Die Ausflüchte des Holländers und ein hadernder Captain

Die Einzelkritik nach dem Startspiel: Der neue Stürmer Ricky van Wolfswinkel sucht beim Kunstrasen Gründe für die 0:2-Niederlage des FC Basel in Bern, kein Spieler des Meisters leistete etwas Besonderes beim Gipfeltreffen zur Saison-Ouvertüre und Blas Riveros erinnert auf der linken Abwehrseite an Adama Traoré.

Kein Duell auf Augenhöhe: Ricky van Wolfswinkel in der Basler Angriffsspitze lässt sich vom Berner Torhüter David von Ballmoos den Schneid abkaufen. (Bild: Freshfocus)

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Hatte keine Chance, den zweiten Gegentreffer zu verhindern, was beim ersten noch diskutabel war. Sulejmanis Freistoss war wunderbar an die Lattenunterkannte getreten – eine Augenweide, die dem Basler Goalie nicht gefallen konnte. Liess sich ansonsten kaum etwas zuschulden kommen, denn eines seiner Hauptprobleme war nicht ihm zuzuschreiben: Dem Tschechen fehlten in der Angriffsauslösung mit lediglich zwei Spielern direkt vor ihm oft die Anspielstationen, weswegen er mehrmals die Hände verwarf.

Michael Lang  |  rechter Aussenverteidiger

Auch der herausragende Spieler der letzten Saison blieb unter seinem Level – unter anderem im Torabschluss: Nach gut einer halben Stunde vergab er die beste Basler Chance, respektive: Der starke Berner Torwart-Debütant von Ballmoos machte sie zunichte und wehrte auch den nächsten Versuch des Rechtsverteidigers ab. Die kleine Nebengeschichte aus dieser Szene: Von Ballmoos verneinte auf Nachfrage des Schiedsrichters, den Ball berührt zu haben – die Fernsehbilder legen etwas anderes nahe.

Marek Suchy  |  rechter Innenverteidiger

War bei den langen Bällen der Berner meistens dem baumlangen Hoarau zugeordnet und hatte seine liebe Mühe, die Kopfballduelle gegen den Franzosen zu gewinnen. Sah kurz vor der Pause Gelb, weil er Assalé auf den Kunstrasen bodigte. Ordnete nach dem Systemwechsel als zentraler Innenverteidiger die Dreierkette – so gut es gegen die aufsässigen Berner eben ging.

Manuel Akanji  |  linker Innenverteidiger

Sprach nach dem Spiel von einer «sehr grossen Enttäuschung». Viel Anteil daran hatte er nicht, Akanji war einer der wenigen, die so etwas wie Normalform erreichten.

Zwei Nationalspieler nach der dritten Niederlage in Folge in Bern: Manuel Akanji am Boden und Tomas Vaclik.

Blas Riveros  |  linker Aussenverteidiger

Seine Leistung könnte man fast mit «Traoré» beschreiben: Gegen hinten hatte er zuweilen Mühe mit den schnellen Bernern, gegen vorne brachte er seine ganze Kompetenz ein: Mehrere seiner Flanken fanden den Weg zur Mitte (dort aber kaum Abnehmer) und sein Offensivdrang mündete zudem in einem Abschlussversuch aus der Distanz. Verliess aus taktischen Gründen in der 68. Minute den Plastik für Eder Balanta.

Taulant Xhaka  |  Defensiver Mittelfeldspieler

Sank nach der Partie in der Coachingzone nieder. Liess sich dort die dritte Auswärtsniederlage in Folge bei den Young Boys nochmals durch den Kopf gehen, was bei ihm grossen Frust ausgelöst haben musste: Er lief als Letzter in Richtung Muttenzerkurve, liess den Gruss zu den Fans dann mit hängendem Kopf aber aus. Hatte zuvor einen schweren Stand gegen den überragenden Sanogo.

Luca Zuffi  |  Defensiver Mittelfeldspieler

Trainer Wicky meinte auch Zuffi, als er sagte, dass vor dem ersten Gegentreffer «unser Defensivverhalten nicht gut war». Zuffi liess sich von Ravet etwas gar einfach umspielen und sah den Schlenzer in die untere rechte Ecke nur noch aus nächster Nähe, anstatt sich dem Abschluss in den Weg stellen zu können.

Enttäuschung allenthalben – Luca Zuffi (links) Ricky van Wolfswinkel (Mitte) und Marek Suchy nach der ersten Niederlage. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Mohamed Elyounoussi  |  rechter Flügel

Beim Norweger verdichten sich abermals Spekulationen um einen Transfer. Die Vorstellung in Bern kann er dafür kaum in die Waagschale werfen: Schien für einmal wertvoller gegen den Ball als in der Offensivbewegung. Sah Gelb für ein Foul an Sulejmani und verliess in der 68. Minute das Feld für Bua.

Matias Delgado  |  offensiver zentraler Mittelfeldspieler

Seine Körpersprache deutete darauf hin, dass er sich irgendwie unwohl fühlte, auch wenn er auf seiner angestammten Position hinter der Spitze spielte. Rotierte mit Xhaka und Zuffi im zentralen Mittelfeld die Positionen und fand sich immer wieder auf der in der Vorbereitung getesteten hintersten Position wieder. Sehr ungewöhnlich für den Fantasista: Sah bereits nach knapp vier Minuten die gelbe Karte für ein derbes Foul – der Preis für einen unterbundenen Berner Konter. Versuchte es nach 50 Minuten mit einem Weitschuss, scheiterte, und wurde in der 81. Minute für Kutesa ausgewechselt.

Renato Steffen  |  linker Flügel

Der Frust sass tief bei Steffen, als er Mbabu kurz vor Ende zwischen Hals und Schulter zu Boden riss. Nicht sein Spiel an alter Wirkungsstätte, ein Schlenzer war der einzige Abschlussversuch des Offensivakteurs in einem Spiel, auf das er ansonsten nur noch mit seinem schlechten Abwehrverhalten vor dem ersten Gegentreffer Einfluss nahm.

Ein Spiel zum Vergessen für Renato Steffen. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Ricky van Wolfswinkel  |  Angriffsspitze

Sein dritter Satz nach dem Spiel war: «Dieser Rasen geht für uns nicht.» Der neue FCB-Stürmer relativierte die Aussage zur künstlichen Unterlage später («Aber das sollte nach einer Niederlage kein Thema sein») – und Gründe für die Niederlage muss er ohnehin woanders suchen. Auch bei sich selber, denn zwar kam er drei Mal zum Abschluss, Gefahr für von Ballmoos’ Tor entstand dadurch kaum.


Kevin Bua  |  Angriffsspitze

Ersetzte in der 68. Minute Elyounoussi und spielte mit van Wolfswinkel in einem Doppelsturm.

Eder Balanta  |  linker Innenverteidiger

Kam in der 68. Mintue für Riveros und bildete zusammen mit Akanji und Suchy eine Dreierkette.

Derek Kutesa  |  offensiver zentraler Mittelfeldspieler

Wurde in der 81. Minute für Delgado eingewechselt.

Nicht eingesetzt: Salvi (ET), Serey Dié, Schmid, Calla

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