Neugestaltung des Landhofs belässt vieles beim Alten

Mit über zwei Jahren Verspätung bringt die Basler Regierung das Projekt für die Neugestaltung des Landhofs vor den Grossen Rat. Grund für die Verzögerung ist das geplante und umstrittene Quartierparking.

Der neue Landhof wird fast so aussehen wie der alte, wie dieser Bildvergleich zeigt: links das alte, rechts das neue Projekt (mit dem Cursor auf den weissen Punkt und hin- und herschieben):

Aber auch wenig Ding muss manchmal viel Weile haben:

  • 2010 hat die Stimmbevölkerung ein Überbauungsprojekt auf dem Landhofareal im oberen Kleinbasel bachab geschickt.
  • 2012 wurde ein Wettbewerb zur Neugestaltung des ehemaligen FCB-Stadions ausgeschrieben.
  • 2013 lag der siegreiche Vorschlag der Landschaftsgärtner Rotzler Krebs Partner aus Winterthur (mit Märkli Architekt, Zürich, und Philippe Cabane, Basel) für eine massvolle Umgestaltung zum Grün- und Freiraum vor.
  • 2015 legte die Stadtgärtnerei einen Ratschlagsentwurf vor.
  • 2018 wurde dieser Ratschlag von der Regierung verabschiedet.

Grund für die markante zeitliche Verzögerung sind Parkplätze. Beziehungsweise das Projekt eines Quartierparkings mit 200 Plätzen, das unter dem Areal entstehen soll. Nach Auskunft von Thomas Gerspach, Planungschef der Basler Stadtgärtnerei, musste das Grünraumprojekt deswegen sistiert werden.

Das nun vorliegende Gestaltungsprojekt kostet 8,3 Millionen Franken und lehnt sich stark am Ist-Zustand an. Das Fussballfeld bleibt erhalten – «als Zeitzeuge der Fussballgeschichte», wie es in der Mitteilung der Regierung heisst. Die baufällige Tribüne kommt aber weg. Sie wird durch einen Pavillon-Neubau ersetzt, in dem ein Gastronomiebetrieb, Sportgarderoben und Räume für die offene Kinder- und Jugendarbeit Platz finden werden. Möglichst wenig verändert wird an der überwachsenen Stehplatzrampe.

Gerspach hofft, im Frühling 2020 mit den Bauarbeiten beginnen zu können, sodass der neue Grünraum Mitte 2021 der Öffentlichkeit übergeben werden kann. Aber erneut könnte das umstrittene Quartierparking-Projekt den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung machen. In der Regierungsmitteilung heisst es dazu:

«Die Errichtung eines unterirdischen Quartierparkings unter dem Landhof kann unabhängig von der Umgestaltung erfolgen, wird aber nach Möglichkeit und bei Bedarf terminlich und bautechnisch koordiniert.»

Ein neuer Pavillon soll die baufällige Tribüne ersetzen.

Beim Quartierparking steht bis heute lediglich der Investor fest. Ein konkretes Projekt, geschweige denn eine Baubewilligung liegen noch nicht vor. Im dümmsten Fall müsste die Bevölkerung also noch weitere Monate auf die neugestaltete Grünfläche warten. Oder sich damit abfinden, dass kurz nach der Einweihung die Bagger erneut auffahren werden.

https://tageswoche.ch/gesellschaft/finger-weg-vom-landhof

Konversation

  1. Für einen Buchteil der Kosten, könnte man die alte Tribüne sanieren. Sie bietet in ihrem Innern viel mehr Raum als der geplante Neubau. Das Drumherum mit Sportplatz, Spielplatz und wild verwachsenen Stehtribünen ist gut, wie es ist – fragt die Kinder, wenn ihr’s nicht glaubt.

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  2. Das Quartierparking ist bzgl. Bauvergabe und Finanzierung einerseits eine undurchsichtige, anti-demokratische Angelegenheit, welche die Bevölkerung aussen vor liess, als auch insbesondere umweltpolitischer Stuss vom Allerfeinsten. Ich meine, wieso muss ausgerechnet für ein Auto-Parkhaus jetzt auch noch eine der letzten unversiegelten Flächen auf Stadtboden geopfert werden? Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!

    Gerne dürfte man in einem solchen Artikel auch auf etwas mehr als die Medienmitteilung der Regierung verweisen. Etwa auf die von Quartierbewohnern lancierte Petition (https://www.openpetition.eu/ch/petition/online/nein-zum-quartierparking-landhof), die eben jenes Parking verhindern möchte.

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