Rheingasse wird zur «Adväntsgass»

Die Boulevardisierung der Rheingasse schreitet weiter voran. Zum ersten Mal findet in der Adventszeit ein Weihnachtsmarkt statt – der gar keiner sein will.

Tino Krattiger von der IG Rheingasse präsentiert die Idee der «Adväntsgass», im Hintergrund wird der erste Stand aufgebaut.

(Bild: Benjamin Schmid)

Die Boulevardisierung der Rheingasse schreitet weiter voran. Zum ersten Mal findet in der Adventszeit ein Weihnachtsmarkt statt – der gar keiner sein will.

Eine richtige «Fress-Meile» stellen sich die Initianten der «Adväntsgass im Glaibasel» vor. «Kein Hüttchendorf mit Krämerständen, wo es nur Raclette und Glühwein gibt», sagt Mister Rheingasse Tino Krattiger. «Unser Konzept ist kein typischer Weihnachtsmarkt, sondern Multi-Kulti. So, wie die Gasse eben ist», ergänzt Anwar Frick von der «Fischerstube». 

Austern mit Champagner, Flammenkuchen, Glace, Glühbier, indisches Curry, brasilianische Hotdogs und heisser (!) Caipirinha: Das Angebot der Adventgasse sprengt den üblichen Rahmen eines Weihnachtsmarkts. Der einzige Non-Food-Stand ist der Weihnachtsbaumverkauf von Noemi Rutishauser.

Fast noch wichtiger als das kulinarische Angebot ist den Initianten aber das Kinderprogramm: «Es hat viele Kinder, die in der Umgebung der Rheingasse leben, nur sieht man sie nie», sagt Mitinitiantin Eva Matt. Genau diese Kinder werden jeweils am Mittwochnachmittag sowie am Wochenende bei Kutschenfahrten, Kleintier-Workshops des Circus Maus und Weihnachtsgeschichten unterhalten. Natürlich darf auch ein Santiglaus-Besuch am 6. Dezember nicht fehlen.

Bestnote für die Behörden – Zufriedenheit bei den Anwohnern

Tino Krattiger hat als Organisator des Kulturflosses langjährige Erfahrung im Umgang mit Bewilligungen und Behörden. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen bewertet er mit Note 6. «Wie beim Floss wurde zwar alles zuerst verboten, danach lief es aber wie am Schnürchen und uns wurde viel geholfen», sagt Tino Krattiger.



Die Weihnachtsbeleuchtung hängt seit Anfang Woche und bildet den optischen Rahmen der «Adväntsgass».

Die Weihnachtsbeleuchtung hängt seit Anfang Woche und bildet den optischen Rahmen der «Adväntsgass». (Bild: Otto Böhne)

Und auch vonseiten der Anwohner, die der zunehmenden Boulevardisierung der Rheingasse kritisch gegenüberstehen, gab es bis jetzt keine negativen Rückmeldungen. «Unser Konzept wurde zwei Mal einen Monat lang aufgelegt, Beschwerden dagegen gab es keine ­– daraus schliesse ich eine hundertprozentige Zustimmung», sagt Krattiger schmunzelnd.

Vorerst kein Mittagsangebot

Eröffnet wird die Adventsgasse am 25. November, danach ist sie unter der Woche von 16 bis 21.30 Uhr und am Wochenende bereits ab 11 Uhr geöffnet.

Die Idee, ihr Angebot auch über Mittag anzubieten, scheiterte zum einen an der zu erwartenden Flaute zwischen 14 und 16 Uhr. «Zum anderen ist es leider noch immer so, dass die 40-Tönner auch um 13 Uhr noch durch die Rheingasse donnern, da wäre gemütliches Beisamensein nur schwer umsetzbar», sagt Krattiger.

Theoretisch ist die Zufahrt in die Rheingasse seit Einführung des neuen Verkehrskonzepts Innenstadt ab 11 Uhr für den motorisierten Verkehr gesperrt, in der Praxis funktioniert das aber offenbar noch nicht.

Losgehts in der Adventsgasse am 28. November mit einer besonderen Premiere: Tausende Sportlerinnen und Sportler werden beim Basler Stadtlauf durch die weihnächtliche Rheingasse joggen.



Teilnehmer des Basler Stadtlaufs auf dem Weg in Richtung Rheingasse.

Teilnehmer des Basler Stadtlaufs auf dem Weg in Richtung Rheingasse. (Bild: Keystone)

Konversation

  1. Die Anwohner wurden überrumpelt, deshalb gab es keine negativen Rückmeldugen! Zudem ist man eingeschüchtert: Die IG Rheingasse weiss die Politik hinter sich. Als Anwohner kämpft man auf verlorenem Posten.

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    1. Es ist sehr interessant, was Sie uns hier berichten.

      Allerdings sind die wenigsten in der Lage zu verstehen, was tatsächlich geschieht.

      Ich (zumindest) wäre Ihnen dankbar, wenn Sie die Vorgänge näher erläutern könnten.

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  2. Tolle Idee, da kommen wir gerne vorbei. Danke für Dein Engagement, Tino Krattiger! Und danke an die Anwohner für eine grosszügige Haltung. Vielleicht ist ja ein Usestuehle der Rheingasse-Bewohner auch ein Teil des künftigen Konzepts?

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  3. Bravo Tino
    es wurde zeit es zu merken, ja ja und nochmals ja.
    es gibt noch kinder in und um die gasse.
    austern und die blötterli komme ich nur geniessen,
    wenn dies zugunsten der kinder geht, welche
    in der lärmgasse,milieu geschädigt aufwachsen müssen.

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