Der FCB und Urs Fischer trennen sich nach der Saison

Nur drei Tage nach dem grünen Licht für die neue Vereinsführung hat der FC Basel am Montagmittag bekanntgegeben, dass der Club die Zusammenarbeit mit Urs Fischer beendet und mit einem neuen Trainer in die kommende Saison geht. Wer der Neue sein wird, soll in den nächsten Wochen präsentiert werden. Ein naheliegender Kandidat findet sich in den eigenen Reihen: U21-Trainer Raphael Wicky.

Urs Fischer. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Kaum war die Meldung über die Sozialen Medien lanciert, ging der Server für fcb.ch am Montag kurz nach 12.00 Uhr für einen Moment in die Knie. Kein Wunder bei der Überschrift der Nachricht: «FCB geht mit einem neuen Trainer in die Saison 2017/18.»

Neben Cheftrainer Urs Fischer werden auch beide Assistenten Markus Hoffmann und Marco Walker die erste Mannschaft verlassen. Das ist nach einer langen Vorgeschichte keine Überraschung mehr.

https://tageswoche.ch/sport/urs-fischer-besser-als-sein-ruf/

Wer neuer Trainer des FCB wird, steht offenbar noch nicht fest. «Aber das muss jetzt schnell über die Bühne gehen», sagt Marco Streller, der als Sportchef Georg Heitz ablösen wird: «Gespräche mit Kandidaten haben noch nicht stattgefunden, das hat auch mit Anstand zu tun.»

Wie Streller erläutert, ist über Fischers Zukunft schlussendlich am Freitag an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung der Daumen gesenkt worden. Dort wurde das Konzept von Bernhard Burgener, der neuer Mehrheitsaktionär sowie Präsident beim FCB wird, von einer grossen Mehrheit gutgeheissen. «Mit dem Segen der Mitgliederversammlung ist der Entscheid definitiv gewesen», so Streller.

Der FC Basel attestiert Fischer in seiner Mitteilung «hervorragende Arbeit seit dem Amtsantritt im Sommer 2015». Seither coacht Fischer den FCB durchgehend auf Platz 1 der Super League und schickt sich gerade an, zum zweiten Mal Meister zu werden – für den FCB der achte Titel in Serie. Ausserdem hat der FCB den Cupfinal erreicht und kann am 25. Mai erstmals seit 2012 wieder die Sandoz-Trophäe an den Rhein bringen.

Mit Fischer blickt der FC Basel zudem auf die erfolgreichsten drei Saisonviertel in der Geschichte der Super League zurück:

Fischer – das Opfer der «kompletten Neuausrichtung»

Lediglich international blieb Fischer hinter den in der Öffentlichkeit hochgesteckten Erwartungen zurück. Er verpasste im ersten Jahr die Champions League, und es gelang ihm im zweiten nicht, direkt qualifiziert mit seiner Mannschaft grosse Stricke in der Königsklasse zu zerreissen. Das hat Fischer bis zuletzt verfolgt.

Von «höchstem Respekt» vor Fischers Arbeit ist die Rede, die Verantwortlichen – und damit sind in der Verlautbarung wohl die Neuen gemeint – sind jedoch zur Ansicht gelangt, «für die Umsetzung ihres Konzepts ‹Für immer rotblau› auch Akzente auf der wichtigen Position des Trainers setzen zu wollen».

«Wir haben eine komplette Neuausrichtung vor, es ist ein ganz grosser Umbruch im Verein», verdeutlicht Streller, «zu unserem klaren Bekenntnis zur Region Basel gehört die Förderung eigener Junioren und die Integration junger Spieler in die erste Mannschaft. Wir wollen wieder mehr Identifikation schaffen und auch eine attraktive Spielkultur fördern.»

Fischer kann Entscheid nachvollziehen

In dieses Anforderungsprofil passt Fischer nicht mehr. «Ich kann den Entscheid der designierten neuen sportlichen Führung nachvollziehen, sie will einen Neuanfang», wird Fischer im Communiqué zitiert. «Ich war seit Januar über den möglichen Führungswechsel informiert», entsprechend dürfte der Entscheid für den Trainer wenig überraschend kommen.

Der 51-Jährige sagt auch für seine Co-Trainer: «Es ist schade, dass es nun für uns zu Ende geht.» Der Ex-FCB-Profi Marco Walker (46) ist seit 2008 im Trainerstab tätig, und der Österreicher Markus Hoffmann (44) wurde im Januar 2012 unter Heiko Vogel Co-Trainer und verbrachte ein Jahr bei Spartak Moskau, ehe er zum FCB zurückkehrte.

Fischers ursprünglich bis Sommer 2017 datierter Vertrag hat eine Verlängerungsoption unbekannten Inhalts. Angesichts des Erfolgs, den Fischer mit dem FCB hat, kann davon ausgegangen werden, dass diese Option wirksam geworden ist. In diesem Fall wäre eine Abfindung fällig.

Raphael Wicky – ein heisser Kandidat

Ein Kandidat für das Trainerkarussell beim FCB findet sich in den eigenen Reihen: Raphael Wicky. Der Ex-Nationalspieler ist seit 2013 beim FCB, hat sich in der Juniorenabteilung seine Sporen abverdient und gilt schon seit geraumer Zeit als Kronprinz.

Der 39-Jährige trainiert derzeit die U21 in der 1. Liga Promotion und wäre beim Bekenntnis von Burgener, Streller und Co. zu Basel und zum selbst ausgebildeten Nachwuchs eine naheliegende Lösung.

» Raphael Wickys Leistungsdaten als Trainer

22.06.2015; Basel; Fussball Super League - Training Basel; Thomas Haeberli und Raphael Wicky im Gespraech mit Trainer Urs Fischer (Basel) (Andy Mueller/freshfocus)
Raphael Wicky (Mitte) unterhält sich mit Urs Fischer (rechts, daneben Talentmanager Thomas Häberli) – folgt an der Seitenlinie des FC Basel der Walliser auf den Zürcher? (Bild: Andy Mueller/Freshfocus)

Konversation

  1. Ich bin zu weit weg vom Fussball und hab erst gestern nach langer Absenz wieder einmal einen Match im Joggeli gesehen. Daran kann ich UF aber nicht messen.
    Generell ist es aber so, dass man als Fussballtrainer immer damit rechnen muss, entlassen zu werden, ausser man heisst Hizefeld oder Wenger…
    Deshalb bin ich gespannt, wer UF ersetzen wird, und wünsche ihm gleichzeitig alles Gute für die Zukunft. Ich bin sicher, er wird mit seinem Leistungsausweiss schnell wieder einen Job in Zürich oder in der Ostschweiz finden!

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  2. R Wicky hat nun schon einige Jahre im FCB Nachwuchs gearbeitet. Ist dort bei der Arbeit zentral dabei. Ist also ein Teil des FCB Konzepts und FCB Systems.
    Dort Erfahrungen gesammelt.

    UF ist Schweizerstammtischausbildung. Keine Dynamik. kein Mut. Kein Selbstvertrauen. Nichts neues.

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  3. Itten, Hunziker, Buess, Aratore, Muraz, Campo, Ajeti, Grippo, Siegrist, Cümart, Petretta, Salvi etc. sind sicher mind. so gut wie Traore, Calla, Bjarnason, Ivanov, Tembo, Fransson, Gaber und alle die wir wegen ihren Lichtleistungen schon wieder vergessen haben.

    aber eben Hauptsache gegen alles. auch wenns nicht stimmt oder falsch ist…
    classic

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  4. Auch im Sport gilt, was in der Wirtschaft und der Politik usus ist.
    Ein neuer CEO,ein neuer Präsident was auch immer… Zuerst wird das ‚alte‘ Kader ausgetauscht. Ansonsten kann man sich ja einen ‚hoffentlichen‘ Erfolg nicht auf seine eigene Fahne schreiben.
    Über ‚die vielfach eintretenden Misserfolge‘ redet man nicht.

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  5. Ich glaube Bewerbungen werden höchstens aus dem unteren Baselbiet angenommen. Und Beni Huggel wäre doch geil. Aber vielleicht wird ja auch gleich offiziell eine Interimsstelle für den Trainerposten geschaffen, so kann man schon den übernächsten Trainer Anfang Saison suchen.

    Oder wird sich an der Philosophie nun etwa auch was ändern?

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  6. Naja, soll das neue Team die Arbeit erst nach Ablauf der nächsten Transferperiode beginnen?
    Wenn die Weichen gestellt sind muss es auch konkret vorwärts gehen.

    Und eine klare Kommunikation ist doch schon mal eine gute Basis.

    Was mich eher irritiert ist die angebliche Regionale Lösung mit der Spekulation um Wicki. Oder geht nun nach dem misslungenen Imperialismus des Downtown Switzerland der Grossraum Basel plötzlich bis ins Wallis?

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