0:2 gegen die Young Boys: Ein inferiorer FC Basel vergibt den ersten Titel

Der Titelverteidiger FC Basel scheidet im Halbfinal des Schweizer Cup aus. Er unterliegt den Young Boys vor 23’519 Zuschauern im Stade de Suisse wegen zweier Tore nach der Pause. Guillaume Hoarau bringt die Berner mit einem von Dimitri Oberlin verursachten Handspenalty in Führung (55. Minute), Marek Suchy trifft zehn Minuten später ins eigene Tor – und man fragt sich, wie die Basler gegen dieses Bern die zwei Spiele in der Meisterschaft gewinnen wollen.

Jubel nach dem 1:0 – die Berner legen dank des verwandelten Elfmeters von Guillaume Hoarau den Grundstein zum Finaleinzug.

Raphael Wicky hielt es nach dem Schlusspfiff keine drei Minuten auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse. Der Trainer des FC Basel wollte nach der Niederlage den Ort des Geschehens so schnell wie möglich verlassen. Und die Kälte war noch nicht mal der Grund. Mit der Enttäuschung des ausgeschiedenen Titelverteidigers marschierte er in die Kabine, während sich sein unterlegenes Team noch die Mühe machte, sich von den rund 1200 mitgereisten Basler Fans zu verabschieden.

Sekunden später schlich auch die Mannschaft in Richtung der Umkleideräume. Vorbei an den Young Boys, die sich im Mittelkreis vor 23’519 Zuschauern versammelten und tanzend den Einzug in den Cupfinal feierten, während der Stadionsprecher feierlich die Namen jener Spieler herunterlas, die dem Berner Fussballanhang den 14. Cupfinal schenkten.

Die Young Boys haben am 27. Mai entweder gegen GC oder den FC Zürich die Möglichkeit, zum siebten Mal den Schweizer Cup zu gewinnen. Und im Moment sieht es danach aus, als ob sie dann auch um das Double spielen werden. Denn nach diesem Halbfinal darf man sich die Frage stellen, wie der FC Basel die zwei Partien in der Meisterschaft gegen YB gewinnen soll, um doch noch eine Chance auf den anderen Titel zu haben.

Berner fast in allen Belangen überlegen

Die Berner waren den Baslern fast in allen Belangen überlegen. Sie waren körperlich robuster, sie waren gegen den Ball zupackender, sie hatten das bessere zentrale Mittelfeld und sie waren oft schneller. Sogar Dimitri Oberlin, der Basler Sprinter schlechthin, verlor Laufduelle gegen Djibril Sow – auch dann, wenn dieser den Ball am Fuss hatte.

Zudem konnte sich YB auf seine Innenverteidiger verlassen. Kasim Nuhu agierte stark mit Kopf und Fuss und sein Partner Steve von Bergen so fehlerfrei, wie man das von ihm in dieser Saison gewohnt ist. Derweil unterliefen den Baslern Innenverteidigern entscheidende Missgeschicke. Wie Léo Lacroix nach etwas mehr als einer Stunde den Ball vor dem 2:0 verlor, war unzulänglich. Kevin Mbabu, der überragende rechte Aussenverteidiger der Berner, flankte, und Marek Suchy, der andere Basler Innenverteidiger, traf per Kopf ins eigene Tor.

Es lief die beste Phase der Berner, die zu diesem Zeitpunkt bereits 1:0 in Führung lagen. Zehn Minuten nach der Pause lenkte Roger Assalé einen eigentlich ungefährlichen Freistoss Miralem Sulejmanis ab, der Ball sprang Dimitri Oberlin im Strafraum an den Arm. Die Basler können sich über den Elfmeterpfiff nicht beklagen – und die Berner sich bei Guillaume Hoarau bedanken, dass dieser zum 23. Mal für YB einen Penalty verwandelte.

Guillaume Hoarau trifft zum 1:0 – Tomas Vaclik ist zwar in der richtigen Ecke, der Schuss aber zu präzis.

Basel bringt in der Offensive kaum etwas zustande

Die Sicherheit von Hoarau aus elf Metern steht stellvertretend für das, was den Baslern im Moment nicht gelingen will: Zählbares in der Offensive. Michael Langs Schuss war rund 20 Minuten vor Spielende der erste Ball auf das Berner Tor. Marco Wölfli hielt, ansonsten war der YB-Schlussmann zumindest bei Torabschlüssen nicht gefragt.

Ricky van Wolfswinkel war als zentraler Stürmer in einer 3-4-3-Grundordnung eine Enttäuschung; Valentin Stocker verlor auf der linken Seite gegen Mbabu ein Duell nach dem anderen; Oberlin wirkte einmal mehr unklar in seinen Aktionen und für einmal konnte er auch seine Schnelligkeit kaum einmal ausspielen.

Während Tomas Vaclik mehrmals eingreifen musste und er zudem einen Berner Versuch an die Latte seines Tores fliegen sah, verpasst der FC Basel auch wegen seiner Offensivschwäche den Einzug in den 22. Cupfinal der Clubgeschichte, im 32. Cup-Halbfinal. Weiter geht es in der Meisterschaft am Samstag im St.-Jakob-Park gegen den FC Zürich (19 Uhr).

Die Trainer-Monologe: «Das ist bitter für uns»

Raphael Wicky, Trainer FC Basel: «Wir erlebten das erwartet schwere und intensive Spiel. Am Schluss hatte YB sicherlich mehr Offensivaktionen, mehr Offensivpower, sie haben sich den Einzug in den Final verdient. Es ist bitter für uns, wie die Niederlage entstanden ist. Bis zum Penalty hatten wir keine gefährlichen Offensivaktionen, das ist zu wenig. YB hat den Sieg sicherlich verdient, auch, weil sie gut verteidigt haben. Wir sind kaum hinter ihre Abwehrkette gekommen. Wir waren auf den letzten 35 Metern einfach zu wenig präzis. Ich bin aber nach wie vor der Überzeugung, dass nicht viel fehlt.»

Adi Hütter, Trainer Young Boys: «Ich denke auch, dass es ein verdienter Sieg war, in einem für die kalten Temperaturen tollen Spiel, weil wir über 90 Minuten wenig zugelassen haben. Mich als Trainer erwärmt das. Das 1:0 war etwas glückhaft, mit dem Handspiel vor dem Elfmeter, das zweite war dann ein Eigentor. Aber auch das gehört halt zum Fussball dazu. Das 2:0 war sicherlich der Knackpunkt. Es freut mich unglaublich, dass wir vor dieser Superkulisse in den Final eingezogen sind. Ob der Sieg ein psychologischer Vorteil ist für die Meisterschaft, kann ich nicht beantworten. Wir sind im Final, das ist Fakt. Aber wir haben noch nichts gewonnen, das ist auch ein Fakt. Ich glaube aber daran, dass wir Meister werden können, wenn wir so spielen wie in den letzten Wochen.»

Die Aufstellung: Wicky versucht es mit einem 3-4-3

FC Basel (3-4-3): Vaclik – Xhaka (65. Elyounoussi), Lacroix, Suchy – Lang, Serey Dié, Zuffi, Petretta – Oberlin, van Wolfswinkel (82. Bua), Stocker (74. Campo).

Die Basler Bank: Salvi (Tor), Frei, Ajeti, Riveros.

Young Boys (4-4-2): Wölfli – Mbabu, Nuhu, von Bergen, Benito – Fassnacht (77. Lotomba), Sow, Sanogo, Sulejmani (87. Ngamaleu) – Hoarau, Assalé (90. Bertone).

Die Berner Bank: Letellier (Tor), Nsame, Aebischer, Wüthrich.

Das Aufwärmprogramm

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