Das Aus von Barfi.ch ist vor allem ein bitterer Moment für Medienpionier Christian Heeb

Es hat sich abgezeichnet: Im Juli ist das Basler News-Portal Barfi.ch in die Nachlassstundung gerutscht, an diesem Wochenende verkündete Gründer und Chefredaktor Christian Heeb das Aus. Eine Würdigung.

Lichterlöschen bei der News-Plattform Barfi.ch.

Christian Heeb ist ein engagierter Optimist. Noch Ende Juli sagte er gegenüber der TagesWoche, dass er an eine positive Wende glaube. Doch jetzt muss er das Aus verkünden. Sein am 1. August 2015 lanciertes News-Portal Barfi.ch war wegen akuten finanziellen Problemen in die Nachlassstundung gerutscht, am vergangenen Samstagmorgen schrieb Heeb auf seiner bereits inaktiven Website: «Die wirtschaftliche Situation lässt eine Fortführung nicht mehr zu, unsere Kasse ist endgültig leer.»

Es ist bedauerlich, dass in der ziemlich durchgerüttelten Basler Medienlandschaft eine Stimme verstummt. «Eine junge, schnelle und innovative Stimme Basels», wie die Redaktion in ihrem melancholischen Dankesschreiben an die Leserschaft schreibt, war Barfi.ch aber nur bedingt.

Eine eigentlich erfolgreiche Nische in der Medienlandschaft

Jung war sie, weil Barfi.ch altersmässig zu den jüngsten Medienerzeugnissen der Region gehörte – und nicht, weil das Portal inhaltlich jung daherkam. Schnell war Barfi.ch fürwahr, denn die Redaktion schaltete Medienmitteilungen von Politik, Kultur und Wirtschaft unverarbeitet im «Copy & Paste»-Verfahren auf.

Und innovativ?

Vielleicht war das Innovative von Barfi.ch, dass sich die Online-Plattform dem Drang verwehrte, um jeden Preis innovativ zu sein. Sie verstand sich als Dienstleistungs-Nische für newsbegierige und nostalgisch angehauchte Basler (und Baselbieterinnen). Die schön bebilderten, aber kaum je kritsch hinterfragten Rückblicke auf das Basel von einst waren sehr beliebt. «Basel halt, die Hauptstadt der Welt», wie Heeb schreibt.

Barfi.ch hatte bei der Leserschaft Erfolg mit diesem Mix. «Unglaubliche 493’845 Nutzer» seien zuletzt Gast auf dem Portal gewesen, schreibt Heeb in seinem Abschiedstext und stützt sich dabei auf Messungen von Google Analytics.

Barfi.ch war aber mehr als ein News- und Nostalgieportal mit knalligen Titeln. Immer wieder waren auch Geschichten zu lesen, Resultate von engagierten Recherchen, die Nachhall hatten. Storys, die auch die TagesWoche aufnahm, wegen ihres Gehalts aufnehmen musste.

Anvisierte Werbekunden machten nicht mit

Doch jetzt ist Schluss. Der Erfolg bei der Leserschaft wurde von den anvisierten Werbekunden nicht gewürdigt. Dies obwohl Barfi.ch ihnen auf der gekachelten Website eine attraktive Plattform zur Verfügung gestellt hatte. Das Mediengeschäft ist – und das klingt, wenn wir es hier zum x-ten Mal wiederholen, beinahe banal – halt ein brutal hartes Pflaster.

Das Aus von Barfi.ch ist vor allem ein bitterer Moment für Heeb. Er hat viel Geld und Herzblut reingesteckt. Der Basler Medienpionier, der mit seinem 1983 gegründeten «Radio Basilisk» und den späteren Intermezzi mit dem  Baselbieter Lokal-TV «NW1» und dem Sender «Radio Basel» schon einiges an Höhen und Tiefen in der Medienszene durchlebt hat, sagt jetzt: «Adieu und Merci für die drei glücklichsten Jahre meines langen Berufslebens.»

Konversation

  1. Hier noch der Auszug aus dem letzten barfi.ch-Schreiben:

    „…………………….nicht einfach eine Redaktion, sondern Familie. Dass diese nun trotz niedrigem Gehalt, welches oft nicht einmal pünktlich kam und jetzt vorläufig ganz ausbleibt, für meine persönliche, unternehmerische Fehleinschätzung büssen muss, kann ich mir nie verzeihen.“

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  2. Das Schöne ist, dass er sein Team zurecht am Schluss lobt. Gleichzeitig das Schäbigste ist aber, dass er seinem Team noch Gehalt schuldet. So gelesen auf barfi.ch.

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  3. Ich denke, man kann ein „bewährtes“ Modell nicht über längere Zeiten immer wieder neu „auflegen“. Das gilt für Einige in der Medienszene. Ich denke da auch an Schawinski und seine Anfänge. Wenn der Inhalt sich nicht mit realen Verhältnissen auseinandersetzt, orientieren sich auch alte Kunden an neuen Clouds, auch wenn das nur Versprechungen sind. Soweit sind wir heute.

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  4. Lustig, dass Somm („eine der besten [Zeiten] in meinem Berufsleben“) und Heeb („die drei glücklichsten Jahre meines langen Berufsleben“) mit ähnlichen Superlativen Abschied nehmen.

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