend, Herr Scheid­egger. Wer sind Sie, dass Sie entscheiden können, wer zu welcher Zeit welches Bedürfnis hat?

Es sind beinahe religiöse Überzeugungen, die in dieser Sonntagnacht aufeinanderprallen. Für den Gewerkschafter Scheidegger geht es um den Schutz der Wehrlosen in einer immer kapitalistischeren Gesellschaft, um ein Eingreifen des Staates zum Besten der Menschen, zur Erziehung des Einzelnen zum guten Leben. Für den Bürgerlichen Stolz liegt die Verantwortung zum richtigen Leben dagegen einzig beim Individuum. Geregelt wird das Leben nicht durch den Staat, sondern durch den Markt und den Souverän.

Hansueli Scheidegger: Möchten Sie denn, dass auch am Sonntag gebaut wird? Dass der Lärm gar nie mehr aufhört? Der Mensch hat ein Recht auf eine Pause.

Daniel Stolz: Die er sich selber verordnen kann. Ich stelle mein Handy manchmal auch ab – muss dann einfach mit den Konsequenzen leben. Aber grundsätzlich möchte ich selber entscheiden, wenn ich eine Pause brauche.

Hansueli Scheidegger: Das können Sie nur, weil Sie in einer privilegierten Position sind. Eine Verkäuferin kann sich nicht selber Pausen gönnen; sie ist von ihrem Chef und dem Unternehmen abhängig. Die Logik der Unternehmen ist klar: Sie wollen immer mehr und immer länger verkaufen.

Überall ist Tag

Diese Log­ik zeigt eine Tendenz, die weder Stolz noch Scheidegger bestreiten: Wir bewegen uns in die Richtung einer 24-Stunden-Gesellschaft. Das betrifft ganz unterschiedliche Bereiche unseres ­Lebens: In einer globalisierten Welt ist ständig ­irgendwo Tag. Die Produktion stoppt nie, sie darf nie stoppen, wenn man wettbewerbsfähig bleiben will. Die Pharma produziert rund um die Uhr, in den Büros von Herzog & deMeuron brennt Licht die ganze Nacht.

Die ständige Verfügbarkeit von allen Dingen beeinflusst auch unser Privatleben: Wir bestellen Pizza kurz vor Mitternacht, essen Döner zum Katerfrühstück, können online die ganze Nacht shoppen und uns die neuste Folge von «Breaking Bad» dann herunterladen, wenn es uns passt. Wer braucht noch Videotheken? Oder Musikläden? Auch die Kommunikation untereinander hat sich seit der Erfindung des Internets grundlegend verändert. Der Twitterfeed steht nie still und ist ein Abbild unserer Welt, in der immer irgendjemand sendet. Und jemand empfängt.

Immer mehr Nachtarbeit

Der Kampf um die Bratwurst ist der Versuch, diese gesellschaftlichen Realitäten auf Gesetzes­ebene abzubilden – oder einzudämmen. Die Entwicklung in der Gesellschaft ist dabei der Politik immer voraus: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer chrampfen immer häufiger auch abends, nachts und an den Wochenenden. Der Anteil der Bevölkerung, der Nachtarbeit leisten muss, hat in den vergangenen 20 Jahren um gegen 50 Prozent zugenommen.

Entsprechend oft streiten die Politiker über diese Entwicklung. Vordergründig scheinen die Vorteile dabei klar aufseiten der linken Parteien, der ­Gewerkschaften und Kirchen zu liegen. Von den letzten 13 kantonalen Abstimmungen über eine Ver­längerung der Ladenöffnungszeiten haben sie 12 gewonnen.

Doch die Liberalisierer geben nicht auf. Warum sollten sie auch? Bei all den Widersprüchlichkeiten zwischen dem Abstimmungs- und dem Konsumverhalten des Volkes, zwischen den unterschiedlichen kantonalen Bestimmungen und selbst innerhalb der einzelnen Gesetze.

Neue Forderungen der Bürgerlichen

Das eröffnet den Bürgerlichen schier endlose Möglichkeiten, ihre Forderungen in immer neuen Variationen zu stellen. FDP-Ständerat Fabio Abate zum Beispiel macht sich in einem Vorstoss für möglichst einheitliche und möglichst gästefreundliche Öffnungszeiten in den Tourismusgebieten stark, der Tessiner CVP-Kollege Filippo Lombardi für eine «Teilharmonisierung» im gesamten Schweizer Detailhandel. Und sie beide werden von Bundesrat und dem bürgerlich dominierten Parlament in Bundesbern unterstützt.

Noch bevor die Motionen erfüllt sind, kündigt die grünliberale Nationalrätin Kathrin Bertschy bereits den nächsten Vorstoss in Sachen Öffnungszeiten an. Diesmal geht es um die kleineren Läden mit einer maximalen Verkaufsfläche von 120 Quadratmetern. Diese sollen ihre Waren nach den Vorstellungen von Bertschy ebenfalls rund um die Uhr anbieten dürfen, sofern das den Tankstellenshops tatsächlich erlaubt wird. Alles andere wäre «wettbewerbspolitisch unfair», schreibt die Grünliberale.
Das ist ein Argument, das nach einem Ja am 22. September nur noch schwer zu widerlegen wäre. Und es zeigt, dass es schon bei der bevorstehenden Abstimmung eben doch um etwas mehr geht als um die Legalisierung der Bratwurst, wie die Befürworter dem Volk weiszumachen versuchen.

Im Sixpack

Das ist wahrscheinlich der Grund, warum sich gestandene Politiker und Gewerkschafter wie Stolz und Scheidegger etwa über die Frage ereifern können, ob ein paar Tankstellen im Lande das Bier morgens zwischen ein und fünf Uhr weiterhin nur einzeln oder neu allenfalls auch im Sixpack verkaufen sollen. Und warum Journalisten Stunden vor den abgesperrten Regalen verharren, nur wegen ein paar Müsterchen wie diesen im «Tages-Anzeiger»: 1.40 Uhr – ein junger Mann nimmt ein Sixpack Redbull aus dem abgedeckten Regal.

«Sorry», sagt Verkäufer Nenad (Name von der Redaktion geändert): «Um diese Zeit darf ich keine Getränkepackungen verkaufen.» Der Mann kauft drei Einzeldosen. 2.55 Uhr, ebenfalls im BP-Shop von Zürich-Wiedikon: Ein junger Mann verlangt eine Tiefkühlpizza, die er im Laden sieht, aber nicht kaufen darf. Er schüttelt den Kopf und sagt: «Bier kann ich kaufen, eine Pizza nicht.» Und um 3.30 Uhr kommt dann auch noch eine Frau in den Laden, die aus rechtlichen Gründen nur Brötchen bekommt und kein Brot. Sie geht grusslos.

Widerstand in Pratteln

Auch nicht viel spektakulärer ist die Szenerie an diesem frühen Montagmorgen auf der Autobahnraststätte in Pratteln. Die Parkplätze sind weitgehend leer, die Autobahnbrücke mit den Restaurants und Läden zu, ebenso der «Erotic-Megastore Magic X». Bei den Zapfsäulen stehen zwei leere Autos mit den Nummernschildern aus Zürich und Zug, daneben ein Auto mit einer holländischen Familie; Vater, Mutter, Sohn und Tochter – sie alle sehen so angestrengt müde aus, als hätten sie nur eines im Sinn: möglichst bald wegzukommen, heim. Im BP-24-Stunden-Shop lassen sich zwei junge Männer einen Espresso aus der Maschine heraus und reden über alles und nichts.

Zwei andere Typen stehen beim DVD-Ständer; ihre Blicke richten sich schon bald von ganz unten – den Unterhaltungsfilmen – nach oben zu den Pornos. Die beiden lächeln gelangweilt, nehmen eine Hülle mit nur noch sehr wenig Unenthülltem aus dem Fach, sie schauen sich die DVD an, kichern etwas, legen sie wieder zurück und gehen, wortlos auch sie.

Für ein Pläuschchen hätten die beiden Angestellten des BP-Shops ohnehin keine Zeit. Dafür haben sie viel zu viel zu tun. Einkassieren, Regal aufräumen, Harassen und sonstiges Gebinde verschieben, Brötchen backen, Kaffeebecher abräumen und so weiter und so fort. Der übliche Stress kurz vor eins, der entscheidenden Stunde im Tankstellenshop, denken wir.

Doch dann ist ein Uhr und es passiert – gar nichts. Weder die Bratwürste noch das Sixpack Bier oder das Brot wird abgedeckt. Wir trinken noch einen weiteren Kaffee, ehe wir es wagen, ein Doppelpack der jetzt eigentlich illegalen Bratwürste aus dem Kühler zu nehmen.

Danke und auf Wiedersehen

An der Kasse haben wir aber mehr Glück als die Kunden in der Tankstellen-Reportage des «Tages-Anzeigers»: Im Gegensatz zu ihnen bekommen wir keine Belehrungen, sondern die erwünschte Wurst «Macht 5 Franken 40», sagt unser Verkäufer nur. Wir fragen nochmals nach: Dürfen wir diese Wurst tatsächlich kaufen, jetzt, um 1.17 Uhr? Seine Antwort: «Der Entscheid liegt beim Volk. Zumindest bis am 22. September verkaufen wir alles ganz normal weiter. Danke und auf Wiedersehen.» Die Baselbieter Behörden haben BP wegen dieses Rechtsbruchs bereits Sanktionen angedroht. Ergriffen werden diese aber erst nach dem 22. September – im Falle eines Neins an der Urne.

Wir versorgen die Bratwurst im Handschuhfach (wer will jetzt noch grillieren?) und kehren nach Basel zurück. Nach einem kurzen Abstecher in die Friends-Bar, der ohne Rauchschwaden irgendwie die Absturz-Legitimation fehlt, landen wir im «Klingeli», wo schon Generationen vor uns eine Ahnung von der 24-Stunden-Gesellschaft erhalten haben.

Beschleunigt und überfordert

Bei Wurstsalat und Bier schauen wir die Wiederholung der Sportschau, staunen über die Schnelligkeit von Arjen Robben und müssen an jenen Kollegen aus Wien denken, der vor ein paar Jahren in einem etwas zwielichtigen Amüsierbetrieb in Sissach ein Vorrundenspiel der Europameisterschaft verfolgte und sagte: «Der Fussball ist immer ein Abbild unserer Gesellschaft. Er hat sich beschleunigt, so wie sich die Gesellschaft als Ganzes beschleunigt hat.»

Der Satz des Sportjournalisten führt zu einer Frage, die Soziologen schon lange umtreibt: Was macht die ständige Beschleunigung mit uns Menschen? Was bedeutet die ständige Verfügbarkeit aller Güter für uns? Eine der wichtigsten Stimmen in dieser Debatte ist der deutsche Soziologieprofessor Hartmut Rosa. Und der greift zur grossen Keule: Für ihn ist die technische und soziale Beschleunigung seit der Spätmoderne nichts anderes als eine neue Form des Totalitarismus. «Es gibt keine Lebens- oder Gesellschaftssphäre, die nicht vom Diktat der Geschwindigkeit betroffen oder sogar transformiert würde.» Dabei habe der technische Fortschritt zwar den Unterschied zwischen Raum und Zeit massiv verkleinert (gemessen an der Zeit, die man heute von London nach New York braucht, hat sich der Raum seit der Zeit der Segelschiffe auf einen Sechzigstel seiner ursprünglichen Grösse verkleinert), und dennoch leide die Gesellschaft ständig unter Zeitknappheit: Es gibt zu viele Möglichkeiten, zu viele Optionen, die wahrgenommen werden könnten.

Der Druck wird immer grösser

Eine Lösung für dieses Problem hat Rosa nicht. Er stellt nur fest. Dass die Politik unter dem Druck leidet, immer öfter Entscheidungen fällen zu müssen, deren Auswirkungen sie gar nicht ermessen kann. Und dass der einzelne Mensch von der ständigen Beschleunigung überfordert ist.

Jugendliche, die nicht mehr zur Ruhe kommen, die nachts gamen und chatten und tagsüber immer mehr Probleme mit dem wirklichen Leben bekommen, mit den Eltern, den Lehrern, dem Lehrmeister. Laut einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften von 2012 weisen über 40 Prozent der Schweizer Jugendlichen zumindest Anzeichen einer solchen Handy- und Internetsucht auf, 5 Prozent werden als süchtig bezeichnet.

Sie brauchen professionelle Hilfe und landen unter anderem in der Ambulanz für Verhaltenssüchte der Psychiatrischen Kliniken in Basel. Bei Renanto Poespodihardjo, der von einer «Entrhythmisierung» spricht. Der Mensch habe sich in fast seiner gesamten Geschichte nach einem klaren Rhythmus gerichtet, richten müssen. Am Tag wurde gearbeitet, solange man noch etwas sah, dann ging man ins Bett. Dann kam der Strom und mit ihm die Industrialisierung und seither immer neue Angebote, tagsüber und nachts, die Palette ist nur schon im Internet gewaltig – und sie wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch weiter wachsen, «in einer Art und Weise, wie wir uns das noch fast nicht vorstellen können», sagt Poespodihardjo.

Die wirklich interessante Debatte

Werten will er diese Entwicklung nicht, weder positiv noch negativ. «Der Fortschritt bringt neue Möglichkeiten mit sich – und neue Gefahren», sagt er. Mit diesen Gefahren müssten sich seiner Ansicht nach aber nicht nur die Patienten auseinandersetzen. «Die gesamte Gesellschaft müsste sich fragen, wie viel Ruhe sie braucht und inwiefern sie den uralten Rhythmus von Tag und Nacht einerseits, Werk-, Sonn-, und Feiertagen andererseits bewahren will», sagt er: «Daraus ergäbe sich eine interessante Debatte.»

Diese Debatte muss in der Schweiz noch geführt werden. Gleich nach jener über die Bratwurst.

Quellen

Übersicht über die Abstimmung auf parlament.ch.

Die Kampagne der Befürworter und die Antwort der Gewerkschaften.

Zwei Artikel zum Thema der WoZ und der «Handelszeitung».

Eine Rezension des «Spiegel» von «Beschleunigung und Entfremdung», dem Buch von Hartmut Rosa.

Eine Vorlesung von Hartmut Rosa zum Thema.

Artikelgeschichte

Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 30.08.13

Konversation

  1. beim massstab des tempos wird immer ausgegangen, dass das tempo jetzt gerade gut ist, und dass ab JETZT jedes zusätzliche „tempo“ oder jede zusätzliche „minute“ mögliches aktivsein zu viel ist.
    das ist letztlich nichts als blinde pseudo-nostalgie. denn aus der sicht von vor zum beispiel 50 jahren sind wir heute völlig überbeschleunigt.
    …damals, als wir noch einen tag länger arbeiteten und das drummeli das höchste und einzige der unterhaltungsgefühle war…
    mit dieser „es wird alles schlimmer“ kann man gleich auch noch eine breitseite gegen die jugend von heute loslassen – das ist billig und ungefährlich, die sind ja gerade völlig unmotiviert und unengagiert alle am JKF, haben also keine zeit für diesen artikel.
    dass es am 22. september nicht um arbeitsplätze geht, geben die Nein-protagonisten im gespräch zu und schieben gleich ein empörtes ABER nach – sie verdecken so, dass das schlicht gelogen ist. trauen sie dem volk die wahren argumente gar nicht zu?
    die journalisten, die in nachtarbeit menschen an tankstellen aufspüren – beklagen sie sich? kirchenmenschen, die am sonntag gottesdienste halten – beklagen sie sich? angestellte in den tankstellen – beklagen sie sich? nein. nein. nein.
    viele der nein-protagonisten geben vor, sie würden sich für die arbeitnehmerinnen einsetzen. ich werde das gefühl nicht los, dass sie von einem zutiefst menschenfeindlichen bild geprägt sind: sie trauen den menschen nicht zu, selber zu denken und selber verantwortung zu übernehmen, sondern wollen sie von oben herab dorthin führen, wo SIE finden, wie die menschen sein müssten und was sie wollen sollten – und wenn sie nicht das wollen, werden sie moralisch abgewertet.
    es stimmt: die nein-gegner vertreten eine religion. sie sehnen sich nach der moralischen regulierung, welche die kirchen verloren haben, und wo dogmen wichtiger sind als die praxis.
    vielleicht will das volk tatsächlich den fortbestand der heutigen regel. was mich betrifft: die ideologische argumentation der nein-vertreter hat mich zum ja-stimmer gemacht.

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