Nach 23 Minuten ist alles vorbei: Der FCB unterliegt Manchester City 0:4

Überraschend ist es nicht, dass der FC Basel im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League dem schillernden Manchester City nicht gewachsen war. Am Ende kann der Schweizer Meister froh sein, die höchste Heimniederlage seiner Europacup-Geschichte abgewendet zu haben. Fest steht auch: Hypothesen für das Rückspiel am 7. März muss man nun keine mehr aufstellen.

Bald einmal nach dem Seitenwechsel, Ilkay Gündogan hatte unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw mit seinem zweiten Treffer des Abends, einem Prachtsexemplar von Weitschuss, gerade ein bisschen Werbung in Sachen Nationalmannschaft betrieben, da ging es im St.-Jakob-Park eigentlich nur noch um die Frage: Wird der FC Basel die höchste Heimniederlage im Europacup noch abwenden können? Sich diese Schmach ersparen?

Man darf der bedauernswerten Mannschaft von Raphael Wicky attestieren: Das immerhin hat sie geschafft. Sie hat sich nicht gehen lassen, obwohl sie von Manchester City zerzaust worden ist. Innert neun Minuten erzielten die Engländer drei Tore, und nach 23 von 180 Minuten dieses Achtelfinals war dieses Duell bereits entschieden.

Der FC Basel, das war nicht überraschend, in dieser Deutlichkeit jedoch schmerzhaft, war dem Starensemble in jeder Hinsicht unterlegen. Gündogan traf in der 14. Minute mit einem Kopfball auf einen De-Bruyne-Eckball; Fabian Frei, seinem Gegenspieler, blieb nach der Partie nur, den Fehler einzuräumen.

Sehr einfach fielen den Engländern auch die beiden nächsten Tore in den Schoss. Léo Lacroix verlängerte nur vier Minuten später eine Flanke auf den Fuss von Bernardo Silva, der mit einem technisch feinen Dropkick den Ball über Tomas Vaclik zirkelte. Dann setzte sich Fernandinho leichtfüssig gegen drei Basler durch, Startelf-Debütant Lacroix agierte erneut unglücklich, und Sergio Agüero, die personifizierte Tormaschine der Citizens, traf mit einem trockenen Flachschuss aus 22 Metern, bei dem Vaclik nicht einmal mehr Anstalten machte, den Ball zu erreichen.

Oberlins Chance und das elfmeterwürdige Foul

Die Basler können für sich reklamieren, dass sie die erste Chance des Spiels besassen, als Dimitri Oberlin mit einem weiten Zuspiel von Blas Riveros allein vor Ederson auftauchte, mit diesem Ball jedoch nichts anzufangen wusste. Oberlin war es auch, den Nicolas Otamendi im Strafraum auflaufen liess. Der schwedische Schiedsrichter Jonas Eriksson schien für einen Moment zu zögern, sanktionierte das Foul jedoch nicht.

Kräfteverhältnisse, übersetzt in Zahlen: Links der FC Basel, rechts Manchester City.

«Für mich war das ein klarer Penalty», meinte der Oberlin hinterher. Eine Einschätzung, der sich sein Trainer anschloss: «Das ist auch schon gepfiffen worden.» Da waren zwölf Minuten gespielt. Anschliessend nahm das Unheil für den FCB gegen ein ebenso fussballerisch begnadetes wie gnadenlos effizientes Manchester City seinen Lauf. 36’000 Zuschauer im ausverkauften St.-Jskob-Park staunten, und die Muttenzerkurve sang dazu unentwegt bis zum bitteren Ende.

Abhandengekommene Automatismen

Der FCB konnte nicht kaschieren, dass ihm über eine Winterpause hinweg mit tiefen Eingriffen in Kader und Hierarchie der Mannschaft ein paar Automatismen abhandengekommen sind. Zugriff auf die sich in den Zwischenräumen tummelnden Citizens bekamen die Basler kaum, auch ein Geoffroy Serey Dié nicht, und dass Wicky zur Pause Frei zurückzog in die Abwehr und dafür Xhaka ins Mittelfeld beorderte, ist aussagekräftig genug. 

Aber immerhin: Weil sie nicht den Kopf verloren und weil Manchester nach dem 0:4 in den Verwaltungsmodus schaltete, sind die Basler um die höchste Niederlage auf eigenem Platz herumgekommen. Das bleibt jenes 0:5 vor zehn Jahren gegen den FC Barcelona, ein Spiel, das einen ganz ähnlichen Verlauf genommen hatte, bei dem die Kräfteverhältnisse ebenso ungleich waren und bei dem der gegnerische Trainer auch Pep Guardiola hiess.

Trainermonologe: «Die Gegentore waren zu einfach»

Raphael Wicky, Trainer des FC Basel:

Dank an die leidensfähigen Fans: Raphel Wicky.

«Für eine perfekte Nacht hätten wir die Effizienz haben müssen, die Manchester City gezeigt hat. Die ersten beiden Gegentore waren zu einfach. Und wenn es nach 23 Minuten 0:3 steht, dann ist es vorbei. Gegen eine so unglaublich starke Mannschaft hofft man dann, dass es nicht in diesem Fünf-Minuten-Rhythmus weitergeht.

Die Umstellungen will ich nicht als Alibi gelten lassen. Natürlich ist Eder Balanta wichtig für uns, er hat eine gute Champions-League-Kampagne gespielt. Und klar, haben wir in der Abwehr noch nie in dieser Zusammenstellung gespielt. Aber die Jungs haben das ordentlich gemacht, und entscheidend war diese neu formierte Reihe nicht. Gegentore aus einem Eckball und einem Einwurf haben auch nichts damit zu tun, dass Spieler im Herbst noch nicht bei uns dabei waren. Solche Ausreden wären mir zu einfach, aber ich werde die Dinge ansprechen, die wir besser machen müssen.

In der Pause haben wir besprochen, dass wir versuchen, weiter mutig zu spielen. Ich wollte eine Mannschaft sehen, die nicht nur verteidigt, sondern versucht, in Ballbesitz selbst etwas zu kreieren. Deshalb nehme ich trotz des brutalen Resultats viel Positives mit. Gegen ein solches Kaliber wie Manchester City zu spielen, bei denen alles schneller und präziser geht, ist eine wichtige Erfahrung für unsere Spieler, daraus kann man viel herausziehen. Auch aus den schwierigen Momenten, und von denen gab es ja einige.»

Gentleman: Pep Guardiola und Michael Lang.

Pep Guardiola, Trainer von Manchester City:

«4:0 auswärts ist ein unglaubliches Resultat. Es dauert zwar 180 Minuten, aber wir sind fast am Ziel, auch wenn ich viel Respekt vor Basel habe. Wir hätten zu Beginn in Rückstand geraten können, es hätte da auch 2:0 für Basel stehen können. Aber dann führten wir bald 3:0, wir haben das also gut gemacht. In der zweiten Halbzeit war es nicht einfach, das Niveau zu halten. Wir hatten aber viele Chancen und haben unglaubliche vier Tore erzielt.

Ich habe das Spiel zwischen Basel und Manchester United gesehen. Damals war Basel im Rhythmus, und dieses Mal war die fehlende Spielpraxis des Gegners ein Vorteil für uns. Aber ich weiss aus meiner Zeit in Deutschland, was es heisst, eine Winterpause zu haben.»

Die Aufstellungen: Lacroix für Balanta

FCB-Trainer Raphael Wicky musste auf Eder Balanta verzichten und die Abwehr umstellen. Für den Kolumbianer spielte Léo Lacroix, der erst vor zehn Tagen zum FCB gestossen ist. Wicky hielt jedoch am in der Champions League praktizierten Dreierabwehrblock fest und zog dafür Taulant Xhaka  zurück. Das zentrale Mittelfeld bildeten Rückkehrer Fabian Frei sowie Geoffroy Serey Dié. Dimitri Oberlin, der vier Tore in der Königsklasse erzielt hat, gab die Angriffsspitze.

Bei Manchester City baute Pep Guardiola ebenfalls die Abwehr um: Routinier Vincent Kompany begann in der Innenverteidigung und trug die Captainbinde. Für den 31-Jährigen war es der erste Einsatz in der laufenden Kampagne. Der mit einer Blitzgenesung zurückgekehrte Leroy Sané nahm zunächst auf der Bank Platz.

FC Basel (3-4-3): Vaclik – Xhaka, Lacroix, Suchy – Lang, Frei, Serey Dié, Riveros – Stocker (71. Ajeti), Oberlin, Elyounoussi (85. Bua).

Bank: Salvi (Tor), Petretta, Zuffi, van Wolfswinkel, Manzambi

Manchester City (4-3-3): Ederson – Walker, Kompany, Otamendi, Delph – De Bruyne (63. David Silva), Fernandinho, Gündogan, – Bernardo Silva, Agüero (85. Danilo), Sterling (57. Sané).

Bank: Bravo (Tor), Stones, Laporte, Foden.

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Konversation

  1. Mit einem guten Schiedsrichter wären wir 1:0 vorne und (nach zweimaligem absichtlichen Handspiels) mit einem Mann mehr auf dem Platz gewesen.

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