Ein Endspiel für den FCB

Einen Fehltritt in Winterthur und damit eine weitere Pleite mag man sich beim FC Basel gar nicht ausmalen. Der Achtelfinal im Schweizer Cup ist ein Charaktertest für eine Mannschaft, der Marcel Koller weiterhin ein lästiger Trainer sein will.

Den Spielern bildlich auf die Füsse stehen: Marcel Koller am Samstag im Letzigrund im Zwiegespräch mit Captain Fabian Frei. Im Cup-Achtelfinal in Winterthur erwartet der FCB-Trainer eine weitere Steigerung.

Marcel Koller sagt es ohne jede besondere Betonung: Ausscheiden aus dem Cup ist nie schön, man muss eine Enttäuschung verarbeiten und kann erst im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nehmen. Deshalb, auch das sagt er vor dem Cup-Achtelfinal am Mittwoch (20 Uhr) in Winterthur mit einer gewissen Gemütsruhe: «Es ist wie ein Finalspiel, das wir versuchen zu gewinnen.»

Der finale Anstrich der Partie in der dritten Runde definiert sich aus Basler Perspektive auch mit dem Blick auf die sonstigen weiteren Aussichten: In der Meisterschaft ist der FCB mit dem Auswärtssieg bei den Grasshoppers nach dem ersten Saisondrittel zwar auf Platz 2 klassiert, bei nüchterner Betrachtung reicht er jedoch nicht an die mit elf Punkten voraussegelnden Young Boys heran.

Der Cup ist somit das letzte titelträchtige Pflaster, auf dem sich der ehemalige Serienmeister bewegt. Bei einem Scheitern wäre er so früh in der Saison wie schon lange nicht mehr der grossen Ziele und Träume beraubt.

2011: Das letzte Ausscheiden gegen einen Unterklassigen

Das letzte Mal gegen einen unterklassigen Gegner ausgeschieden ist der FCB im März 2011 mit einer 1:3-Niederlage im Viertelfinal beim FC Biel. Damals, noch mit Thorsten Fink auf der Bank,  konnte er sich diesen Fehltritt leisten. Er hatte Champions League gespielt, war in die K.o.-Phase der Europa-League gekommen und stand als amtierender Meister nach 22 Runden vier Punkte vor dem FCZ an der Tabellenspitze und tat dies auch in der Schlussabrechnung.

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Jetzt wäre ein Aus in Winterthur ein weiterer Tiefpunkt in einer an Pleiten schon reichen Saison. Zweimal schon ist der FCB in K.o.-Spielen gegen nominell tiefer eingestufte Gegner ausgeschieden: unter Interimstrainer Alex Frei in der Qualifikation zur Champions League gegen Paok Thessaloniki und unter Koller in der Europa League gegen Apollon Limassol.

Finanziell hätte ein Ausscheiden kaum Auswirkungen. Im Schweizer Cup ist nichts Nennenswertes zu verdienen, und die aktuelle Jahresrechnung des FCB wird massgeblich getragen vom Füllhorn der Transferentschädigungen, die sich auf über 50 Millionen Franken belaufen.

Koller: «Ich stehe den Spielern auf die Füsse»

Koller macht andere Rechnungen auf. Er hat auch am Samstag, nach dem 3:1 in Zürich, daran erinnert, woran er mit der Mannschaft arbeitet: «Das Bewusstsein auf den Platz zu bringen, dass Fussball ein Laufspiel ist, dass man bis zum Schluss Aggressivität braucht; die Galligkeit, die Giftigkeit und die Kompaktheit – da können wir noch zulegen.»

Der Trainer will Emotionen auf dem Platz sehen, Spieler, die das Miteinander vorleben. «Das hat die Mannschaft bei GC lange Zeit gut gemacht. Aber um weiterzukommen, um wieder ganz vorne dabei zu sein, müssen wir das noch bewusster und noch konsequenter machen.» Und um dem Nachdruck zu verleihen, lässt er durchblicken, wie er mit den FCB-Profis umgeht: «Da bin ich dann auch lästig und bleibe dran. Ich stehe den Spielern auf die Füsse.»

Mit der Elf vom Sieg gegen GC

Der Mittwoch auf der Schützenwiese, wo rund 9000 Zuschauer erwartet werden, wird somit zu einem weiteren Charaktertest für Mannschaft wie für Trainer. Nicht nur mit Blick auf die jüngsten Cup-Begegnungen in Winterthur ahnt Koller: «Der Gegner hat einen Lauf, sie sind in der Meisterschaft vorne dabei und haben schnelle und quirlige Offensivspieler, die einem wehtun können. Es steht uns ein harter, ein heisser Fight bevor.»

Einen Grund, Spieler aus dem eigenen Kader zu schonen, hat Koller nicht. Es ist mit einer Aufstellung zu rechnen, die mit jener vom Samstag im Letzigrund identisch sein dürfte. Also mit dem umfunktionierten Taulant Xhaka als Innenverteidiger und dem umfunktionerten Eder Balanta im zentralen Mittelfeld. Eine Variante, die Koller dauerhaft ins Auge gefasst hat.

Mit Noah Okafor hat sich ein weiterer, zuletzt verletzter Spieler im Training zurückgemeldet, womit die Absenzenliste der Feldspieler auf Marek Suchy, Carlos Zambrano und Samuele Campo geschrumpft ist. Wie schon am Wochenende steht Goalie Martin Hansen aufgrund muskulärer Probleme nicht zur Verfügung.

Die Mannschaft wird am Mittwoch früh in Richtung Winterthur aufbrechen und ein Tageshotel beziehen. Was Koller abends sehen will, ist nicht nur ein Sieg zum Weiterkommen in die Viertelfinals vom kommenden Februar, sondern Fortschritte: «Die Mannschaft muss von Anfang an zeigen, was sie drauf hat und sich weiter steigern. Da spielt es keine Rolle, wer der Gegner ist, ob das Winterthur ist oder nächsten Sonntag Lugano.»

Der Achtelfinal FC Winterthur–FCBasel wird am Mittwoch ab 20 Uhr im Livestream auf cupplay.ch gezeigt. Der Schweizer Cup im Überblick.

Konversation

  1. Es tönt gut, wie Trainer Koller beschrieben wird. Ich kann nur schreien
    “ hopp Basel!!“ und hoffen die Mannschaft wird zu einem Team, das nur gewinnen will. Schlagt Winterthur nicht mit einem Goal Unterschied, sondern mindestens mit 3 Goals Unterschied. Das seid Ihr uns FC-Basel-Mitgliedern schuldig!! Ja, ook jij van Wolfswinkel!!

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