Wie auf dem Rangierbahnhof – der erste Basler Sieg bei GC seit drei Jahren

69 Minuten lang herrschten im winterlichen Letzigrund eher Langeweile und Gleichstand – dann gab es im ersten Spiel des Jahres doch noch Spektakel, vier Tore und einen 4:2-Sieg des FC Basel über die Grasshoppers. Damit wahrt der Tabellenführer, für den Elneny, Gashi, Streller und Calla trafen, seinen Acht-Punkte-Vorsprung.

Der Basler Torschuetze Mohamed Elneny, rechts, jubelt mit Marco Streller, links, nach seinem Tor zum 0-1 beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Basel, am Sonntag, 8. Februar 2015, im Letzigrund Stadion in Zuerich. (KEYSTONE/Walter Bieri) (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

69 Minuten lang herrschten im winterlichen Letzigrund eher Langeweile und Gleichstand – dann gab es im ersten Spiel des Jahres doch noch Spektakel, vier Tore und einen 4:2-Sieg des FC Basel über die Grasshoppers. Damit wahrt der Tabellenführer, für den Elneny, Gashi, Streller und Calla trafen, seinen Acht-Punkte-Vorsprung.

Hört man Paulo Sousa, dann stand es schlecht um den FCB: Fabian Schär gesundheitlich angeschlagen, aber vom Trainer dennoch für die Startelf im Letzigrund aufgeboten. Dann kassiert Behrang Safari einen Tritt, hat Krämpfe, und schliesslich wird auch noch Tomas Vaclik bei einer kitzligen Rettungstat gegen Anatole Ngamukol am Knöchel getroffen.

Irgendwann stand es dann im Letzigrund 1:1. GC hatte die Führung, die der FCB dem ersten Saisontreffer von Mohamed Elneny verdankte (28. Minute), ausgeglichen durch ein Kopfballtor von Munas Dabbur (49.). Ein Gegentor, bei dem Safari schlecht aussah. Es bestand also Handlungsbedarf, um das Spiel des FCB zu beleben.

Und man kann hinterher sagen: Sousa traf, wenn auch mit etwas Verspätung, die richtigen Entscheidungen. Er wechselte drei Viertel seiner Abwehrreihe aus, erst Philipp Degen (für ihn kam Matias Delgado) und Schär (Walter Samuel), später auch noch Safari (Davide Calla).

Die gewinnbringenden Einwechslungen

Mit Delgado kam mehr Struktur ins Basler Spiel, bekam Marco Streller den Ball mehrheitlich in die Füsse und nicht wie zuvor eine Stunde lang meistens hoch zugespielt. Samuel strahlte in dem nun tiefer agierenden Abwehrblock (mit Allzweckwaffe Xhaka anstelle von Degen erst als Rechtsverteidiger, später als Linksverteidiger) Ruhe aus und bereitete mit grosser Übersicht und langem, tiefem Zuspiel auf Streller das 1:3 vor.

Der Basler Trainer Paulo Sousa, rechts, umarmt Torschuetze Davide Calla, links, nach seinem Treffer zum 2-4 fuer Basel beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Basel, am Sonntag, 8. Februar 2015, im Letzigrund Stadion in Zuerich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Enge Sache im Letzigrund: FCB-Trainer Paulo Sousa nimmt Davide Calla in Empfang, den er gerade erst eingewechselt hat und der soeben das siegbringende 4:2 erzielt hat. (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Und Calla als dritter Einwechselspieler bereitete mit einer Energieleistung das vierte Tor vor und vollendete es auch gleich noch, nachdem Streller seinen Ball auf der Torlinie von Michael Lang abgewehrt sah. Calla war da noch keine zwei Minuten auf dem Platz, und die Partie entschieden. Ein Startspiel nach der Winterpause, das im winterlichen Letzigrund und vor lediglich 6300 Zuschauern zunächst wenig Erbauendes geboten hatte, ab der 69. Minute aber spektakuläre Züge annahm.

Sousa: «Ein Sieg des Charakters»

Dafür, dass beim FC Basel nach der Vorbereitungszeit und in den Tagen vor dem Wiederbeginn so ziemlich alles «fantastisch» war (O-Ton Paulo Sousa), geriet der Praxistest eine Stunde lang nur mit Vorbehalt. Ausser dem Führungstor Elnenys, der nach einem Freistoss völlig ungedeckt aus 14 Metern via Kopf von Michael Dingsdag traf, kamen die Basler aus dem Spiel heraus nicht zu zwingenden Chancen.

Von dem, was die Mannschaft 61 Tage zuvor, beim letzten, grossen Auftritt in Liverpool ausgezeichnet hatte – die Automatismen, eine gewisse Leichtigkeit und grosses Selbstverständnis –, brachte sie im Letzigrund nicht viel auf den Platz. Sie kontrollierte zwar mehrheitlich den Ball, konstruktiv wurde es aber selten, und die Grasshoppers setzten beherzten Einsatz dagegen und rissen immer wieder Löcher, vor allem in die Basler Flanken.

Die Tore in der Zusammenfassung:

Das änderte sich erst, als Sousa in seinem Verschiebebahnhof ein paar Wagons umgehängt hatte: den grössten und schwersten stellte er in die Abwehr (Samuel), den Allradantrieb (Xhaka) von der Mitte erst nach rechts, dann nach links, ein wendiger gebautes Element setzte er im offensiven Mittelfeld zwischen die Linien (Delgado) und dazu parkierte er Luca Zuffi vor der Abwehr. Da kam GC nicht mehr mit, Sousas rochadenerprobte Spieler schon, und so fielen in zwölf Minuten vier Tore – im Verhältnis 1:3 verteilt.

«Ich bin mehr als glücklich über diesen Sieg», sagte Sousa nach gelungener Operation, und erklärte den geglückten Start in die zweite Saisonhälfte angesichts der Probleme eines Teils seines Personals zu einem «Sieg des Charakters». Und nicht der Qualität, wie der FCB-Trainer anfügte.

Mit Effizienz allein nicht zu erklären

Pierluigi Tami kam nach seinem Debüt als GC-Trainer zum Schluss: «Der grosse Unterschied war die Effizienz des FCB.» So einfach wollte es sich Michael Lang jedoch nicht machen: «Das ist mir zu einfach, um 90 Minuten zu erklären.» Zufrieden war der Nationalspieler damit, dass seine Mannschaft die Querelen um Ex-Captain Veroljub Salatic ausblenden konnte: «Wir haben Moral gegen einen starken FCB gezeigt.»

Die Grasshoppers, bei denen der FCB im März 2012 das letzte Mal hatte gewinnen können (2:0, Tore von Shaqiri und Degen) waren so lange ein hartnäckiger Widersacher, wie die Grundordnung mit einer Dreierabwehrkette stand. Mit der Auswechslung von Levent Gülen (72. gegen Yoric Ravet, dazu Ben Khalifa für Caio) geriet das Gefüge durcheinander, konnte sich Streller plötzlich gegen Stéphane Grichting behaupten, und weil Tami den Sieg suchte, standen am Ende vier GC-Stürmer auf dem Platz.

«Das hat dem FCB natürlich in die Karten gespielt», sagte Michael Lang zu den Räumen, die sich dadurch weiter hinten auftaten und weidlich ausgenutzt wurden. Wie die Basler dann ihre drei Tore erzielten, hatte Klasse, so wie beim 1:2. Elneny auf Streller, der zu Shkelzen Gashi, und der Goalgetter machte Saisontor Nummer 12 mit einer ansatzlosen Links-Rechts-Kombination.

Der am Montag bei der Gala-Nacht der Swiss Football League zum besten Super-League-Spieler gewählte hält von verflossenem Ruhm übrigens wenig: «Das war für 2014», sagt der Ex-Hopper Gashi, «jetzt haben wir 2015». Ist doch schön für einen Trainer, wenn er Spieler mit einer solchen Einstellung hat.

 

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