Muttenzerkurve boykottiert Spiel in Thessaloniki

Die in der Muttenzerkurve organisierten Fans des FC Basel rufen dazu auf, dem Auswärtsspiel in der Champions-League-Qualifikation am kommenden Dienstag fernzubleiben. Ihnen passt das Prozedere bei der Ticketabgabe nicht.

Kleine Reisegruppe: FCB-Fans im Gästesektor beim letzten Qualifikationsspiel des FC Basel am 25. August 2015 in Tel Aviv.

Madrid, München, Mailand oder Manchester, Barcelona, London oder Paris – das sind alles Fussball-Destinationen, die der FC Basel in seiner jüngeren Europacup-Geschichte zum Teil mehrfach bereist hat. Bei einem Teil seiner Fans gibt es deshalb eine stille Sehnsucht nach exotischen oder mindestens aussergewöhnlichen Orten, die fern der festgefahrenen Routen der Champions League liegen.

Da käme Thessaloniki eigentlich gelegen, zumal der FC Basel im Europacup noch nie gegen einen griechischen Klub gespielt hat. Doch im Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League bei PAOK Saloniki wird der FCB ohne seine Fans auskommen müssen. Zumindest ohne jene der Muttenzerkurve.

Auf ihrer Website hat die Muttenzerkurve zum Boykott des Spiels im Norden Griechenlands aufgerufen, weil ihr die Restriktionen für den Eintritt ins Toumba-Stadion zu rigide sind. Die griechischen Behörden schreiben eine Personalisierung der Tickets für die Gästefans vor, und, so schreiben die Kurvenfans, «dieser Registrierung verweigern wir uns und reisen nicht nach Griechenland».

In der Stellungnahme erinnern die Basler Kurven-Fans an die Idee der Personalisierung mittels eines Fanpasses im Jahr 2002, an ein Wiederaufleben dieses Unterfangens nach den Ausschreitungen in Basel am 13. Mai 2006 und sie verweisen auf Boykotte aus ähnlichen Motiven bei Europacup-Spielen in Rom oder in Paris.

Weiter heisst es auf der Website der Muttenzerkurve: «Personalisierte Tickets sind einer von vielen Versuchen, die darauf abzielen, die wilden Elemente der Fankultur zu bekämpfen. Wer sich zur organisierten Fanszene bekennt, soll sich diesem Aufruf anschliessen und dem Gästeblock fernbleiben.»

Heisse Atmosphäre im Toumba-Stadion

Wie das Portal «Faszination Fankurve» schreibt, sind in Griechenland bei Spielen mit erhöhtem Sicherheitsrisiko – also meist zwischen den grossen Klubs des Landes – schon seit Jahren überhaupt keine Gästefans mehr zugelassen. Bei Europacup-Spielen ist die Praxis der personalisierten Tickets in Griechenland inzwischen Usus.

Das Toumba in Thessaloniki gilt mit seinen 29’000 Plätzen als ein Hexenkessel, zumal wenn vollbesetzt. Und die Anhänger von Paok, vor allem jene aus der Kurve «Gate 4», sind als mindestens so wild bekannt wie diejenigen des FC Basel. Es wird jedenfalls laut werden am kommenden Dienstag, wenn gegen den Gast aus der Schweiz eine gute Ausgangslage für das Rückspiel in der folgenden Woche geschaffen werden soll.

Boykottaufrufe der Muttenzerkurve gab es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder. Bei internationalen Spielen zuletzt in der Champions League und vor dem Auswärtsspiel im Pariser Parc des Princes am 19. Oktober 2016.

Damals kritisierten die Fans einerseits das «rätselhafte Kontingent» von lediglich 800 Karten und das «schikanöse Prozedere», mit dem die Tickets abgegeben wurden. Trotz Boykottaufruf blieb der Gästesektor in Paris dann aber doch nicht leer.

19. Oktober 2016: Nach einem Boykottaufruf der Muttenzerkurve wegen restriktiver Massnahmen der Behörden wollen dennoch einige Fans das Champions-League-Spiel des FCB bei PSG im Gästesektor sehen.

Die strengen Auflagen standen seinerzeit auch im Zusammenhang mit dem Ausnahmezustand, der in Frankreich im Zuge des Terroranschlags in Paris ein Jahr zuvor herrschte. Aus diesem Grund wurden im Februar 2016 beim Europa-League-Spiel in St-Etienne überhaupt keine Gästefans zugelassen.

Der FCB spielte damals ohne verbale Unterstützung von den Rängen, er verlor 2:3, kam aber dank eines 2:1-Erfolgs im Rückspiel und dem einen Auswärtstor mehr eine Runde weiter.

18. Februar 2016: Im Zuge des Ausnahmezustands in Frankreich bleibt der Gästesektor im Europa-League-Spiel des FCB in St-Etienne leer. Die heimischen Fans solidarisierten sich mit einem Transparent.
https://tageswoche.ch/sport/fcb-holt-sich-mit-martin-hansen-erfahrung-fuers-tor/

Konversation

  1. Ich kann die MK verstehen.
    Wäre ja zu dumm, wenn man nach strafbaren Handlungen auf so simple Weise identifiziert werden würde.
    (Kann Spuren von Ironie enthalten.)

    Danke Empfehlen (1 )
  2. Genau – die beschriebene „wilde“ Fankultur kann getrost zuhause bleiben. Gerne auch bei Heimspielen, damit es mehr Platzhat für richtige Fankultur und damit Fussballspiele richtige Fester werden.

    Danke Empfehlen (3 )
    1. Es hätte sowohl bei Heim- wie bei Auswärtsspielen genügend Platz für Ihre „richtige“ Fankultur. Tun Sie sich also keinen Zwang an. Aber bis Sie dann soweit sind und etwas für die Stimmung beitragen, bin ich froh, dass die MK das tut.

      Danke Empfehlen (0 )
    2. Ich kenne viele, die genau wegen den paar Unbelehrbaren da gar nicht hingehen. Nicht jeder findet es toll nach dem Spiel versuchen zu müssen seine Kinder von prügelnden Hooligans oder aus dem Reizgasnebel zu kriegen.

      Danke Empfehlen (1 )
    3. Die gehen nur nicht hin, weil sie befürchten, dass ihre Kids die Hooligans und den Nebel toll fänden. Denn dann wäre in ihrer steril-keimfreien Kindheit endlich mal was los.

      Danke Empfehlen (0 )
  3. Es wird da immer von Fan-„Kultur“ geredet, dabei handelt sich eher um Fan-Unkultur, wo auch Fan-Kriminalität gedeckt und toleriert wird. Die Ungesetzmässigkeiten dieser Fan-Unkultur sind leider schon längst zur Normalität geworden. Positive Entwicklung wenn die „Fans“ sich selber boykottieren und zuhause bleiben.

    Danke Empfehlen (5 )
Alle Kommentare anzeigen (6)

Nächster Artikel