Der FCB kämpft um sein müdes Stammpublikum

Immer mehr Fans bleiben dem St.-Jakob-Park fern. Dramatisch ist die Entwicklung nicht, zu denken gibt sie der Chefetage aber schon.

Leere Plätze im St.-Jakob-Park: Ganz so schlimm ist es nicht, wie hier vor dem Anpfiff der Champions League gegen Manchester City – aber der FC Basel verzeichnet einen Rückgang bei den Jahreskarten und jede Menge No-Shows.

Bei der jüngsten FCB-Veranstaltung im St.-Jakob-Park kam so ziemlich alles zusammen, was man sich beim FC Basel an widrigen Umständen für ein Heimspiel vorstellen kann: Ferien und ein Samstag vor der Fasnacht, obendrein Temperaturen am Gefrierpunkt und Schneetreiben. Dass das Dargebotene auf dem Spielfeld gegen den FC St. Gallen aus Basler Perspektive ähnlich unterkühlt war, kam unerwartet, ist aber eine andere Geschichte.

Die Lücken auf den Rängen dagegen waren keine Überraschung. 22’988 verkaufte Tickets wurden Mitte der zweiten Halbzeit verkündet. Tatsächlich anwesend werden kaum 15’000 Zuschauer gewesen sein. Zu der ohnehin hohen Quote an sogenannten No-Shows – also Jahreskartenbesitzern, die von ihrem Eintrittsrecht keinen Gebrauch machen –, kamen an diesem Februar-Samstag noch etliche mehr hinzu.

Exakte Zahlen und Statistiken möchte man beim FC Basel nicht nennen. In den Geschäftsberichten früherer Jahre war regelmässig von rund 7000 No-Shows pro Heimspiel in der Super League die Rede gewesen. Für das Jahr 2016 wurde unter der Überschrift «Markt- und Wettbewerbsumfeld» festgehalten: «Die No-Show-Quote ist relativ hoch und betrug im Schnitt 7600 Zuschauer, was 28 Prozent der verkauften Tickets entspricht.»

Aktuell bestätigt FCB-Medienchefin Andrea Roth: «Grundsätzlich können wir festhalten, dass die No-Show-Rate je nach Spiel bis zu 25 Prozent betragen kann. Dies ist in allen Fällen immer auch abhängig von Wetter, Ferienzeit, Feiertagen und Attraktivität des Gegners.»

Die Fans sind das Grundkapital

Grundsätzlich kann sich der FC Basel natürlich überhaupt nicht über das Commitment seiner Fans beklagen. Man leistet sich eine Jahreskarte und dies zu seit Jahren im Vergleich zu den Einzeltickets moderaten Preisen in den meisten Sektoren. Allerdings nimmt sich der Jahreskartenbesitzer auch heraus, seine Lebensplanung nicht komplett den Terminen des FCB unterzuordnen und sich im Zweifelsfall die Rosinen herauszupicken.

Für den Klub sind die Zuschauereinnahmen eine der wichtigsten Säulen, auf denen das Basisbudget aufgebaut ist. 28,5 Millionen Franken nahm der FCB 2016 durch Ticketverkäufe ein – einschliesslich der beiden Champions-League-Knüller gegen Paris St-Germain und Arsenal. Das machte 22 Prozent der Gesamterträge aus. Zum Vergleich: Durchschnittlich erzielen die zehn Vereine der Super League 6,7 Millionen Franken Einnahmen (33 Prozent der Gesamterträge) an ihren Ticketschaltern.

Rückgang um 7,5 Prozent auf den teuren Plätzen

Auch auf der Hospitality-Etage bleiben vermehrt Plätze frei. Vorige Woche machte der FCB via Website auf sein Angebot aufmerksam für Gäste, die bei ihm als «wichtige Personen» begrüsst werden. Wichtig nicht zuletzt deshalb, weil sie mit dem Preis, den sie für Sitz- und Parkplatz, Verpflegung und Drumherum berappen, eine wesentliche Einnahmequelle für den Klub sind. Von 3900 Franken für 18 Super-League-Heimspiele im «Warteck Box-Pub» bis zu 10’900 Franken für einen der 60 Plätze in der «J. Safra Sarasin Sky Lounge» reicht die Spanne.



Vergangenes Jahr verzeichnete der Klub einen Rückgang um 7,5 Prozent der verkauften Plätze in diesem Bereich, der erst in der Sommerpause 2013 modernisiert und neu strukturiert worden war. Mehr leere Plätze gibt es derzeit im grössten Bereich, der «Baloise Lounge» (5900 bis 9900 Franken).

Für den Rückgang gibt es Gründe. Jonas Blechschmidt, Leiter Stadion und Gastronomie beim FCB, führt etwa strengere Compliance-Regeln für Firmen ins Feld. Es ist heute nicht mehr so einfach, das Paket im Fussballstadion, mit dem man Geschäftspartner zum Spiel einladen kann, bei den Finanzbehörden als Betriebskosten geltend zu machen. Hinzu kommt, was man im Fussballboom, den Basel in den letzten eineinhalb Jahrzehnten erlebt hat, «Übersättigung» nennen könnte.

Schleichender Rückgang bei den Jahreskarten

So hat auch der Jahreskartenverkauf insgesamt eine leicht rückläufige Tendenz. Auf hohem Niveau, denn mit seinen 23’600 Dauerkarten im Jahr 2016 kann sich der FCB sehen lassen. Sowohl national, wo die Young Boys aktuell auf 11’680 Jahreskarten kommen, wie auch im europäischen Vergleich. Die 18 Bundesliga-Vereine weisen im Schnitt 24’400 Saisontickets aus.

Beim FCB ist der Schwund schleichend. Seit Eröffnung des St.-Jakob-Parks im Jahr 2000 hat er zwar jedes Jahr über 20’000 Dauerkarten abgesetzt. Seit 2014 (24’265 inklusive VIP-Plätze) ist jedoch ein Rückgang um sechs Prozent bis zum Jahr 2016 (22’825) zu registrieren.

Das hängt, wie Andrea Roth erklärt, auch damit zusammen, dass seit 2016 der Verkauf Anfang Jahr gestoppt wird. Der Klub registrierte mit der Teilnahme an der Champions League Jahreskartenkäufe von Leuten, die lediglich Interesse am bevorzugten Ticketbezug für die attraktiven Spiele haben – sich ansonsten aber nie im Stadion blicken lassen. Gleichzeitig versucht der FCB dadurch dem Graumarkt auf den Ticketportalen entgegenzuwirken.

Der FCB lockt mit Ticket auf Lebenszeit

Zu den weiteren Massnahmen, mit denen der FCB der No-Show-Rate Gegensteuer zu geben versucht, gehört eine Treueaktion. Unter den bis zum Ende dieser Saison am meisten genutzten Jahreskarten wird unter anderem ein Ticket auf Lebenszeit verlost. Einen Effekt verspricht man sich auch von einer neuen Einrichtung auf der FCB-App. Jahreskartenbesitzer können ihr Ticket nun per Smartphone für eine Partie und einen Dritten freischalten.

Die ungenutzten Jahreskarten verursachen nicht nur Lücken auf den Rängen, sondern wirken sich am Spieltag auch auf die Einnahmen aus. Für acht bis neun Franken, so rechnet Jonas Blechschmidt vor, konsumiert der Stadionbesucher durchschnittlich. Bei 18 Heimspielen summieren sich die Ausfälle auf rund eine Million Franken.

Als kleiner Trost bleibt da nur, dass die Sicherheitskosten über die tatsächlich anwesenden Zuschauer abgerechnet werden. 1,80 Franken pro Stadiongänger sind fällig.

Burgeners Versprechen

Eine «gewisse Sättigung bei den Zuschauern» hat der FCB in seinem Geschäftsbericht 2016 festgehalten, verfasst noch unter der alten Klubführung. Diese zu beeinflussen sei «schwierig»: Eine Verbesserung des Catering-Angebots und den «Einbau weiterer Identifikationsfiguren in den Spielerkader» werden dort als «zielführende Massnahmen» bezeichnet.

Die neue Klubführung hat sich Letzters auf die Fahnen geschrieben und tüchtig umgesetzt. Und der neue Mehrheitsaktionär und Präsident Bernhard Burgener denkt über No-Show-Quote und Zuschauerschwund hinaus. Er hat kürzlich in einem Interview sein Versprechen erneuert, die Eintrittspreise nicht verteuern zu wollen: «Nicht solange wir noch in jedem Meisterschaftsspiel 12’500 ungenutzte Tickets haben.» Dann wäre das Joggeli voll – und das hat es in der Super League, wo die Kapazität bei 37’500 liegt, schon ewig nicht mehr gegeben.

Der Geschäftsbericht 2016 der FC Basel 1893 AG

https://tageswoche.ch/sport/einfach-gewinnen/

Konversation

  1. Warum geht das anständige Fan – Publikum?
    Mit meinem 1o jährigen Sohn würde ich nie einen Matsch besuchen,
    da hat es zu viele gefährliche Charakter im Publikum.
    https://www.youtube.com/watch?v=5j6ZES_kF4A
    von wegen der kurve in Muttenz.
    Zudem haben einige Fussballer Schweizer die rote Line überschritten, er ist nicht der einzige:
    https://www.blick.ch/sport/fussball/international/bundesliga/nach-suff-crash-hsv-janjicic-drohen-fuenf-jahre-knast-id8029977.html
    Auch Sion, Constantin ein Heuhaufen voller Geld, kein Charakter…,
    er ist kein Vorbild für die Jugend und gehört Weggesperrt.

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  2. Noch einen Hinweis, lieber Christoph. Ab 1. Juli 2018 fährt Basel-Stadt ein neues Verrechnungsmodell. Dann wird nicht mehr pro Zuschauer verrechnet, sondern 50% der Gesamtkosten (abzüglich Basisdienstleistungen) bei Jahren mit CL-Beteiligung und 25% der Gesamtkosten (abzüglich Basisdienstleistungen) bei Jahren ohne CL-Beteiligung.
    In der logischen Konsequenz müsste also das veränderte Zuschauerverhalten auch einen Einfluss auf die Einsatzstunden der Polizei haben, sonst fährt der FCB mit dem neuen Verrechnungsmodell schlechter.

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