Auf dem Klybeckareal entsteht ein Quartier-, Gewerbe- und Kulturzentrum für fünf Jahre

Die BASF hat drei Gebäude im Norden des Klybeckareals für eine Zwischennutzung umgebaut. Im Dezember werden die ersten von insgesamt rund 80 Mietern die Räume in Beschlag nehmen.   

Die drei zur Zwischennutzung freigegebenen Bauten befinden sich im nördlichen Teil des BASF-Areals.

Es war ein oft geäusserter Wunsch bei den Beteiligungsveranstaltungen zur Umwandlung des Industrieareals Klybeck plus in ein neues Stadtquartier: Dass nämlich gewisse Gebäude während der langen Planungsdauer zwischengenutzt werden können. Und dass sich so auch Impulse für die künftige Nutzung ergeben könnten.

Eine der Grundbesitzerinnen, die BASF, ging auf diesen Wunsch ein. Sie kündigte im März 2018 an, dass sie im Norden des Areals drei Gebäudekomplexe für fünf Jahre zur Zwischennutzung freigeben möchte. Die notwendigen Umbau- und Instandstellungsarbeiten sind so weit vorangeschritten, dass im Dezember die ersten Ankermieter einziehen werden.

Dies geht aus einem Newsletter der Planungsgemeinschaft Klybeck plus mit BASF, Novartis und dem Kanton Basel-Stadt hervor.

5500 Quadratmeter Fläche

Verantwortlich für die Vergabe ist das Unternehmen mit dem Namen Unterdessen, die bei der Zwischennutzungs-Vermittlung in Basel beinahe schon eine Monopolstellung einnimmt. Doch auch für dieses Unternehmen ist dieses aktuelle Projekt mit 5500 Quadratmetern Fläche eine riesige Kiste. «Seine Komplexität ist an der oberen Grenze dessen, was wir bisher betreut haben», lässt Christoph Peter, Projektleiter bei Unterdessen, im Newsletter verlauten.

Komplex gestaltet sich das Ganze nicht zuletzt dadurch, dass höchst unterschiedliche Räumlichkeiten zur Verfügung stehen: von grossen Hallen, die einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden sollen, bis zu Büros für Start-ups aus der Kreativwirtschaft. Unterdessen musste sich mit über 300 Anfragen auseinandersetzen. Noch sind nicht alle zukünftigen Nutzungen festgelegt.

Zu den ersten Mietern werden unter anderem Künstlerinnen und Künstler aus der Ateliergenossenschaft Klingental gehören, die ihre langjährige Bleibe auf dem Kasernenareal wegen des Umbaus verlassen mussten. Sie werden im Dezember in einem ehemaligen Bürotrakt neue Ateliers beziehen können. Die Büroräume wurden entsprechend umgebaut, Teppiche und teils auch Wände kamen raus, die abgehängten Decken wurden demontiert.

Zu den weiteren Erstmietern gehören eine Architektengemeinschaft, Kreativwirtschaftler, die Redaktion der Quartierzeitung «Mosaik» und der Verein Migranten helfen Migranten.

Gastronomie und Konzerte

Zu dieser Aufzählung gehören vor allem Nutzer von nicht öffentlich zugänglichen Räumen. Die Zwischennutzung soll aber kein abgeschottetes Projekt bleiben. Peter spricht von einigen «stimmigen Ideen» für öffentliche Nutzungen wie eine Sport- oder Kulturhalle, eine Fotogalerie oder ein Werkraum, der auch für Workshops zur Verfügung stehen könnte.

Eines der möglichen Herzstücke der Zwischennutzung: Diese Halle soll zur Bar mit Konzertbetrieb und Mittagsmenüs umgenutzt werden.

Ziemlich weit fortgeschritten ist ein weiteres Projekt, das zum öffentlichen Herzstück des Ganzen werden könnte: Ein Verein mit Namen Kieswerke St. Johann hat das Baugesuch für eine Veranstaltungshalle mit Bar, Konzerten, DJ-Acts und Mittagsmenüs eingereicht. Ort ist eine ehemalige Kunststoffwerkstatt der BASF.

Hinter dem Projekt mit dem Titel «Humbug» stehen der Schauspieler und Gastronom Markus Wolff und die Platanenhof-Wirtin Charlotte Wirthlin. Das Projekt wird von der Christoph Merian Stiftung mit 80’000 Franken unterstützt.

Mitte Oktober luden die Projektverantwortlichen von BASF, dem Kanton und Unterdessen zu einer Infoveranstaltung ein. Hier kamen auch Quartierbewohner zu Wort, die sich nicht als Mieter beworben haben. Laut Newsletter kristallisierten sich hier vor allem zwei Wünsche heraus: ein «Dorfplatz» für das Quartier und öffentliche Räumlichkeiten, die man auch ohne Konsumzwang nutzen kann.

Die Arealbesitzerin BASF beschränkte sich auf die Rolle der Ermöglicherin. Sie hat die Bauten auf eigene Kosten instandgestellt und das Zwischennutzungsareal vom restlichen Werkareal abgetrennt, wie aus dem Newsletter hervorgeht. Der Kanton wiederum erhofft sich von der fünfjährigen Zwischennutzungsphase Impulse für die künftige Gestaltung des Areals. «Ich verspreche mir davon, die Dynamik aus diesem Projekt mitnehmen zu können», lässt sich Katrin Oser, Projektleiterin im Bau- und Verkehrsdepartement zitieren.

Projekt stösst auf viel Goodwill

Auf viel Goodwill stösst das Zwischennutzungsprojekt auch bei engagierten Beobachtern des Transformationsprozesses. «Es ist sehr begrüssenswert, dass sich die BASF in diesem Ausmass für eine Belebung des Areals einsetzt», sagt Christoph Moerikofer, der mit seinem unabhängigen Verein Zukunft Klybeck Lobbyarbeit für die Quartierbevölkerung betreibt.

Positiv äussert sich auch Martin Brändle von der benachbarten Wohngenossenschaft Klybeck und vom Verein Dreieck Klybeck. Dieser hat schon vor Jahren Ideen für eine Umgestaltung und eine neue Nutzung des nördlichen Arealteils entwickelt.

Konversation

  1. Ich verstehe die Freude über diese „Zwischennutzungen“ nicht. Das nördliche Klybeck war mal ein äusserst produktives Arbeiterquartier. Jetzt soll es zum Hippiemagnet werden (bzw. ist es durch den Hafen schon geworden). Diese Geschichte geht so aus wie überall auf der Welt: Das Quartier wird „trendy“ und die von ebendiesen Hippies immer angeprangerte Gentrifizierung wird eingeläutet. Profitieren werden letztlich nur die Immobilienfirmen.

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    1. Glaube kaum, dass sich ein „Hippie“ in ein ehemaliges Industrieareal verirren würde…Sie meinen wohl eher „trendy Hipsters“ mit ihren coolen Bärten schlürfen dort ihre „lattes“ in Hipstelicafes

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