Von Emil bis Sophie Hunger: Kulturschaffende mobilisieren gegen die DSI

Noch nie haben so viele Schweizer Kulturschaffende ihre Fans mobilisiert, auf dass diese an der Urne ein «Nein» einwerfen: Von Emil über Carlos Leal und Hazel Brugger bis hin zu Martin Suter wenden sich Kulturschaffende mit kreativen Mitteln an ihre Follower, Leser, Hörer und Fangemeinden.

Noch nie haben so viele Schweizer Kulturschaffende ihre Fans mobilisiert, auf dass diese an der Urne ein «Nein» einwerfen: Von Emil über Carlos Leal und Hazel Brugger bis hin zu Martin Suter wenden sich Kulturschaffende mit kreativen Mitteln an ihre Follower, Leser, Hörer und Fangemeinden.

Der grosse Emil Steinberger gilt als gesellschaftskritischer, nicht aber vorderhand als politischer Kabarettist. Doch der jüngste Vorstoss der SVP lässt ihn, den Grandseigneur, nicht in Ruhe.

Emil gehört zu den Erstunterzeichnern von «Dringender-Aufruf.ch», einem Komitee gegen die Durchsetzungsinitiative. Er ist dort in bester Gesellschaft, gehören doch nebst Prominenten aus der Politik und Wirtschaft auch viele Kulturschaffende dazu. Darunter etwa der Sänger und Comiczeichner Manuel Stahlberger, die Künstlerin Pipilotti Rist, Rapper Stress oder Schauspieler Bruno Ganz. 

Den Aufruf haben mittlerweile 50’000 Menschen unterzeichnet. Für die Finanzierung von Plakaten und Inseraten wurde bereits mehr als eine Million Franken einbezahlt. Das ist bemerkenswert.

Besonders auffallend ist aber auch die Geschlossenheit und die politische Dringlichkeit, mit der sich Kulturschaffende öffentlich äussern und ihre Anhänger und Sympathisanten mobilisieren. Die Slam Poetin Hazel Brugger etwa wollte eigentlich etwas Lustiges schreiben auf Facebook. Stattdessen aber wandte sie sich besorgt an alle Wahlberechtigten:

Eigentlich wollte ich ja was Lustiges zur Schweizer Abstimmung vom 28. Februar schreiben. Ist aber gar nichts Lustiges…

Posted by Hazel Brugger on Wednesday, 10 February 2016

 

Auch Hip-Hopper, von denen man doch in den letzten Jahren behauptete, sie seien zunehmend unpolitisch (der Ausnahme-Greis bestätigte die Regel), melden sich reihenweise zu Wort. Mit Bildbotschaften, wie etwa der Solothurner Rapper Manillio:

Der Lausanner Schauspieler und Rapper Carlos Leal (Sens Unik) wandte sich mit einem eindringlichen Bild an seine Facebook-Follower:

Je suis CARLOS LEALJe suis un IMMIGRÉJe suis l’un de ceux qui aurait été EXPULSÉ de la Suisse si une loi telle que celle proposée par l’UDC avait existé dans le passé.

Posted by Carlos Leal on Thursday, 11 February 2016 

 

Die Bündner Breitbild haben eigens ein kleines Filmchen ins Netz gestellt. Darin teilen sie mit, dass sie ihr neues Album gerne in einem Rechtsstaat veröffentlichen würden:

Breitbild zur Durchsetzungsinitiative

Ihr seid über 7000 Menschen, die etwas bewegen können und wir glauben an euch. Teilen, Freunde!

Posted by Breitbild on Thursday, 11 February 2016

 

Im Anschluss an ihren Gewinn eines Swiss Music Awards wandte sich vor einigen Tagen auch Sophie Hunger an ihre Schweizer Fangemeinde. Und forderte diese auf, an die Urne zu gehen:

 

Posted by Sophie Hunger on Saturday, 13 February 2016

 

Regisseurin und Drehbuchautorin Güzin Kar wandte sich mit einer Nein-Kolumne ans Twitter- und «Tages-Anzeiger»-Bildungsbürgertum:

 Elia Rediger von The bianca Story appellierte an seine Facebook-Freunde und verwies auf einen Aufruf des Rappers Kutti Mc:

Ich ganz kurz… Hallo liebe Schweiz, was passiert nach der Durchsetzungsinitiative? Wir sollten längerfristig denken,…

Posted by Elia Rediger on Mittwoch, 17. Februar 2016

Für die Mobilisierung im analogen Raum taten sich fünf Schweizer Schriftsteller zusammen: Unter der Federführung der «Wochenzeitung» lancierten Martin Suter, Dorothee Elmiger, Pedro Lenz, Alex Capus und Melinda Nadj Abonji eine Plakataktion gegen die Initiative. Die Plakate waren in kürzester Zeit vergriffen.

Screenshot entrechtung.ch

Screenshot entrechtung.ch

Von Emil über Hazel und Kutti bis hin zu einem Martin Suter (der bisher – ganz anders als zum Beispiel Bärfuss und Lenz – selten mit politischen Statements von sich reden machte) spannen Kulturschaffende aller Sparten zusammen.

Gibt es denn niemand, der mit einem dezidierten JA dagegenhält?

Gibt es.

Chris von Rohr, Stirnbandrocker und Köppel-Laudatioträger, wirft immer wieder mit DSI-freundlichen Aussagen um sich, zuletzt im «Oltner Tagblatt». O-Ton: «Wenn der Richter nicht an die Abschreckung von Strafen glaubt, frage ich mich, warum er dann Richter und nicht Sozialarbeiter geworden ist?»

Mit dieser Kundgebung ist er allerdings allein auf weiter Flur. Bei allen anderen gilt weiterhin vehement: DSI Nein.

 

Konversation

  1. Kulturschaffende haben Narrenfreiheit

    Kulturschaffende haben Narrenfreiheit. Sie können ökonomische, rechtliche und allzumenschliche Rahmenbedingungen ausser Acht lassen und Karikaturen, also verzerrende, diffamierende, beschönigende und idealisierende Bilder schaffen ohne politische Verantwortung tragen zu müssen. Diese Bilder sind immer emotional aufgeladen, einseitig wie Kalendersprüche, unausgewogene Teilwahrheiten, oft lustig und unterhaltend, aber eben nicht sachlich abwägend.

    Ich bin froh, dass nicht Kulturschaffende unsere Politik gestalten, sondern Leute, die sich mit den vorgegebenen Realitäten seriös auseinandersetzen müssten.

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    1. @schneider

      während das volch seine angst-attacken in einer flut von struben initiativen zu ertränken sucht, gleichsam seinen irrationalen abwehrzauber zelebriert,
      braucht der wache geist schlicht nahrung.
      sonst verkümmert er.

      nicht sachlich,
      sinn-lich.

      (sogar in royalster gesellschaft gab’s die hofnarren – darf’s Ihrer meinung nach lieber die säkulare inquisition sein, die gesinnungskontrolle?)

      Danke Empfehlen (0 ) Antworten
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