Eine Bewilligung für den Cupfinal steht weiter aus

Der FC Zürich, einer der beiden Finalisten, beginnt am Dienstag mit dem Vorverkauf der Tickets für das Endspiel gegen den FC Basel um den Schweizer Cup am Ostermontag. Knapp zwei Wochen vor Anpfiff lässt die Final-Stadt Bern mit ihrer Bewilligung des Spiels auf sich warten. Dass die Partie wie geplant im Stade de Suisse stattfinden wird, davon ist trotz Kampfrhetorik auszugehen.

Man muss beim Cupfinal ja nicht immer gleich an Randale denken: Luzerner Fan in der Berner Innenstadt vor dem Endspiel gegen den FC Basel am 16. Mai 2012. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Der FC Zürich, einer der beiden Finalisten, beginnt am Dienstag mit dem Vorverkauf der Tickets für das Endspiel gegen den FC Basel um den Schweizer Cup am Ostermontag. Knapp zwei Wochen vor Anpfiff lässt die Final-Stadt Bern mit ihrer Bewilligung des Spiels auf sich warten. Dass die Partie wie geplant im Stade de Suisse stattfinden wird, davon ist trotz Kampfrhetorik auszugehen.

Noch fehlt die Bewilligung der Stadt Bern für den Cupfinal am Ostermontag. Aber am Dienstagnachmittag wird der FC Zürich mit dem Vorverkauf seines Kontingents von rund 9000 Karten beginnen. «Wir planen fest mit Bern», sagte FCZ-Sprecher Patrick Lienhart am Montag.

Eine veritable Aufregung ist entstanden, nachdem am Freitag unter anderem die «Basler Zeitung» berichtet hatte, dass in Bern sogar eine Absage des Spiels in Erwägung gezogen worden sei.

Dem tritt Marco von Ah, der Sprecher des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), entgegen: «Der SFV hat nie ein Signal ausgesandt, dass der Final nicht in Bern stattfinden kann.» Eine Anfrage in Basel, ob der Cupfinal am Ostermontag im St.-Jakob-Park stattfinden könne, sei rein informeller Natur gewesen. Nicht damit gerechnet hat der SFV, dass diese Anfrage öffentlich wird.

Der erste Final in einem Konkordats-Kanton

Es seien, so von Ah, am Montag gegenüber der TagesWoche, «ein paar Sachen zu diskutieren, und das braucht Zeit». Denn der 89. Cupfinal im Berner Stade de Suisse ist das erste Endspiel, das in einem, wie es von Ah nennt, «Konkordats-Kanton» stattfinden soll. Dem Beitritt zum sogenannten Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen – vulgo: «Hooligan-Konkordat» – war vom Berner Stimmvolk am 10. Februar mit 78,2 Prozent zugestimmt worden.

«Es liegen ein paar Hausaufgaben auf dem Tisch», so von Ah. Am Montag lag dem SFV als Veranstalter des Endspiels allerdings noch keine Bewilligung vor. In Bern verweist Walter Langenegger, Leiter des städtischen Informationsdienstes, auf «laufende Gespräche».

Die komplizierten Gespräche

Die scheinen so kompliziert zu sein, dass 15 Tage vor dem Final noch immer nicht offiziell grünes Licht für den Final gegeben wurde. Beim FC Basel wird seit Freitag auf der Website darauf hingewiesen, dass mit dem Vorverkauf der Tickets – 40 Franken kosten diese im Fansektor, 120 Franken auf der Haupttribüne – erst nach deren Auslieferung durch den Verband und dann ausschliesslich online begonnen werden könne. Inzwischen wird von FCB-Sprecherin Andrea Roth der Mittwoch als voraussichtlicher Start des Ticketverkaufs genannt.

Schutt und Geröll

Einen Teil zur medialen Aufregung um die Bewilligung des Cupfinals trug ein anonymer Forumsbeitrag im Internet bei. Wie man auch damit umgehen kann, ist im Blog «Zum Runden Leder» nachzulesen.

Eine genauere Information über die Modalitäten ist auch auf der Website des SFV noch nicht verfügbar. Der Verband geht allerdings davon aus, dass der Ticketverkauf «vor allem über die Clubs abgewickelt wird». Rund 30’000 Plätze stehen im Stade de Suisse zur Verfügung, und die Einnahmen aus dem Cup-Endspiel zählen zu den grösseren Posten im SFV-Budget.

Aufgehängt wird der harzige Bewilligungs-Prozess nicht zuletzt am Cupfinal vor einem Jahr und einer Auseinandersetzung von einzelnen Fans des FC Basel und der Grasshoppers in der Berner Innenstadt. Zwar gibt es widersprüchliche Darstellungen der Ausschreitungen auf dem Weg ins Stadion, aber der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause legte anschliessend die Latte hoch, als er verkündete: «Das war der letzte Fanmarsch durch Bern.»

Der Marsch durch die Stadt – das Ritual der Fans

Was Nause bei seiner Aussage nicht einbezog: Gemeinsam vom Hauptbahnhof ins Stadion Wankdorf zu pilgern – das ist ein Ritual der Fans am Finaltag des Schweizer Cup – egal, welchem Club sie sich zugehörig fühlen. Ein Ritual, das in der Vergangenheit oft genug weitgehend friedlich ablief, wenn auch laut und mit Störungen etwa des öffentlichen Verkehrs verbunden.

Nun wird offenbar in den Gesprächen an einer Lösung gearbeitet, die dem harten Kern der Anhänger beider Clubs einen kollektiven Fussmarsch ermöglicht – und dem nicht zum ersten Mal übers Ziel hinausschiessenden Sicherheitsdirektor das Gesicht wahrt.

Zu den Vorbereitungen des Finals gibt es keine konkreten Anhaltspunkte. Thomas Gander von der Fanarbeit Basel, die in die Gespräche in Bern einbezogen ist, begründet das so: «Wir geben vorher grundsätzlich keine Einschätzungen zum Verlauf oder zur Vorbereitung des Spieltages ab. Damit nehmen wir uns absichtlich aus dem sich meist bewusst oder unbewusst hochschaukelnden Spiel von Mutmassungen heraus, da sich dies in letzter Konsequenz nur kontraproduktiv auswirken kann. Der Sinn unserer Arbeit ist zu deeskalieren und nicht zu eskalieren.»

Die Brisanz der Affiche

Die Affiche FCB-FCZ, die es in einem Cup-Endspiel letztmals in der ersten Hälfte der 70er Jahre gab, birgt sportliche Brisanz und findet vor dem Hintergrund zweier traditionell rivalisierenden Fangruppierungen als sogenanntes «Hochrisikospiel» statt, das einen erheblichen Einsatz von Polizei und Sicherheitskräften erfordern wird.

Aber auch solche brisanten Affichen haben in der Vergangenheit oft genug ohne grössere Ereignisse stattfinden können und müssen nicht zwangsläufig mit Randale verbunden sein. Von Basler Seite dürfte nach dem sogenannten Geisterspiel vorige Woche im Europacup erhöhtes Interesse – gerade auch der Muttenzerkurve – an einem weitgehend friedfertigen Ostermontag in Bern bestehen.

Manifest der FCB-Fanszene

Die Basler Fanszene hatte sich am Sonntag im Rahmen des Super-League-Spiels mit einer eigenen, in grosser Auflage verteilten Zeitschrift an die Fans im St.-Jakob-Park gewendet (online nicht verfügbar). Es ist eine Stellungnahme zu den Vorkommnissen in Salzburg, die zur drakonischen Strafe der Uefa führte. Eine bemerkenswerte Selbstbespiegelung der Kurve, die sich nur sehr selten mit gemeinsamer Stimme in der Öffentlichkeit äussert.

Das Papier trägt den Titel «Befreyigsschlag», ist in Teilen ein Manifest der Muttenzerkurve, aus dem die «Basler Zeitung» breitflächig zitiert.

Konversation

  1. Laut ihrem Profil sind sie ziemlich genau 20 Jahre älter als ich! Aber meine Grossmutter hat schon gesagt: „Je oller je doller“

    Oder anders gesagt: Alter schützt vor Torheit nicht.

    Ihr Kommentar ist an Indifferenziertheit und Ignoranz kaum zu überbieten.

    Freundliche Grüsse & Gute Besserung
    Sean

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  2. @ Lukas Leuthold: Und was gibt das bei Ihnen? Ist der Text ihre Diplomarbeit?

    Vielleicht gibt es den Befreyigsschlag nicht online, weil er sich an die Leute richten wollte die jeweils an die Spiele gehen und deswegen anders mit dem ganzen Thema konfrontiert sind – schon mal überlegt? Wer im Stadion war und die Broschüre nicht las oder mitnahm ist selber Schuld.

    Zum Artikel von Christoph Kieslich: Ist das nun das Glück des SFV, dass in Basel dieses Konkordat nicht eingeführt ist!? Aber ob es so schick ist für die FCZ-Fans sich ausgerechnet in der ‚geliebten-Geschwister-Stadt‘ Basel für den Final einzustimmen – ich bin mir nicht sicher. Der Cupfinal muss nach Bern und für Nause ist auch dieses Jahr zu empfehlen: Zuerst denken, dann reden. Sonst hat er noch mehr Mist – sein Gesicht hat er in meinen Augen schon vor längerem verloren.

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  3. … würde auch gleich zur Haarfarbe von Meyer passen 😉

    @Leuthold: Geisterspiele klar… am besten die ersten drei Cup-Runden 😉

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  4. … wär ich für pradoxe Intervention. extra für tschäppät und nause: ein einziger friedlicher fanmarsch ganz in oranje. ätsch.

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  5. als ob nause zu entscheiden hätte wo der cupfinal stattfindet. dumm wenn man(n) viel zu früh den mund viel zu voll nimmt.

    .

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  6. Sollte der Cupfinal doch in Bern statt finden und sollte es in dem Zusammenhang dann auch die angedrohten Krawalle geben, dann muss man für Züri und den FCB eben zur Strafe ein paar Geisterspiele ansetzen. Vielleicht sogar solche, die NICHT im TV gezeigt werden.

    Um das Risiko aus zu schliessen, wäre es allerdings auch denkbar, den Cupfinal gleich an einen unbekannten, geheim gehaltenen Ort zu verlegen: Lappland, Bali, Burkina Faso, Guantanamo …

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  7. Seltsam und bedauerlich, dass die Muttenzerkurve (MK) ihr Manifest „Befreyigsschlag“ online nicht verfügbar macht.

    http://bazonline.ch/basel/stadt/Der-Befreiungsschlag-der-MuttenzerkurveFans/story/14969489

    Als die BaZ gestern darüber berichtete, war das der meist gelesene Artikel. Die Empörung vieler Kommentarschreiber dort war hoch und prompt gab es auch MK-Sympathisanten oder – Mitglieder, die den kritischen Kommentatoren vorwarfen, den Text gar nicht zu kennen, den sie auf Grund des BaZ-Artikels kritisierten…

    Aber andererseits: Wer würde schon die ganzen 8 Seiten lesen wollen?

    Es fällt schwer, die Jungs der MK ernst zu nehmen. Zitat aus dem Manifest mit dem martialischen Titel, das mit 8 Seiten Länge vermutlich viel zu lang geraten ist, um selbst von den Mitgliedern der MK gelesen, geschweige denn verstanden zu werden. Auch kann man bezweifeln, ob der Inhalt und geistiger Gehalt so einen langen Text wirklich rechtfertigen können.

    Klar ist jetzt immerhin, da gibt es auch ein paar Gymnasiasten oder Studenten, wenn nicht gar Studierte in der MK, die sich beim Schreiben kaum einkriegen können, wenn es darum geht, das pöbelhafte und pubertär-unreife Verhalten der MK-Hoolgans sprachlich als Kultur zu überhöhen… Was wird das, wenn es fertig ist? eine Seminararbeit? Und wer hat`s geschrieben? Herr Gander himself? Oder der Hip-Hop-und Hooligan-vernetzte Berufsjugendliche Joel Gernet von der BaZ?

    Zitat: „So sehr wir wissen, dass unsere Positionen oftmals naiv wirken, so sehr sind wir davon überzeugt, dass wir damit längerfristig einen Beitrag zum Erhalt der Fankultur leisten.“
    „Fankultur“? Braucht man 8 Seiten um zu rechtfertigen, was das für die „bösen Buben“ der MK bedeutet? „Naiv“ ist nur der Vorname. Es ist dreist, was die sich herausnehmen. Dem Steuerzahler und auch dem FCB gegenüber.

    Schauen wir uns doch die Kennzeichen dieser „Fankultur“ mal an:

    Uniformes Auftreten mit
    – schwarze Kleidung
    – Vermummung
    – Sonnenbrille

    Uniforme Lautäusserungen
    – Lieder gröhlen
    – Kampfgeschrei
    – Hass-Äusserungen gegen Schiri, Polizei, Fans des Gegners

    Inbrünstigste Zugehörigkeits-Bekenntnisse
    – Fahnen, Transparente, z.T. fantastische Choreographien
    – Fast schon Religions-artige Treueschwüre
    – Gemeinschaftliches „Abstürzen“, also Saufen
    – Pyros, um den „Gottesdienst“ zu verschönern

    Organisierter und spontaner, militanter Vandalismus
    – Bedrohen von Menschen
    – Drohungen gegnerische Innenstädte „in Schutt und Asche zu legen“.
    – gegnerische Innenstädte effektiv in Schutt und Asche legen.
    – Sprayen und alles mit Rot-Blau anmalen, was nicht weglaufen kann.
    – Prügeln, Randalieren, Vandalisieren …

    etc…etc…
    Solches Verhalten hat es immer gegeben: In den 30er Jahren z.B. gab es von links und von rechts Partei- und Jugendgruppierungen, die auch nichts anders machten. Die hatten meistens eine rote Fahne, entweder mit Hammer und Sichel oder mit Hakenkreuz….

    Genau DARÜBER sollten die mal nachdenken in der MK, wo sich ein paar (nicht alle!) Jungs daneben benehmen und ihrem Club schaden, selbstverständlich OHNE Kampf-Kommunistische oder -faschistische Ideologie (NIEMAND sagt, Ihr seid Kommis oder Nazis!!!), aber ganz eindeutig mit einem sehr ähnlichen, martialischen, mackerhaften, einschüchterndem und ausgrenzenden Auftreten.

    Werdet erwachsen, übernehmt Verantwortung, hört auf Eurem heiss geliebten Club zu schaden. Grenzt die Gewalttäter in Euren Reihen aus! Schwafelt nicht von „Kultur“, wenn Ihr „Räuber und Poli“-Spielchen und „Zünseln“ meint. Sucht Euch ein sozialverträgliches Hobby und wenn Ihr „schlegeln“ wollt, dann macht Kampfsport in einem Kampfsportclub und missbraucht nicht den FCB als Alibi für Euren chauvinistischen Bullshit! Das ist keine Kultur, es ist unreifes Verhalten. Mehr nicht.

    Die Jungs der MK gefallen sich drin, in der Fussballwelt als „harte“ Fans wahr genommen zu werden. Ja, die gegnerischen Fans sollen zittern vor der „Macht“ aus Basel: Stark, gewaltbereit, unbeugsam! Selbst der „grosse FCB“ hat Euch nicht im Griff, was die Pyros angeht. Verbote werden missachtet, so fucking cool seid ihr nun mal: Die Wilden, die Unbezwingbaren, Unzähmbaren … …
    Das ist pubertäre kleine-Jungs-Romantik, das ist ein „Piraten-Spielchen“, das ist ein Zeichen für geistige Unreife oder gar Dummheit.

    Was die Pyros angeht: Natürlich denkt Ihr, Ihr könnt das Risiko entsetzlichster Verbrennungen beherrschen, so wie auch der debile Raser mit dem getunten Golf meint, dass er auch mit 160 in der Kurve das Auto noch im Griff haben könne…

    Selbstüberschätzung und eine falsche, ungenügende Einschätzung von Risiken ist etwas typisch Pubertäres. Fragt einen Mediziner: Es liegt an der noch nicht abgeschlossenen physischen Entwicklung des Gehirns, die erst mit etwa 22 zu Ende ist (bei einigen Säufern aber natürlich schwer behindert wird)…
    Es fehlen einfach noch gewisse Synapsen da oben und der präfrontale Kortex des Gehirns (gleich hinter der vermummten Stirn), wo die Risikoabschätzung und der vernunftorientierte Verstand sitzen, ist noch nicht gut genug entwickelt und vernetzt. Also herrschen bei Teenies zu oft „dumme“ und riskante, unüberlegte Gefühlsentscheidungen vor. (Versicherungen wissen das und auch Auto-Verleiher, weshalb man Mietautos meist erst mit 21 kriegt.)

    Also: Die MK kurz zusammengefasst:
    Zuviel Gefühl, zuviel Ego und Selbstüberschätzung, zuviel Körperkraft, zuviel Chauvinismus, zuviel Langeweile, zuviel Zerstörungswut …
    Aber eindeutig zuwenig Verstand. Daran ändern auch 8 Seiten pseudo Sozio-ethno-intellello Geschwafel überhaupt nichts.

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