Höchste Niederlage und ein Appell an die Leidenschaft

Der FC Basel verliert in der 35. Runde gegen den FC Zürich vor offiziell 11’135 Zuschauern im Letzigrund mit 1:4 (0:0). So viele Gegentore haben die Basler bisher nur in der Champions League gegen Manchester City kassiert – und Trainer Raphael Wicky warnt schon jetzt, dass es nächste Saison schwierig wird, «wenn wir nicht 100 Prozent Leidenschaft und Disziplin abrufen können».

Einsamkeit eines Torhüters nach vier Gegentreffern: So oft wurde FCB-Goalie Tomas Vaclik in dieser Super-League-Saison noch nie bezwungen.

Nicht zum ersten Mal in dieser Saison mussten die Profis des FC Basel das kleine Spiel ihrer mitgereisten Fans erdulden. Die Mannschaft stand nach Abpfiff im Zürcher Letzigrund vor ihrem Anhang, und dieser bestrafte sie mit Schweigen, eine Minute lang, vielleicht zwei, bis irgendwann doch noch der Applaus einsetzte. Aber die Message war klar: Die Fans waren unzufrieden mit dem Auftritt ihrer Mannschaft.

Kein Wunder, hatte der FC Basel die Partie der 35. Runde gegen den FC Zürich doch gleich mit 1:4 verloren, so hoch wie kein anderes Spiel dieses Championats. «Es geht in die richtige Richtung, aber wir haben auch gesehen, dass es so nicht geht», sagt Innenverteidiger Fabian Frei nach der ersten Basler Niederlage seit der 25. Runde und der siebten insgesamt.

Erst in der Nachspielzeit erzielte Albian Ajeti den einzigen Treffer für die Rotblauen. Er steht damit bei 16 Ligatreffern, sein Konkurrent Nummer 1 um die Torjägerkrone, Guillaume Hoarau, hat 15 Tore auf seinem Konto.

Ajeti hätte vor offiziell 11’135 Zuschauern mehrere Möglichkeiten gehabt, sein Konto weiter zu äufnen. Doch wie Luca Zuffi in der ersten Halbzeit sowie Samuele Campo bei seinem Lattenschuss aus rund 40 Metern und Dimitri Oberlin in der zweiten, agierte der 21-Jährige bei seinen Abschlüssen glücklos. «Wir waren kämpferisch nicht parat», sagt Ajeti.

Lausanne steigt ab und YB erhält den Pokal

Weit besser lösten die Zürcher ihre Sache in der Offensive und gewannen erstmals seit 2013 wieder ein Ligaspiel gegen den FC Basel. Raphael Dwamena traf kurz nach der Pause, Pa Modou legte nach einer Stunde nach, Michael Frey machte in der 83. Minute mit dem 3:0 alles klar und der eingewechselte Antonio Marchesano sorgte mit seinem prächtigen Weitschusstor in der Nachspielzeit für den Kirschenmoment der Partie.

Wegen des klar besseren Torverhältnisses sichern sich die Zürcher mit diesem Sieg den vierten Platz vor dem FC St. Gallen. Ebenfalls an diesem Nachmittag erhielten die Berner Young Boys im Stade de Suisse den Meisterpokal und fiel die letzte Entscheidungen der Super-League-Saison 2017/18: Lausanne steht als Absteiger fest, nachdem die Partie gegen den FC Thun beim Stand von 2:0 für die Berner Oberländer abgebrochen wurde, weil Lausanner Fans den Rasen auf der Pontaise gestürmt hatten.

Szenen auf den anderen Plätzen: Die Young Boys erhalten den Meisterpokal und in Lausanne (mit dem Basler Leihspieler Alexander Fransson, rechts) werfen Fans Pyros auf den Rasen. Später stürmen die Fans den Platz des Absteigers. 

Marco Walkers letztes Auswärtsspiel

Zum letzten Mal auf dem Rasen in einem gegnerischen Stadion stand an diesem kühlen Sonntagnachmittag Marco Walker, der Basler Konditions- und Assistenztrainer. Zumindest für den FC Basel, den er Ende der Saison verlassen wird. Der 49-Jährige suche «eine neue Herausforderung, bei der er mehr Verantwortung übernehmen kann», schreibt der Verein.

Seit 2009 stand Walker im Dienst der ersten Mannschaft, mit einem Unterbruch in der Saison unter Cheftrainer Paulo Sousa, als Walker im Nachwuchs des FCB arbeitete und zu Saisonschluss noch einige Tage Assistenztrainer beim FC Biel war. Wo es Walker hinzieht, ist ebenso ungeklärt wie die Frage, wer ihn beim FC Basel ersetzen wird. Die Abschiedsvorstellung in seinen traditionell kurzen Hosen gibt Walker am Samstag bei der Saisonderniere (19 Uhr) gegen den FC Luzern im St.-Jakob-Park.

Trainer-Monologe: «Es wird auch nächste Saison schwierig werden, wenn wir nicht 100 Prozent Leidenschaft und Disziplin abrufen»

Raphael Wicky, Trainer FC Basel: «Nach diesem Spiel bin ich nicht zufrieden, auch wenn klar war, dass es nicht so weitergehen konnte wie in den letzten drei Spielen mit 15 Toren. Die erste Halbzeit war nicht flüssig, und trotzdem steht es 0:0 in der Pause. Mich ärgern vor allem die ersten beiden Tore, diese Szenen werden wir intern anschauen, weil Dinge nicht umgesetzt worden sind, die wir besprochen hatten.

Nach dem 2:0 hatten wir Chancen, das Spiel hätte auch 4:3 ausgehen können. Fakt ist, dass es auch nächste Saison schwierig werden wird, wenn wir nicht 100 Prozent Leidenschaft und Disziplin abrufen können.»

Ludovic Magnin, Trainer FC Zürich: «Die erste Halbzeit war sehr ausgeglichen. Es gab eine Schlüsselszene: Wenn entweder Samuele Campo oder Dimitri Oberlin ihre Chance verwerten, wenn da das 2:1 kommt, dann hätten lange Minuten auf uns gewartet.

Wir haben heute dynamisch gespielt und schnell umgeschaltet, zudem haben unsere zwei Stürmer einen guten Job gemacht. Mit diesen Punkten haben wir den vierten Platz gesichert und können uns jetzt auf den Cupfinal konzentrieren.»

Die Aufstellung: Manzambi spielt für Lang

Im Vergleich zum 5:1-Sieg gegen die Young Boys veränderte Raphael Wicky sein Team auf drei Positionen: Neftali Manzambi ersetzte auf der rechten Abwehrseite Michael Lang (auf der Bank), in der Innenverteidigung spielte Eder Balanta für den verletzten Marek Suchy und auf dem rechten Flügel kam Kevin Bua für Valentin Stocker (nicht im Aufgebot wegen der vielen Einsätze in den letzten Wochen) zum Einsatz.

In der Pause wechselte Wicky Raoul Petretta für Luca Zuffi ein. Petretta übernahm Zuffis Part im zentralen Mittelfeld.

FC Basel (4-2-3-1): Vaclik – Manzambi, Frei, Balanta, Riveros – Serey Dié (78. Pululu), Zuffi (46. Petretta) – Bua (66. Oberlin), Campo, Elyounoussi – Ajeti.
Bank: Antonio (Tor), Lacroix, Lang, Petretta, Okafor, Pululu, Oberlin.

FC Zürich (3-1-4-2): Brunner – Thelander, Brunner, Kryeziu – Palsson – Rüegg, Domgjoni (77. Sarr), Aliu (46. Marchesano), Pa Modou – Frey, Dwamena (86. Odey).
Bank: Antonio (Tor), Lacroix, Lang, Okafor, Oberlin, Petretta, Pululu.

Das Aufwärmprogramm

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https://tageswoche.ch/sport/wicky-ueber-dimitriou-er-ist-ein-zukunftsprojekt-wir-werden-ihm-zeit-geben/

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