Eine hundsgewöhnlich schwierige Aufgabe für den FCB

Nach 18 Jahren kehrt Marcel Koller mit dem FC Basel an die Stätte seines ersten Triumphes als Trainer zurück. Und weil der FCB im Mittelfeld der Super League angekommen ist, versprüht er auch in St. Gallen nicht mehr die Aura und den Respekt früherer Tage.

Stolperstein: Dimitri Oberlin (oben) und der Sankt Galler Jordi Quintilla bei der 1:2-Heimniederlage des FCB zum Saisonauftakt am 21. Juli.

Zwei Themen beschäftigen die Sankt Galler: Zum einen die schwere Verletzung (Kreuzbandriss) von Cedric Itten. Sein Peiniger Fabio Daprelà vom FC Lugano wurde inzwischen von den Disziplinarrichtern für sechs Spiele aus dem Verkehr gezogen. Zum anderen die bevorstehende Rückkehr von Marcel Koller an den Ort, wo er im Jahr 2000 mit dem FC St. Gallen Schweizermeister und auf den Schultern durchs Espenmoos getragen wurde (siehe Video).

«Es waren drei wunderschöne Jahre», erinnert sich Koller, «es ist jetzt aber auch schon 18 Jahre her.» Immer mal wieder habe es Gespräche über eine mögliche Rückkehr an die alte Wirkungsstätte gegeben, erzählt der 57-Jährige. Gefunden hat man sich nicht, aber im Kybunpark werden ihm die Sankt Galler an diesem Samstagabend (19 Uhr) vermutlich einen warmen Empfang bereiten.

Es ist bis in die Ostschweiz durchgedrungen, dass es diesem FC Basel nicht läuft. Immerhin hat die Mannschaft von Peter Zeidler mit dem Last-Minute-Sieg zum Saisonauftakt (2:1) massgeblich dazu beigetragen. Sie hat damit quasi die Lawine losgetreten, die fünf Tage später zur Entlassung von Trainer Raphael Wicky führte. Gut zwei Monate und etliche sportliche Enttäuschungen später, stellt das «St. Galler Tagblatt» ganz unpolemisch fest: «Der FC Basel ist gewöhnlich geworden.»

In der Tabelle spiegelt sich das in einem fünften Platz, einen Punkt rangiert der FCB hinter dem nächsten Gegner. Er hat gemeinsam mit Sion die zweitdurchlässigste Abwehr, schlechter ist nur Aufsteiger Xamax. Und einen Auswärtssieg haben die Basler noch gar keinen heimgebracht.

Meistertrainer Marcel Koller – 2003 obsiegt er noch einmal mit den Grasshoppers – kann in diesen Basler Tagen immer wieder nur auf zwei Dinge verweisen: «Basel als Serienmeister – das ist Vergangenheit.» Und für die desillusionierte Gegenwart bedeutet das: «Arbeiten, um dorthin zu kommen, wo wir hinwollen. Aber auf Knopfdruck geht das nicht.»

Der Trainer fordert Gift und Galle

Nach dem ersten Saisonviertel und vor der nächsten Länderspielpause, in der der FCB elf Spieler abstellt, richtet sich Koller auf einen beherzt und offensiv zu Werke gehenden FC St. Gallen ein. Er verlangt von seiner Mannschaft mehr «Giftigkeit und Galligkeit» sowie eine klarere Chancenverwertung. Denn neben den zu vielen Gegentoren moniert Koller: «Wir brauchen zu viele Möglichkeiten, um Tore zu schiessen.»

An der Personalsituation ändert sich wenig: Eder Balanta hat seine Rot-Sperren abgesessen und dürfte neben Eray Cömert in die Innenverteidigung zurückkehren, womit Koller mit Fabian Frei eine Option in der Besetzung des Zentrums erhält. Verletzt fällt nach wie vor das Quintett Omlin, Suchy, Zambrano, Campo und Stocker aus. Und wie es sich einem hundsgewöhnlichen Gast bei einer Super-League-Auswärtspartie geziemt, sagt Koller: «Es wird ein schwieriges Spiel für uns.»

Rotblau aktuell

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