Führungskrise: Im Departement von Conradin Cramer rumort es

Miese Stimmung in der Abteilung Jugend, Familie und Sport des Basler Erziehungsdirektors Conradin Cramer: Mitarbeiter klagen über ein Arbeitsklima des Misstrauens unter Abteilungsleiter Thomas Mächler. 

Conradin Cramer beförderte Thomas Mächler zum Abteilungsleiter – nun gärt es in der Abteilung Jugend, Familie und Sport.

Es gibt Entscheidungen, die sind prädestiniert, für Unruhe zu sorgen. Conradin Cramer (LDP) war knapp vier Wochen Regierungsrat, als er einen solchen Entscheid fällte.

Als die Mitarbeitenden der Abteilung Jugend, Familie und Sport im Erziehungsdepartement (ED) am 15. März 2017 informiert wurden, dass sie mit Thomas Mächler einen neuen Abteilungsleiter erhalten würden, war die Enttäuschung in den Büros an der Leimenstrasse 1 gross. Die in Cramer gesetzten Hoffnungen, er würde mit der Ernennung eines neuen Abteilungsleiters als Nachfolger von Hansjörg Lüking endlich Schwung in den verstaubten Laden bringen, waren im Nu vernichtet.

Cramer beförderte mit Mächler den Leiter ad interim zum neuen Chef der Abteilung. Es war der einfachste und bequemste Weg für den noch unerfahrenen Regierungsrat. Das ED war für ihn selber Neuland. Da war er froh um einen direkt Untergebenen, der die Abläufe kennt – und Abläufe, die kennt Mächler.

In der Mitteilung zur Kür Mächlers hiess es denn auch: «Er kennt Aufgaben, Partnerinnen und Partner sowie Mitarbeitende des Bereichs und der Kantonalen Verwaltung bestens und kann dem Bereich die nötige Kontinuität gewährleisten.»

Angstkultur und Misstrauen

Die grösste Sorge der Mitarbeitenden damals betraf eine Verschlechterung der Stimmung. Als zweimonatige Interimslösung konnten sie Mächler akzeptieren, aber als Chef? Wer schon länger mit dem Gedanken spielte zu kündigen, sah sich nach diesem Personalentscheid darin bestärkt.

Ein Jahr nach der Beförderung Mächlers herrscht Konsternation in der Abteilung Jugend, Familie und Sport, die rund 570 Mitarbeiter zählt und eine von fünf Teilbereichen des Erziehungsdepartements ist. Jetzige und ehemalige Mitarbeitende – die TagesWoche hat mit zehn Personen geredet – berichten von einem Klima des Misstrauens. Die Stimmung sei katastrophal – Mächler rüttle die Abteilung so durch, dass dies bis zu den untersten Hierarchiestufen spürbar sei. Eine Person, die unter Mächler gearbeitet hat, sagt: «Ich hatte Angst, Fehler zu machen, weil man dann von ihm vor allen fertiggemacht wird. Zudem fühlte ich mich auch bezüglich Kreativität zurückgebunden.»

Die Schwierigkeiten mit Mächler seien vor allem zwischenmenschlicher Natur. Das sagen alle. Von Angstkultur ist immer wieder die Rede, von Misstrauen. Er mische sich überall ein und achte penibel darauf, dass Formalitäten eingehalten würden. Was früher ohne Abteilungsleiter geklärt werden konnte, muss nun zwingend über Mächler laufen. «Er kennt sich wirklich sehr gut aus in der Abteilung. Er ist aber unangenehm kleinlich», sagt eine weitere Person, die mit Mächler arbeitet.

Innerhalb eines Jahres haben unter Mächler 22 Personen die Abteilung verlassen, zehn davon durch ordentliche Pensionierung. Gemäss dem Erziehungsdepartement bewegen sich die Kündigungen im ordentlichen Rahmen. Doch wer gehen kann, zögert nicht.

Mobbingvorwürfe in der Vergangenheit

Thomas Mächler ist in Basel kein unbeschriebenes Blatt. Bekanntheit erlangte er vor allem als unerbittlicher Kämpfer gegen das Basel Tattoo.  Jahrelang machte er als Präsident des Komitees «Heb Sorg zum Glaibasel» dem Militärmusikfestival das Leben schwer. Rekurs um Rekurs reichte er ein. Und hätte es wohl weiterhin getan, doch seine Beförderung war an eine Bedingung geknüpft: Mächler musste als enger Mitarbeiter von Regierungsrat Cramer seinen Widerstand gegen das Tattoo aufgeben, wie «Telebasel» damals berichtete.

Wie umstritten Mächler als Chef ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Seit 1998 arbeitet er im Erziehungsdepartement. Geholt wurde er als Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendpsychologie – die Heilpädagogischen, die Logopädischen und die Schulpsychologischen Dienste waren ihm unterstellt.

https://tageswoche.ch/politik/lohnkuerzungen-so-kleinlich-handelt-cramers-chefbeamter/

Es dauerte nicht lange, bis es knallte. Der damalige Leiter der Schulpsychologischen Dienste war ob seinem Chef Mächler so verzweifelt, dass er sich an die Ombudsstelle wandte. Und diese kam zum Schluss, «dass ein zermürbender Kleinkrieg» zwischen dem betroffenen Mitarbeiter und Mächler laufe, der sogar «Züge von Mobbing» trage.

Der Konflikt ging so weit, dass sich 1999 die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates mit dem Fall auseinandersetzen musste. Mehrere Mitarbeitende hatten sich zudem über Mächler beschwert. Die GPK hielt in ihrem Bericht vom 8. September 2000 fest: «Die Positionen sind so festgefahren, dass nur personelle Konsequenzen oder eine erneute Reorganisation eine Normalisierung der Beziehungen herbeiführen können.»

Die damalige Regierungsrätin Veronica Schaller bezeichnete die Mobbingvorwürfe der Ombudsstelle  zwar als «nicht belegt» und «deshalb nicht für nachvollziehbar». Trotzdem griff sie ein: Mächlers Chef-Stelle wurde aufgehoben, für ihn wurde im ED eine Stabstelle geschaffen. Dort war er bis zu seiner neuerlichen Beförderung.

Cramer relativiert

Conradin Cramer hält die Vorgänge in seiner Abteilung für nicht aussergewöhnlich.

«Von einem Arbeitsklima voller Misstrauen kann keine Rede sein. Was richtig ist: Ein Wechsel in der Bereichsleitung führt immer zu neuen Situationen, Abläufe werden überprüft und geändert, es kommt zu einem frischen Wind und das finde ich wünschenswert. Der Bereich Jugend, Familie und Sport ist hier keine Ausnahme. Auch hier kam es beim letzten Bereichsleiterwechsel zu einzelnen Äusserungen von Kritik. Ich begrüsse das, denn bei uns im ED soll man seine Meinung sagen dürfen. Aber noch einmal, das bewegte sich alles im normalen Rahmen, von Unruhen zu sprechen, ist völlig übertrieben.

Cramer wusste von Mächlers Versetzung und den Mobbingvorwürfen. «Dies alles hatte aber natürlich auf die 18 Jahre später eingegangene Bewerbung keinen Einfluss», sagt er. Die Bewerbung von Thomas Mächler sei nach allen relevanten Kriterien die beste gewesen. Die Mobbingvorwürfe seien zudem vom damaligen Regierungsrat und der Geschäftsprüfungskommission klar zurückgewiesen worden.

Mächler schweigt

Der betroffene damalige Mitarbeiter hingegen sagt, «das war ganz klar Mobbing» – er sei von Mächler schikaniert und sogar in der Lohnklasse zurückgestuft worden. Dass sich die Geschichte fast 20 Jahre später wiederholt und es unter Mächler wieder unruhig sei, erstaune ihn nicht.

Eine Person, die jetzt in der Abteilung Jugend, Familie und Sport arbeitet, sagt, es sei schwierig, unter Mächler zu arbeiten. Dieser möchte, dass alle Abläufe genau befolgt würden. «Er ist halt direkt und sagt sofort, wenn jemand einen Fehler macht, und stellt diese Person bloss.»

Eine andere Stimme aus der Abteilung sagt: Mächler sei kein Böser – aber er sei kein Chef. «Er ist auch nicht offen gegenüber neuen Ideen und erträgt keine starken Persönlichkeiten um sich herum. Er war in der Stabstelle bestens aufgehoben.»

Bis ihn Cramer wieder mit Macht ausstattete.

Thomas Mächler selber darf sich – wie es bei solchen Geschichten in der Basler Verwaltung üblich ist – nicht zu den Vorkommnissen äussern.

Konversation

  1. interessant Infos sind eigentlich im Subtext dieses Artikels zu finden. Da wurde offenbar für einen unmöglichen Mitarbeiter eigens eine Stabstelle geschaffen, in der er niemandem schaden kann. Und alle fanden das gut und richtig so. Wenn alle unnützen Stellen, die über die Jahrzehnte in allen Departementen geschaffen wurden, gestrichen würden, wären die „Spar“-vorgaben des Parlaments wohl locker erreicht und die Verwaltung würde nur gewinnen, wenn wenn diese ganzen kleinlichen Tyrannen mit ausgeprägter Beamtenmentalität endlich aus dem betrieb entfernt würden.

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  2. Es kommt oft vor, dass Beförderungen zur Überforderung führen.
    Es ist oft so, dass sich Vorgesetzte von Vorgesetzten täuschen lassen und nicht in Betracht ziehen wollen, dass Sie selber nicht über ihren Tellerrand sehen.
    Und ebenso oft geschieht es, dass Betroffene gegenüber Kritik und Veränderungen aus Prinzip Widerstand leisten.
    Der Vorgesetzte vom Vorgesetzten wäre gut beraten mit professioneller EXTERNER Unterstützung genau hinzuschauen. Und unter anderem bezüglich Führungs- und Sozialkompetenz beim besagten Vorgesetzten genauer hinschauen zu lassen.
    Sonst passiert das, was öfters passiert. Gute Mitarbeitende ziehen weiter. Krankmeldungen häufen sich.
    Leider geht es öfters viel zu lange bis Vorgesetze von Vorgesetzten handeln.
    Und je länger sie warten desto weniger tun sie weil man ja sonst fragen könnte, warum hat man das denn nicht früher gemerkt?
    Es gibt aufgrund des Prinzips PETER viele Vorgesetzte, die in ihrer Aufgabe bezüglich Sozialkompetenz völlig überfordert sind.
    Befördert aufgrund von Beziehungen und langjähriger Firmentreue und Fachkenntnissen sind , leider auch öfter, die wichtigsten Kriterien für Beförderungen.
    Und als Vorgesetzter von Vorgesetzten ist man doch nicht daran interessiert über den eigenen Tellerrand zu schauen. Man hat ja so viel zu tun….
    Geschätzter Vorgesetzter vom Vorgesetzten. Störungen haben Vorrang!

    P.S. Öfter kommt öfter vor, leider….

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